„Kunst am Bau“ wurde fertiggestellt
Bringt der „Pfad der Sinne“ Frieden und Ruhe nach Wirges?
Nachdem den Trompeten eine Absage erteilt wurde, ziert Wirges nun ein mit allen Sinnen erlebbares Kunstwerk
Wirges. Angefangen hat alles mit dem berühmt-berüchtigten „Trompeten von Wirges“, die beinahe den Status der „Trompeten von Jericho“ erlangt hätten.
Lärm um die Trompeten
Kurzer Rückblick auf die Entwicklung in Wirges: Nach jahrelangen Disharmonien im Stadtrat von Wirges hatte eine Jury den Auftrag erhalten, die unansehnliche Lüftungsanlage auf dem Dach des renovierten Bürgerhauses durch Vergabe eines Auftrages „Kunst am Bau“ zu verschönern, bzw. unsichtbar zu gestalten. Die Jury entschied sich einstimmig für die Gestaltung auf dem Dach mit der Vergabe der sogenannten „Trompeten“. Als das Vorhaben publik wurde, begannen in Wirges heftige Diskussionen, da man ja bekanntlich über die Auslegung des Begriffes „Kunst“ vortrefflich streiten kann. Dieser Streit nahm groteske Formen an, in der Bevölkerung und im Stadtrat. Letztendlich fand im Stadtrat eine Kampfabstimmung statt, in der mit knapper Mehrheit der Vergabeauftrag „Trompeten“ aufgehoben wurde. Um die Fördermittel des Landes Rheinland-Pfalz nicht verfallen zu lassen, denn für die Aktion „Kunst am Bau“ beim Bürgerhaus standen 40.000 Euro zur Verfügung, wurde die Vergabe des Auftrags „Kunst am Bau“ neu ausgeschrieben.
Neue Ausschreibung, neues Glück?
Die Aufgabenstellung für die Ausschreibung lautete: Vom Vorplatz des Hauptgebäudes aus soll ein Pfad der Sinne gestaltet werden, über die angrenzende Wasserfläche bis zu den Spielgeräten der Kinder. Der Pfad soll möglichst viele Sinne ansprechen: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Zur Herstellung des Pfades sollen Materialien aus der Region verwendet werden. Die Jury entschied sich letztendlich, den Auftrag an den Glaskünstler Wolfgang Helfferich aus Neustadt an der Weinstraße zu vergeben.
Licht – Raum – Farbe – Glas
Wolfgang Helfferich erläuterte seine künstlerische Intension zu seinem Werk wie folgt: „Im Rahmen von ‚Kunst am Bau‘ einen ‚Pfad der Sinne zu kreieren‘, der alle primären Sinne anspricht, zum Beispiel durch Installationen von Klangkörpern, optischen Blickfängen, und haptischen (durch Berühren) erlebbaren Objekten, womöglich begleitet durch einen Wasserlauf, eventuell ergänzt durch eine geruchs- und geschmacksintensive Kräuterbepflanzung, würde aus meiner Sicht zu einer Reizüberflutung führen und der eigentlichen Intension entgegenwirken. Es entstand daher die Idee der ‚labyrinthischen Transformation‘. Die Reduktion auf das Wesentliche soll zu einer Schärfung der Sinne führen. Begeht man den ‚Pfad der Sinne‘, ist man zum Verlassen der Geradlinigkeit aufgefordert, um dem ‚Erlebnis‘ weiter folgen zu können.“
Licht – Raum – Farbe – Glas, das sind die Hauptmerkmale der in den freundlichen Farben Gelb, Grün und Blau leuchtenden Kunstobjekte. Zur Einweihung des Objektes hatten sich viele Bürger aus Wirges versammelt, einige waren auch schon vormittags, zur Einweihung des neuen 8,5 km langen Rundwanderweges WR1 um Wirges herum, mitgelaufen. Für die Teilnehmer der Wanderung gab es am Bürgerhaus Würstchen und Getränke, als Stadtbürgermeister Andreas Weidenfeller in einer kurzen Ansprache den Künstler Wolfgang Helfferich, samt Ehefrau, herzlich begrüßte. Er ging auch nochmals kurz auf die für die Stadt Wirges nicht gerade optimale Entwicklung der Aktion „Kunst am Bau“ ein, und hoffte, dass jetzt endlich ein Schlussstrich gezogen werden könne. Wolfgang Helfferich betonte: „Künstler haben es nicht immer leicht, da man ja bekanntlich über Kunst streiten kann, und soll, nur so bleibt Kunst lebendig.“ Für seine Ausführungen wurde der Glaskünstler mit freundlichem Beifall bedacht.
Kontroverse, aber faire Reaktionen auf das Kunstwerk
Nun begab man sich nach draußen, um das Kunstwerk kritisch in Augenschein zu nehmen. Da sich jeder Betrachter zuerst für sich selbst ein Bild und eine Meinung zu dem Objekt bilden musste, konnte man, kontroverse „Urteile“ belauschen. Selbsternannte „Kunstexperten“ hatten natürlich sofort verstanden, was der Künstler mit den bunten Glaselementen ausdrücken will. Andere standen ziemlich ratlos in der Gegend herum und waren auf der Suche nach Gerüchen, Tönen oder Klängen. „Das kommt noch“, wurden die Skeptiker getröstet, ihre Minen hellten sich auch teilweise auf, nachdem sie das Labyrinth in den drei Glasobjekten durchschritten hatten. Wenn kontrovers, aber fair, über ein Kunstobjekt diskutiert wird, dann hat der Künstler schon einen Erfolg zu verzeichnen. Durch einen persönlichen Besuch können sich nun alle Bürger ein eigenes Bild des Kunstwerkes machen.
Wenn nun wegen dem „Pfad der Sinne“ in Wirges wieder Ruhe einkehrt, dann gebührt dem Künstler alleine deshalb ein großer Dank. Die nächsten Schlachten stehen aber bevor, denn irgendwann kommt auch die Verkleidung der Lüftungsanlage wieder auf die Tagesordnung. Es bleibt spannend in Wirges.
Ein edler Tropfen als kleiner Dank an den Künstler.
Die drei Glasobjekte in Gelb, Grün und Blau.
Die Bürger „erspüren“ den Pfad.
