Malerei, Druckgrafik und Textilkunst im Amtsgericht Rheinbach
Bildstrukturen mit Charakter
Rheinbach. Unter dem Motto „Textil # Textur“ zeigen drei Künstlerinnen des KUNSTFORUM ’99 ab sofort ausgewählte Arbeiten, die eines gemeinsam haben: Strukturen und Muster sind Teil der Bildkomposition. Die Malerin Hilda van Overveld-Priew erzielt die Texturen ihrer Bilder vielfach durch Verwendung zusätzlicher Materialien. Marlyse Permantier nutzt in ihrer Druckgrafik die Strukturen von Pflanzenfasern, und Elisabeth Wankerl erreicht mit ihrer künstlerischen Textiltechnik durch Fäden, Garn und Wolle malerische Effekte. Die Ausstellung wird bis zum 8. Dezember zu sehen sein.
Nicht nur inhaltliche Überschneidungen, sondern auch strukturelle Merkmale sind ein reizvolles Thema gemeinsamer Kunstpräsentation. Die Arbeiten der drei Künstlerinnen der Ausstellung „Textil # Textur“ gewinnen ihren Charakter und ihre gemeinsame Handschrift durch die strukturelle Besonderheit der bildnerischen Oberfläche. Die variablen Texturen der ausgestellten Werke ergeben sich durch Aneinanderreihungen, durch rhythmische Anordnungen sowie auch durch die Verwendung von Gewebestrukturen und pflanzlichen Netzwerken. Dadurch kommt es trotz unterschiedlicher Techniken und unabhängig von den Bildinhalten zu einem ästhetischen Gleichklang.
In den Arbeiten von Marlyse Permantier entstehen aus natürlichen Kozofasern vielseitige Liniengeflechte und Formgebilde, die an lebendige Figuren und märchenhafte Gestalten erinnern. Kozo, der Bast des japanischen Maulbeerbaums, lässt sich in aufgeweichtem Zustand auseinanderziehen und formen. Die Künstlerin entdeckte diesen Grundstoff der Herstellung japanischen Papiers als Druckvorlage. So entstehen Grafiken von großer Aussagekraft und struktureller Vielfalt.
Hilda van Overveld-Priew zeigt eine Serie von Bildern mit vielfarbigen materialbetonten Oberflächenstrukturen. Durch Abwaschungen und Abrieb ergeben sich neue, auch zufällige Texturen, die von der Künstlerin neu übermalt werden. Auch Pigmente und Sand werden verwendet und in die Farbschichten eingearbeitet. Rot in unterschiedlichen Nuancen ist die dominierende Farbe. Durch die Technik des Wegwischens und Wegwaschens gewinnen die Farben eine große Leuchtkraft.
Die Materialien Seide, Leinen, Wolle, Garn und Zwirn bestimmen die Bildstruktur der Arbeiten von Elisabeth Wankerl. Dabei ist der Zufall ein wesentlicher Faktor. In einem ersten Schritt entstehen durch die Technik des Marmorierens unterschiedliche Farbverlaufsmuster und texturale Gebilde. Von diesen Farbflächen lässt sich die Künstlerin inspirieren, „zeichnet“ mit dem Faden und füllt mit farbigem Garn einzelne Flächen aus. So entstehen allmählich Bilder, deren Themen sich im Prozess entwickeln. Alte Stoffe, die schon Spuren aufweisen und Geschichten erzählen, wecken dabei oft Erinnerungen. Der Prozess des Nähens und Stickens lässt Gedanken, Bilder und Erinnerungen auftauchen, die etwas Neues entstehen lassen. Die Sinnlichkeit des handverarbeiteten Materials wird in den Arbeiten spürbar, und alte Kulturtechniken erhalten durch künstlerische Transformation eine neue Bedeutung.
Marlyse Permantier (v.li.), Elisabeth Wankerl, Hilda van Overveld-Priew und Amtsgerichtsdirektorin Sylvia Wurm bei der Eröffnung der Ausstellung „Textil # Textur“ im Amtsgericht Rheinbach. Foto: privatArtikel melden
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