Jutta Deimel und Uwe Knüpfer suchten Antworten bei Ruhrgebiet-Kabarettisten
„Blicke in den Kohlen-Pott“
Remagen. „Wat is dat eigentlich: der Kohlen-Pott?“- Jutta Deimel und Uwe Knüpfer suchten Antworten bei Ruhrgebiet-Kabarettisten. Texte von Elke Heidenreich, Rainer Bonhorst und Frank Goosen erlaubten tiefe Einblicke in die Seele der Menschen „anne Ruhr“. So wenn die Metzgersgattin „Else Stratmann“ in der handfesten Sprache des Ruhrgebiets ihre Zuneigung zu Mozart erläutert oder Karl Marx als Wirtschaftsminister empfiehlt. Die sehr besondere Grammatik des Ruhr-Deutschen erschloss sich in einem fiktiven Dialog zwischen einem Reporter und „Dr. Antonia Cervinski-Querenburg“, Sprachforscherin an der Ruhr-Universität Bochum und Enkelin der legendären Kumpel-Anton-Figur: „Anton, sachte Cervinski für mich“. Texte des Bochumers Frank Goosen schälen den harten Kern lieb gewordener Klischeebilder heraus, etwa wenn Touristen das viele Grün im Ruhrgebiet bewundern oder die raue Herzlichkeit der Einheimischen: „Die Menschen werden nicht besser, nur weil sich der Lichtschein flüssigen Stahls so malerisch in ihren Gesichtern bricht.“ Mittelalterliche Garnisonsstädte schön finden, das könne jeder, schreibt Goosen: „Aber auf dem Gasometer in Oberhausen stehen, sich umgucken und sagen: Wat ne geile Gegend. Das muss man wollen.“ Ruhrgebietler können, so viel wurde den rund zwei Dutzend Gästen der Schatzkammer an diesem heiteren Abend klar, gut über sich selber lachen- und sie lieben diesen eigenartigen Städtebrei zwischen Rhein und Soester Börde, Sauer- und Münsterland wirklich. In Frank Goosens Worten: „Nä, schön is dat nicht, aber meins.“- kurze Texte zur Historie des Ruhrgebiets rundeten das einstündige Programm ab. Wer weiß schon, dass der Ruhrschnellweg einem uralten Handels- und Königsweg folgt und dass Städte wie Essen, Duisburg oder Bochum allesamt älter sind als Berlin oder München? Und wie viele Theater und Konzerthäuser es dort heute gibt? Zum Schluss sangen alle Gäste zusammen mit den Vortragenden und Mario Messer an der Gitarre die Ruhr-Hymne, das Steigerlied: „Glückauf, Glückauf, der Steiger kommt“ Dann gab es noch, zu Original Moritz-Fiege-Pils aus Bochum und Musik von „Herne3“, „Mutters guten Kohl“: Grünkohl, vegan oder lieber doch mit Wurst und Speck. Beide Varianten wurden gern genommen. Blicke in den Kohlenpott, machen hungrig auf mehr.
Pressemitteilung
Schatzkammer Oberwinter e.V.
