Allgemeine Berichte | 14.06.2021

Ausstellungseröffnung in der Quellenstadt

Breisiger Kurpark mit Reservat für Sünder

Der russische Künstler Vasily Klyukin fand in Dantes „Göttliche Komödie“ Inspiration für seine Metall-Skulpturen

Vasily Klyukin mit Brigitte Kiblisky (l.) und einer Besucherin Foto: HG

Bad Breisig. Sie sind beachtliche Hingucker, die vier gerade in den Bad Breisiger Kurpark eingezogenen Gestalten. Mit rund 2, 5 Meter überlebensgroß und aus strahlenförmig ausgreifenden Stahlplatten gefügt, ziehen sie das Auge an. Was ihre „inneren Werte“ angeht, so haben sie sich alle etwas zuschulden kommen lassen. Deshalb werden sie in Dantes „Göttliche Komödie“ auch eindeutig der Hölle zugeordnet.

Das Figurenquartett, welches am Samstagmorgen Brigitte Kiblitsky für die Tourist-Info im Beisein des Künstlers, Verbandsbürgermeisters Marcel Caspers, Stadtbürgermeisters Udo Heuser und der Beigeordneten Barbara Krebs-Haupt vorstellte, versteht sich als ein „Echo“ auf das Hauptwerk von Dante Alighieri. Es hat seinen Schöpfer, einer der bedeutendsten Dichter, die je gelebt haben, unsterblich gemacht. Um 1307 soll er seine berühmte Dichtung über die menschlichen Abgründe begonnen und erst kurz, bevor er starb, beendet haben (1321). Er verfasste sie nicht in der damals üblichen Schriftsprache Latein, sondern in Italienisch. Weltweit, dabei besonders in Italien, wird im offiziellen Dante-Jahr 2021 anlässlich seines 700. Todestag an ihn erinnert.

Von Sankt Petersburg bis Bad Breisig

Nun hat auch Bad Breisig Anteil am kollektiven Gedenken, dies, weil Vasily Klyukin vor drei Jahren begann, die Serie „In Dante Veritas“ zu realisieren. Mit ihr bestritt der 1979 in Moskau geborene Künstler, auf den auch Architekturkonzepte zurückgehen, 2018 eine viel beachtete Einzelausstellung im Staatlichen Russischen Museum in Sankt Petersburg. Darauf waren die Skulpturen in Moskau zu sehen, in Venedig sowie in der Schweiz in Luzern und Zug. „In Luzern standen sie über ein Jahr“, berichtete Brigitte Kiblitsky. Sie dankte Heuser „für die ersten Schritte der Vorbereitung“. Die für den Kurpark ausgewählten vier Objekte von insgesamt 27 aus der Serie sollen dort bis Oktober verbleiben.

Joseph Kiblitsky, Kenner russischer Kunst und Kurator internationaler Museumsprojekte, hat mit Klyukin wieder einmal eine spannende russische Künstlerpersönlichkeit an den Rhein gebracht. „Er ist mein Freund und wenn es um eine solche Wanderausstellung geht, denke ich auch an meinen Wohnort Bad Breisig“, erklärte er auf Nachfrage. Vasily Klyukin war früher Bankier, bis er beschloss, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, um sein Leben der Kunst zu widmen. Seit 2010 beschäftigt er sich mit Architektur und Design von Yachten bis hin zu Wolkenkratzern. Im Gespräch mit Blick aktuell teilt er mit, dass er im frühen Alter von fünf Jahren eine Art Schlüsselerlebnis hatte. Er sah eine Abbildung von Albrecht Dürers bekannten apokalyptischen Reitern, Sinnbilder für Sieg, Krieg, Teuerung und Hungersnot sowie den Tod selbst und war völlig hingerissen.

Varianten der Verdammnis

Klyukin ließ sich für seine Skulpturen aus eingefärbten Stahlblechen, die sich um ein Zentrum fächern, von der „Göttlichen Komödie“ Teil eins, dem „Inferno“, inspirieren. Ihm folgen bei Dante Fegefeuer und Paradies auf dem Weg zu Läuterung. Im Inferno, der Hölle, müssen die Sünder in neun Kreisen der Qual ewige Verdammnis erleiden und zwar spezifisch bestraft nach der Art ihrer Verfehlung.

Zu jenen in Bad Breisig gezeigten Typen zählt „Gloom“ für die Verdrossenen, die keine Freude an Gott, den Menschen oder der Welt finden können. Er wirkt im zerfransten gepunkteten Gewand wie ein trauriger Clown. Dagegen agiert der bocksbeinige „Gotteslästerer“, der triumphierend ein Holz zerbricht, äußerst bedrohlich. Klyukins „Provocator“, Listiger Ratgeber, hat etwas von einem Engel oder Schmetterling. Aber die Netze in den Flügeln offenbaren, dass er Menschen verführt und nicht entkommen lässt. Wie er entspringt auch der „Instigator“, Zwietrachtstifter, Dantes achtem Höllenkreis der Sünder des Verrats. Er erscheint als Feuer, wobei dessen ausgesparte Mitte einer weiblichen Silhouette entspricht. Laut Begleittext erkennt man in den Flammen „die Frau als Grund für den Konflikt“.

„Definitiv beeindruckt“ dankte die Beigeordnete Barbara Krebs-Haupt dem Künstler. Bad Breisig sei „sehr stolz“ die Figuren da zu haben. An ihnen sind QR-Codes zu finden. Wer sie mit dem Smartphone fotografiert, animiert einen Audio Guide mit Gedichten zu den verschiedenen Kunstwerken. Es scheint sich um Übersetzungen zu handeln. Ob sie der bemerkenswerten Kunst etwas hinzuzufügen vermögen, muss jeder Betrachter und Hörer selbst beurteilen. HG

Ein Wüterich, wie er im Buche steht, ist der Gotteslästerer. Foto: HG

Ein Wüterich, wie er im Buche steht, ist der Gotteslästerer. Foto: HG

Der Künstler Vasily Klyukin Foto: HG

Der Künstler Vasily Klyukin Foto: HG

Wer genau hinsieht, erkennt in der mittigenAussparung des Feuers die Silhouette einer Frau. Foto: HG

Wer genau hinsieht, erkennt in der mittigen Aussparung des Feuers die Silhouette einer Frau. Foto: HG

Vasily Klyukin mit Brigitte Kiblisky (l.) und einer Besucherin Foto: HG

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