Brohler Kirmesprogramm zog trotz Fußballfieber viele Besucher an
Brohler Böller ließen es krachen
Zu den Attraktionen gehörten das Anschießen, Feuerwerk und „Entenrennen“
Brohl. Viel Tradition bestimmte auch in diesem Jahr wieder das bewährte Programm der Brohler St. Johanneskirmes.
Und das war ganz im Sinne des Veranstalters, der Prinzengarde Brohl. „Tradition zu pflegen, ist nicht nur uns eine Verpflichtung, sondern auch vielen anderen Gruppierungen bei uns“, erklärte Jörg Seul, Kommandant der Prinzengarde Brohl, das Engagement des Vereins.
Der Startschuss, genau genommen müsste man sagen „die Startschüsse“ zur Kirmes fielen einer rund 50-jährigen Tradition entsprechend am Samstag punkt 18 Uhr. Ein immer wieder willkommener Anlass für die über die Grenzen Brohls hinaus bekannten und tätigen „Brohler Böller“, es im wahrsten Sinne des Wortes so richtig krachen zu lassen.
Nicht die drei bereitstehenden Kanonen eröffneten das Kirmesanschießen, sondern die Böller, die wie überdimensionale, sehr breite, aber kurze Pistolen aussehen. Eugen Laux von den Brohler Böllern erklärte Blick aktuell, dass diese handgefertigten 40-mm-Exoten um die 20 Kilogramm wiegen und je nach Größe in der Anschaffung 1.400 bis 2.000 Euro gekostet haben. Die Brohler Böller sind trotz dieses Aufwands aber kein Verein. Angefangen hat das Schießen der Gruppe mit einer ungenutzten Kanone aus dem Bestand der Gemeinde mit drei Leuten. Heute sind es 15 Schützen, darunter auch Frauen.
Reichlich Lärm und Pulverdampf
Auf der sonntäglichen Prozession, anschließend an das Hochamt, wurde wieder „geböllert“, wie auch bei ein paar anderen Anlässen im Kirmesprogramm bis hin zum „Kirmeswecken“ am Montagmorgen um 7 Uhr, also zu unchristlicher Zeit. Aber auch das ist Tradition. Die Menschen sollten früher in den Zeiten ohne Radiowecker oder Weckeinrichtung im Handy rechtzeitig geweckt werden, um das Montagsprogramm der Kirmes nicht zu verschlafen.
Doch der Reihe nach. Nachdem das Anschießens seinen Höhepunkt kurz nach 18 Uhr mit dem Abfeuern der drei Kanonen fand, die reichlich Lärm und Pulverqualm produzierten, füllte sich langsam der Kirmesplatz auf den Rheinwiesen rund um den „Biergarten zum Hafen“.
Entsetzte Mienen beim Public Viewing
Schon vorher besetzt waren die beiden „Public Viewing“-Möglichkeiten, wo Besucher bei einem Gläschen Bier oder Wein ab 17 Uhr das WM-Spiel Südkorea – Mexiko oder später ab 20 Uhr die Begegnung Deutschland – Schweden trotz Kirmes anschauen konnten. Bittere Mienen gab es bei den Zuschauern, als Deutschland schon mit einem Aus in der Vorrunde flirtete und Toni Kroos dann doch noch für das Wunder von Sotschi sorgte. In den letzten Sekunden: Schuss, Tor, Sieg. Manch einer mag innerlich das anschließende außergewöhnliche Feuerwerk diesem genialen deutschen Fußballer gewidmet haben, der bei keinem geringeren Verein als Real Madrid unter Vertrag steht.
Das Musikfeuerwerk war auch unter das Thema „Fußball“ gestellt worden. Die ausführende Firma Steffes-Ollig hat übrigens 2018 auch eine Art Weltmeisterschaft (unter anderem gegen Mitstreiter aus China, den USA, Frankreich oder Italien) gewonnen, den „Internationalen Wettbewerb für Musikfeuerwerk“ in Manila. Dabei war auch der Brohler Böller André Kraus.
Musik, auch zum Tanzen, hatte die Sunshine Dance Band den Abend über im Festzelt geboten.
