Migrationsforscher Dr. Raphael Bossong zu Gast bei den Andernacher Stadtgesprächen
Chancen und Herausforderungen europäischer Migrationspolitik
Andernach. Ein äußerst interessanter Nachmittag führte die Zuhörer am vergangenen Samstag in die Tiefen der europäischen und deutschen Migrationspolitik. Der thematische Bogen spannte sich von der Genfer Flüchtlingskonvention über das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) bis ins nationale Asylrecht. Dabei ließ die Analyse des stellvertretenden Leiters der Forschungsgruppe EU/Europa der Stiftung Wissenschaft und Politik an Klarheit nichts zu wünschen übrig.
Im Gemeindesaal der katholischen Kirche St. Marien würdigte Dr. Bossong den zutiefst humanen Gedanken des Flüchtlingsschutzes in den Verträgen der EU und deren Menschenrechtscharta ebenso, wie er die aktuellen Anstrengungen zur Begrenzung des Zuzugs von Schutzsuchenden kritisch reflektierte. Der Referent sah die EU an einem Scheideweg, dessen Ausgang derzeit ungewiss erscheint. Geht es weiter wie bisher? Führt der Weg in die vollkommene Abschottung einer „Festung Europa“ oder stehen wir vor einem Systemwandel, der einen gänzlich neuen Umgang mit dem Phänomen Migration möglich macht? „Die Materie ist äußerst komplex. Lassen Sie sich durch Vereinfacher nicht verführen,“ appellierte Bossong und stellte sich einer angeregten Diskussionsrunde.
Jochen Grade, Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Andernach, welche die Stadtgespräche regelmäßig ausrichtet, schloss sich diesem Appell an und wies eindringlich darauf hin, dass bei aller Beschäftigung mit gesetzlichen Regelungen und politischen Rahmenbedingungen stets bewusst bleiben muss, dass bei Migrationsfragen immer über menschliche Schicksale gesprochen wird. Deshalb stellte Grade auch bei dieser Veranstaltung anfangs wieder einige Flüchtlinge aus Andernach mit ihrer persönlichen Fluchtgeschichte vor.
Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Andernacher Stadtgespräche ist für den 27. September um 15 Uhr am gleichen Ort geplant. Frau Nina Gartenbach vom Flüchtlingsrat RLP wird über die Abschiebepraxis im Lande berichten.
Kontakt: info@fluechtlingshilfe-andernach.de oder 0175 1580095.
Die Flüchtlingshilfe um den Vorsitzenden Jochen Grade möchte die Andernacher Stadtgespräche als Forum für migrations- und integrationspolitische Themen etablieren.
