Allgemeine Berichte | 24.03.2020

Seepfadfinder Koblenz

Bolivianer als Corona-Flüchtlinge in Güls gestrandet

Drei Pfadfinder aus dem Pfadfinderstamm Tunari, Apu, Loukas und Marzio.Quelle: Seepfadfinder Koblenz

Koblenz. Die Corona-Krise legt derzeit das gesellschaftliche Leben lahm. Durch die Vermeidung von persönlicher Begegnung soll die Ausbreitung des Corona Virus verhindert werden. Schulen sind geschlossen, Öffentliche Veranstaltungen sind abgesagt und das Ehrenamt wie z.B. die wöchentlichen Gruppenstunden bei den Seepfadfindern Koblenz sind zum Erliegen gekommen.

Sie schafft aber auch andere, unerwartete Hindernisse. Seit 2006 pflegen die Seepfadfinder Koblenz (DPSG) eine Freundschaft mit den bolivianischen Pfadfindern vom Stamm „Tunari“ in Cochabamba. Aus den regelmäßigen Begegungsreisen wurden mit der Zeit enge Freundschaften (vgl. https://www.seepfadfinder-koblenz.de/bolivienpartnerschaft/).

Drei Pfadfinder aus dem Pfadfinderstamm Tunari, Apu, Loukas und Marzio, waren auf Einladung eines französischen Pfadfinderstammes für drei Wochen in Marseille, als die Corona-Krise sich in Italien unheilvoll entwickelte. Sie arbeiteten dort an einem Hilfsprojekt mit. Flüge, Kost und Logis wurden von den französischen Pfadfindern für die Dauer des Projektes gestellt. Als Gegenleistung haben sie ohne Lohn mitgearbeitet.

Das Projekt war beendet, man verabschiedete sich von den Franzosen, als die Corona-Krise nun auch Deutschland und Frankreich erfasste. Eigentlich wollten sie noch eine Woche durch Frankreich reisen und weitere vier Tage in Güls Freunde und die Seepfadfinder besuchen. Doch als alle Flüge von Europa nach Südamerika gestrichen wurden, war klar, dass der Aufenthalt in Europa unfreiwillig verlängert wurde. Eine Unterbringung beim bisherigen Gastgeber in Marseille war nicht mehr möglich und die Odyssee begann.

Die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland sollten geschlossen werden. Daraufhin reisten sie umgehend Richtung Deutschland, wurden aber beim Eintreffen an der Deutsch-Französischen Grenze bereits abgewiesen. So prüften sie zurück in Paris ihre Optionen. Das eingeplante Reisebudget war fast aufgebraucht. Durch Recherchen und Rückfragen mit diversen Fernbus-Anbietern konnten sie über Belgien nach Deutschland einreisen. Zwei Stunden später war dann auch diese Grenze zu. Am Köln-Bonner Flughafen wurden sie von den erleichterten Seepfadfindern empfangen und im Vereinshaus übergangsweise untergebracht.

Die Ausländerbehörde ist informiert, eine Krankenversicherung wurde abgeschlossen, denn Visum und Krankenversicherung waren nur bis zum geplanten Reiseende gültig. Momentan sitzen Sie sprichwörtlich als Corona-Flüchtlinge in der Klemme.

Aktuell arbeiten die Seepfadfinder mit verschiedenen Institutionen, Fachleuten und Bekannten an einer Lösung, um sie baldmöglichst mit ihren Familien in Bolivien zu vereinen. Der nächste Flug wird von Iberia für den 3. April angekündigt. Keiner weiß, ob dieser Flug bestehen bleibt. Und ob eine Umbuchung der Flugtickets noch möglich ist, bleibt offen. Sie sitzen fest.

Die Seepfadfinder unterstützten die drei Pfadfinder in allen Belangen und suchen Wege, ihre Freunde auch seelisch zu unterstützen, auch wenn das Versammlungsverbot einen Besuch von mehr als einer Person untersagt.

„Wir haben lange überlegt, wie wir ihnen helfen können“, so Elias Demerath, der die Hilfen für die Gestrandeten koordiniert, „Gemeinsame Lagerfeuer oder Spieleabende wären eine schlechte Idee. Das ist nun alles verboten.“

Durch kleine Gesten und gemeinsame Unterstützung soll der Kontakt zu den bolivianischen Pfadfinder den gesetzlichen Vorgaben entsprechend aufrechterhalten bleiben. Manchmal erledigen die Bolivianer für die Seepfadfinder Aufgaben im Haus.

Manchmal stellt eine Familie aus Güls ein Essen vor die Türe. Oder jemand bringt einen Kuchen vorbei, denn Louka hatte kürzlich Geburtstag. Manch einer stellt Gesellschaftsspiele vor die Türe, ein anderer spielt für die Drei Pfadfinderlieder über die Internetverbindung. Einer der Drei würde sich gerne mit Pusseln die Zeit vertreiben, also besorgt man eins. Im Moment ist jede Form der Solidarität gefragt, um den Bolivianern in der schwierigen Situation beizustehen.

Derzeit ist noch nicht sicher, wann sie heim können und was der Aufenthalt für die Dauer und was die Rückreise nach Bolivien kosten wird. Rückflugtickets waren vorhanden, aber der Flug wurde ersatzlos gestrichen. Und eine Rückholaktion wie in Deutschland wird es von der bolivianischen Regierung nicht geben. Bolivien ist ein Entwicklungsland.

Wer die Hilfen für die Bolivianer unterstützen möchte, kann an den Förderverein der Seepfadfinder spenden (DE20 5705 0120 0000 1512 41, Förderverein Seepfadfinder Koblenz). Spendenquittungen können ausgestellt werden. Rückfragen richten Interessierte an: Michael Kock, Seepfadfinder Koblenz, Tel. (0 15 77) 2 68 57 90.

Drei Pfadfinder aus dem Pfadfinderstamm Tunari, Apu, Loukas und Marzio.Quelle: Seepfadfinder Koblenz

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