Traditionelle Delegation aus Rheinbrohl
Am Sonntag traf – auch einer Tradition entsprechend – die Delegation von der gegenüberliegenden Rheinseite ein: ihre Majestät Weinkönigin Anna-Sophie mit Weinprinzessin Lisa und zwei Winzern mit einem Korb Rheinbrohler Jubiläumswein (1140 Jahre Rheinbrohl, Jahrgang 2016). Begleitet wurde diese Abordnung von Franz Josef Heßler, Vorstandsmitglied des Heimat- und Verschönerungsvereins Rheinbrohl. Er erklärte Blick aktuell, warum die Rheinbrohler alljährlich eine Delegation zur Brohler Kirmes schicken. Vor vielen Jahren wurde am Rheinbrohler Rheinufer einmal so unheimlich laut gefeiert, dass sich die Brohler beim Rheinbrohler Bürgermeister auf der gegenüberliegenden Seite heftig beschwerten. Dieser erklärte, man komme herüber und entschuldige sich (wohl mit ein paar Flaschen Wein). Aus dieser netten Geste ist eine Freundschaft quer über den Rhein entstanden, die die gute alte Verbindung zwischen den beiden Orten in früheren Zeiten wiederbelebte. Die Delegation kam anschließend an das Hochamt und die Prozession marschierte gemeinsam mit Brohls Bürgermeister Michael R. Schäfer, angeführt vom Musikclub Fidelio 1919 und den Brohler Schützenbrüdern, zum Kirmesplatz. Michael Schäfer dankte der Prinzengarde Brohl für die Mühe und Arbeit und wünschte allen eine schöne Kirmes. Der Musikclub richtete sich danach im Festzelt ein und sorgte dort für gute Stimmung auf den voll besetzten Bänken.
Sonntagnachmittag: Brohl wird zum „Entenhausen am Rhein“
Ausgesprochen viel Spaß hatten die zahlreichen Zuschauer ab 15 Uhr beim „Entenrennen“. Während bei den
berüchtigten „Schweinerennen“, die eine Zeit lang in Mode waren, die Tierschützer auf die Barrikaden gingen, gab es beim Entenrennen keinen Grund zum Protest. Es handelte sich um Plastikenten, alle mit dem gleichen charmanten Lächeln um die Lippen respektive um den Schnabel. Exakt um 15 Uhr wurden 1.200 dieser gelben Art aus großen Kisten von der Brücke im Ortszentrum in den Brohlbach geschüttet, um den Bach entlang über die natürlichen Hindernisse dem Rhein entgegen zu schwimmen.
An der Rheinmündung ging es dann der Strömung folgend nach rechts in Richtung Kirmesplatz, wo zahlreiche Zuschauer auf sie warteten. Die Feuerwehr hatte dort Ölsperren auf dem Wasser ausgelegt, sodass die Entchen alle im Uferbereich zum Ziel geleitet wurden.
Mit Gegenwind gekämpft
In diesem Jahr dauerte es fast eine Stunde, bis sich die ersten zwei Exemplare dem Ziel näherten, im letzten Jahr dagegen waren es nur 19 Minuten. Lahme Enten? Nein, es lag am Gegenwind, gegen den die Plastiktierchen ankämpfen mussten. Auch die ersten beiden Enten schwammen nicht direkt ins Ziel, sondern zappelten noch eine Weile an den Ölsperren herum, bevor sie den Sieg unter sich ausmachten. Jede Ente war per Los ins Rennen geschickt worden, und die Loskäufer der 20 schnellsten Enten gewannen einen Preis. Ente gut – alles gut.
KMI
Rund 1.200 Enten werden von der Brücke im Ortskern aus den Kisten in den Brohlbach geschüttet. Das Entenrennen läuft.
Die Delegation aus Rheinbrohl: Weinprinzessin Lisa, Weinkönigin Anna-Sophie, Bürgermeister Michael R. Schäfer, eingerahmt von zwei Winzern (vorne v.l.); hinten Franz Josef Heßler vom Heimat- und Verschönerungsverein Rheinbrohl und Jörg Seul von der ausrichtenden Prinzengarde Brohl (v.l.).Fotos: -KMI-
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