Eröffnungskonzert der 10. Laacher Festwoche
Brillante Interpretationen von Mendelssohn-Bartholdys Werken
Maria Laach. Zur Eröffnung der 10. Laacher Festwoche fand in der Abteikirche von Maria Laach ein Eröffnungskonzert statt, das vielen Konzertbesuchern sicher noch lange in bester Erinnerung bleiben dürfte.
Im Jahre 1840 wurde in Leipzig das Gutenbergfest, der 400. Jahrestag der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, gefeiert. Obwohl angenommen wird, dass diese Erfindung in Straßburg gemacht wurde, war Leipzig doch das Zentrum des Buchhandels, und daher sah sich die Stadt gerechtfertigt, die Organisation des Hauptteils der Festlichkeiten zu übernehmen. Zu diesem Anlass komponierte Felix Mendelssohn Bartholdy die 2. Sinfonie op. 52 „Lobgesang“. In den zehn Jahren zuvor arbeitete Mendelssohn an einer Reihe symphonischer Kompositionen, die zunächst unvollendet blieben, vorzeitig abgebrochen oder noch nicht veröffentlicht waren. Eine Symphonie mit Chören zu schreiben, war in der Mitte des 19. Jahrhundert nicht ungewöhnlich und ist durchaus einleuchtend, insbesondere indem die Wortbedeutung als ein vereinigtes „Zusammenklingen“ aller Stimmen verstanden wird. Mendelssohn gibt seinem Lobgesang allerdings eine weitere Deutung. Das Motto, unter dem seine Symphonie erklingt, ist „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“. Die Orchestersätze waren aber wahrscheinlich schon vor Erhalten des Auftrags für die Gutenberg-Festlichkeiten geplant worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Mendelssohn noch nicht an den Schlusschor gedacht. Die Quelle der Inspiration für das dann neue Werk war die Verwendung bestimmter Bibeltexte des Alten Testaments und des evangelischen Chorals „Nun danket alle Gott‘ und sind daher Prosa. Mendelssohn folgt damit der Oratorien-Tradition des 18. Jahrhunderts. Die Struktur der Komposition ist zweiteilig: Der erste, ausschließlich instrumentale Teil betitelt sich Sinfonia und fasst die üblichen ersten drei Sätze einer Symphonie zusammen, und zwar Maestoso con moto - Allegro, Allegretto un poco agitato und Adagio religioso. Der zweite Teil hingegen besteht aus Cantata für Soli, Chor und Orchester und ist seinerseits in neun verschiedene Abschnitte gegliedert.
Eröffnet wurde der Abend vom Neuen Rheinischen Kammerorchester Köln mit der Konzert-Ouvertüre op. 26 „Die Hebriden“. Der Name bezieht sich auf die Hebriden, eine 50 Kilometer vor der Nordwestküste Schottlands gelegene Inselgruppe. Mendelssohn begann dieses Werk im Jahre 1829. Die Anregung dazu erhielt er auf einer Reise nach England und Schottland, als er bei dieser Gelegenheit mit seinem befreundeten Dichter Karl Klingemann am 7. August 1829 die Fingalshöhle auf der schottischen Insel Staffa besuchte, und dabei auch eine Bleistiftzeichnung der Landschaft anfertigte.
Es folgten die von Felix Mendelssohn-Bartholdy 1843 und 1844 für den neu gegründeten Berliner Domchor geschriebenen „Drei Psalmen“ für Chor a cappella op. 78.
In der Musik für Psalm 2 „Warum toben die Heiden“ nutzt Mendelssohn die expressive Bandbreite des achtstimmigen Doppelchors voll aus, indem er für jeden Textabschnitt eine entsprechende Umsetzung findet. Insbesondere die antiphonale Abwechslung von zwei Chorgruppen wird in diesem Stück sehr effektvoll angewendet.
In der Vertonung von Psalm 43 „Richte mich Gott“ überwiegt eine Aufteilung der Verse zwischen einem einstimmigen Männerchor und einem vierstimmigen Frauenchor. Im letzten Abschnitt erlaubt sich Mendelssohn ein Selbstzitat, in dem er die Psalmintonation des Refrains „Was betrübst du dich, meine Seele“ auf demselben Text aus seiner Vertonung von Psalm 42 wiederverwendet.
Ein recht großer Teil der Musik von Mendelssohns Psalm 22 „Mein Gott, warum hast Du mich verlassen“ alterniert zwischen Intonationen um einen Rezitationston herum, die von einem als Kantor agierenden Solotenor gesungen werden, und gedämpften Antworten des Chores. Obwohl der weitere Verlauf des Stückes sehr abwechslungsreich ist, und die Möglichkeiten des Textes zur dramatischen Textausbildung vollends ausgeschöpft werden (insbesondere im Abschnitt „Ich bin ausgeschüttet wie Wasser“), kehrt das Stück zweimal zu seinem Ansatzpunkt zurück: ein schlichtes Gebet, alternierend zwischen einem Solisten und dem Chor.
Unter der herausragenden Gesamtleitung von Pater Philipp Meyer OSB intonierten das von ihm gegründete Ensemble der Cappella Lacensis sowie die Solisten Julie Grutzka und Sonja Doniat (beide Sopran) als auch der Tenor Felipe Baliero mit ausdruckstarken und höchst einfühlsamen Stimmen die äußerst anspruchsvollen Werke. Nicht weniger brillant waren auch die Darbietungen des Neuen Rheinischen Kammerorchesters Köln, das die mitunter aufwühlenden Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy gekonnt zum Ausdruck brachte.
FRE
Mit Werken von Felix Mendelssohn-Bartholdy eröffnete das Festkonzert unter der musikalischen Gesamtleitung von Philipp Meyer OSB die Laacher Festwoche.
Zu den zahlreichen Konzertbesuchern zählten auch Staats- und Finanzminister a.D. Gernot Mittler (re.) und seine Gattin Irmelin.
