Allgemeine Berichte | 10.10.2016

Kurtscheider Verein „Arche Wyda“ schult Menschen, ganzjährige Blühflächen zu schaffen

„Blühende Landschaften“ zurückerobern

Mora Knoepfler (vorne) erklärt im Lehrgarten der „Arche Wyda“ den Anbau von ganzjährig blühenden Pflanzen. Ihre Mission ist der Kampf gegen das Artensterben.KER

Kurtscheid. Glaubt man Mora Knoepfler, der Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Arche Wyda“ in Kurtscheid, dann ist es um die Erträge der heimischen Obst- und Gemüseanpflanzungen schlecht bestellt. Der Verein spricht von einem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt und der Bestäubungsleistung der Insekten.

„Arche Wyda“ war zunächst, seit seiner Gründung vor 25 und bis vor fünf Jahren, ökologisch orientiert und wollte, so Mora Knoepfler, „zeigen, wie man den sehr komplizierten Westerwälder Boden fruchtbar und für den Gemüseanbau nutzbar machen kann“. Vor fünf Jahren setzte „Arche Wyda“ sich dann neue Ziele. Mora Knoepfler erklärte: „Wir haben eine Wandlung vollzogen, weil wir merkten, dass die Fruchtbarkeit nachließ, auch bei uns. Die Bestäubungsleistung der Blütenbestäuber fehlte. Daraufhin haben wir immer mehr Flächen umgewandelt von Nutzflächen zu Blühflächen.“ Seitdem ist Mora Knoepflers Bestreben und das des Vereins, den hiesigen heimischen Tieren der Insektenwelt wieder mehr Nahrung und damit die Möglichkeit zu bieten, sich hier anzusiedeln und zu vermehren. Als bei den 175 Streuobstbäumen - Äpfel, Pflaumen, Nüsse etc. - die Fruchtbarkeit und die Haltbarkeit der Früchte dramatisch nachließen, sah der Verein sich zum Handeln gezwungen. In beiden Faktoren sah der Verein Indizien, dass die Pflanzen nicht genug bestäubt wurden.

Rückgang der Artenvielfalt und Bestäubungsleistung

Die Ursache für den Rückgang der Bestäubungsleistung der Insekten sieht Mora Knoepfler in der intensiven Landwirtschaft und dem massenweisen Einsatz von Pestiziden auf der einen und Düngemitteln auf der anderen Seite: „Das führt zum Ausfall der Tiere“. Am meisten Sorgen machen sich die „Arche Wyda“-Vereinsmitglieder um die Bienen. Aber auch die Wespen und andere Blütenbestäuber wie Käfer, Schwebefliegen und Schmetterlinge seien in Gefahr. Ihre Zahl sei radikal zurückgegangen.

In ihren unzähligen Seminaren und bei Vor-Ort-Terminen gibt Mora Knoepfler seit fünf Jahren ihr Wissen weiter, wie man den Bienen und ihren Verwandten die für sie - und für uns Menschen - notwendigen „blühenden Landschaften“ zurückerobern kann. Solch ein Seminar fand am vergangenen Wochenende wieder im Lehrgarten der „Arche Wyda“ am Ortsrand von Kurtscheid statt. Hier zeigte Mora Knoepfler, wie man auch in den Wintermonaten schon für einen blühenden Garten sorgen kann. Wichtig dafür seien magere, ungedüngte Böden. Nur auf diesen Böden, so Mora Knoepfler, wachsen blühende Pflanzen. Deshalb ist ein Ziel des Vereins, Menschen darin zu schulen, solche Magerstandorte wieder zu erschaffen. Es geht ihm quasi um das Rückgängigmachen eines jahrelang exzessiv betriebenen Düngeprozesses. Ist der Boden bereitet, regele sich der Rest von selbst, ist Mora Knoepfler überzeugt: „Dann kommen die blühenden Pflanzen wieder und mit ihnen die Bestäuber“.

Mit Gründünger-Pflanzen könne man Böden verbessern, lehrt „Arche Wyda“. Dafür geeignete Pflanzen sind zum Beispiel die Phacelia, die Ringelblume, die Sonnenblume und der Gelbsenf. Eine weitere Möglichkeit ist das Setzen von Frühjahrszwiebeln mit dementsprechend früh blühenden Pflanzen. Eine dritte Möglichkeit ist das Aussäen von Blütenmischungen, die im Fachhandel erhältlich sind. Mora Knoepfler räumt auch mit einer möglicherweise romantischen Vorstellung von den Selbstheilungskräften der Natur auf. Sie sagt: „Unkraut muss entfernt werden, sonst überwuchert es alle unsere wertvollen Nutzpflanzen“. Dabei soll natürlich keine Chemie zum Einsatz kommen. Erforderlich ist der manuelle Einsatz des Gartenbesitzers.

Empfehlungen auch für die Landwirtschaft

Auch für die Landwirtschaft hat „Arche Wyda“ Empfehlungen bereit: „Auf abgeernteten Getreideflächen kann jeder Landwirt mit wenig Aufwand sowohl Blüten besuchende Insekten gezielt fördern als auch das wichtigste Kapital der Landwirtschaft, nämlich den Boden, deutlich verbessern. Zudem sind diese Zwischenfrüchte wertvolle Äsung und Deckung für Wildtiere und bieten auch im Winter Rückzugsmöglichkeiten, wenn sie nicht im Herbst eingearbeitet werden. In einigen Bundesländern wird die Aussaat von Zwischenfrüchten zum Beispiel in Mulchsaat- oder Winterbegrünungsprogrammen sogar staatlich gefördert. Eine gezielte Auswahl von Blütenpflanzen, die viel Pflanzenmasse bilden, führt zu einer deutlichen Humusbildung und fördert ein intensives Bodenleben. Gleichzeitig binden Zwischenfrüchte den Reststickstoff, der nach der Ernte im Boden verbleibt. Zusätzlich können Leguminosen wie Kleearten, Erbsen, Wicken den Stickstoffvorrat für die Folgekulturen verbessern. So profitiert der landwirtschaftliche Betrieb, und gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume für Blütenbesucher und Wildtiere. Zudem wird unsere Kulturlandschaft durch Blühflächen attraktiver und das Image der Landwirtschaft kann dadurch deutlich aufgebessert werden.“

Nach den theoretischen Erläuterungen in ihrem großen Gewächshaus-Zelt führte Mora Knoepfler die Seminarteilnehmer in den Lehrgarten. Sie zeigte der Gruppe die hier noch blühenden Gewächsen und erklärte die Vorgehensweise beim Anpflanzen der verschiedenen Sorten. Wer möchte, kann sich auf der Internetseite des Vereins weitere Informationen holen: www.arche-wyda.de.

Im Garten der „Arche Wyda“ bei Kurtscheid gedeihen auch prächtige Kürbisse.

Im Garten der „Arche Wyda“ bei Kurtscheid gedeihen auch prächtige Kürbisse.

Mora Knoepfler (vorne) erklärt im Lehrgarten der „Arche Wyda“ den Anbau von ganzjährig blühenden Pflanzen. Ihre Mission ist der Kampf gegen das Artensterben.Fotos: KER

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