Allgemeine Berichte | 03.11.2016

Innenrenovierung und Instandhaltung der Pfarrkirche St. Laurentius in Nentershausen

Bisher laufen die Arbeiten nach Plan

Von der St. Laurentius-Kirche ist im Inneren derzeit nicht viel zu erkennen. Während der Innenrenovierung wurde im Chorraum beispielsweise der komplette Hochaltar eingerüstet und die Fenster herausgenommen. Andreas Egenolf

Nentershausen. Still ist es geworden in Herzen Nentershausens. Nicht, dass hier sonst lautes Geschrei oder sonstiger Lärm erklingen würde, aber in der Laurentius-Kirche erinnert hör- wie sichtbar im Inneren auf den ersten Blick derzeit nicht mehr viel an das ursprüngliche Gotteshaus. Das letzte Halleluja ist am Kirmessonntag Mitte August hier verklungen, kein Amen wird hier bis Juni nächsten Jahres zu hören sein. Vielmehr klingen hier derzeit höchstens leise die Töne eines Baustellenradios durch den großen Backsteinbau. Das Wahrzeichen Nentershausens ist aber nicht nur rein akustisch zurzeit weit entfernt von einer Kirche, auch optisch erkennt man derzeit kaum etwas im Innenraum des Sakralbaus. Gerüststangen über Gerüststangen reichen bis unter die Deckenwölbung. Ganze fünf Wochen hat es gedauert bis die zuständige Firma das komplette Innere eingerüstet und mit Aluminiumplanken versehen hatte. Sechs Etagen gilt es nun zu erklimmen, bis die Arbeiter unter der Decke angekommen sind. Dort sind derzeit Judith Granek und ihre Kollegen beschäftigt. Der Restauratorin merkt man sofort an, dass die Baustelle in Nentershausen nicht ihre Erste dieser Art ist. Mit geübtem Blick und viel Geduld beizt sie die derzeitige Ausmalung an der Pfeilerleibung mit Aceton getränkter Watte ab. Zentimeter für Zentimeter kommt so die ursprüngliche Ausmalung der Laurentius-Kirche wieder zum Vorschein – und das sogar erstaunlich gut erhalten. Das Gros dieser ursprünglichen Ausmalung entstand seinerzeit mit Ölfarben. Es wurden allerdings auch Leinfarben verwendet, die heute jedoch nur noch teilweise bzw. gar nicht mehr unter der bisherigen Ausmalung zu finden sind, wie Probefreilegungen vor Beginn der Maßnahmen an dem Westerwälder Gotteshaus gezeigt haben. An den nicht mehr rekonstruierbaren Stellen werden abgenommene Schablonen später zum Einsatz kommen, um die ursprünglichen Muster möglichst detailgetreu nachzuempfinden. Bis dahin wird es jedoch noch einige Wochen an Arbeit für die Restauratoren brauchen, schließlich muss zuerst die aktuelle Farbe Stück für Stück, größtenteils in Handarbeit, abgetragen werden. „Das kann je nachdem innerhalb weniger Stunden gehen. Manchmal braucht man für eine kleine Fläche aber auch schon einmal ein bis zwei Tage bis die Farbe komplett runter ist“, gibt Granek einen kurzen Einblick in ihre Arbeit und widmet sich im nächsten Moment wieder geduldig mit ihrem Wattebausch der Pfeilerleibung. Das muss sie auch, denn die Zahlen, die Architekt Stefan Zeyen präsentiert, zeigen die Arbeit, die noch vor Granek und ihren Kollegen in den nächsten Wochen und Monaten liegt: „Wir haben hier insgesamt 2000 Quadratmeter Wand- und Gewölbeflächen, 1072 Meter Rundstäbe, 502 Meter Pfeilerleibung und 850 Meter Gewölberippen, die bearbeitet werden müssen.“ Bisher liegen die Arbeiten, für die insgesamt ein hoher sechsstelliger Betrag aufgewendet wird, im Plan. Alle beteiligten Parteien wissen aber auch, dass bei einem solchen altehrwürdigen Kulturdenkmal unvorhergesehene Probleme auftreten können.

Apropos: Probleme: Die Verantwortlichen loben unisono die problemlose Mitarbeit der Gemeindemitglieder zu Beginn der Maßnahme. Hier sorgten zahlreiche Helfer dafür, dass das Gotteshaus binnen weniger Tage, sogar schneller wie geplant, leer geräumt wurde. So erhielten beispielsweise die Heiligenstatuten einen provisorischen Platz in der Friedhofshalle und die Kirchenbänke wurden in einer kostenfrei zur Verfügung gestellten Industriehalle eingelagert. Zudem wurden auch die 2006 restaurierten Chorraumfenster ausgebaut und bei einem Glaser eingelagert. „Das war schon eine unglaubliche Beteiligung“, zeigt sich Stefan Zeyen begeistert von der Unterstützung der Nentershäuser Bürger.

Doch deren Hilfsbereitschaft ist verständlich, schließlich sollen die Arbeiten in der Laurentius-Kirche bis zu den Feierlichkeiten rund um den 150. Weihetag des Backsteinbaus an Fronleichnam 2017 abgeschlossen sein. Dafür gilt es unter anderem darauf zu verzichten, dass es bis zur Wiedereröffnung keine Gottesdienste in Nentershausen, so unter anderem an Weihnachten und Ostern, geben wird. Anschließend weicht dann die derzeitige Stille auch wieder dem üblichen Kirchenalltag. So ganz ohne Stille.

Restauratorin Judith Granek legt derzeit hoch oben in der St. Laurentius-Kirche in Nentershausen mit ihren Kollegen wieder die ursprüngliche Ausmalung des Gotteshauses frei.

Restauratorin Judith Granek legt derzeit hoch oben in der St. Laurentius-Kirche in Nentershausen mit ihren Kollegen wieder die ursprüngliche Ausmalung des Gotteshauses frei. Foto: Andreas Egenolf

Von der St. Laurentius-Kirche ist im Inneren derzeit nicht viel zu erkennen. Während der Innenrenovierung wurde im Chorraum beispielsweise der komplette Hochaltar eingerüstet und die Fenster herausgenommen. Fotos: Andreas Egenolf Foto: Andreas Egenolf

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