Das Erpeler Rathaus ist seit Sonntag in der Hand der Karnevals-Jecken
Cilly Adenauer hütete das Bett statt den Schraatesaal
Erpel. Dichte Dampfwolken stiegen aus der Gulaschkanone der Erpeler Stadtsoldaten, die am Sonntagvormittag unmittelbar vor dem Erpeler Rathaus Halt gemacht hatte. Fast dem Gefrierpunkt hatten sich die Temperaturen genähert, kein Wunder, das sich die erstens Mitglieder des Ordenskapitels „Alt Erpilla“, die sich die Kölsche Mess von Pfarrer Günter Lülsdorf entgehen ließen, schnell den warmen Schraatesaal aufsuchten. Während sich dort die aus Gisela Stahl, Heinrich Holkenbrink und Friedel Witten bestehende „Dreibande“ auf den anstehenden Verlust ihrer kommunalen Macht als Beigeordnete vorbereiteten, holten sich die Chef-Karnevalisten um die Tollitäten Axel I. und Andrea I. „aus dem Hause Mohr“ den Ablass für den traditionellen Ratshaussturm. Durch den geistlichen Zuspruch auf der „sicheren Seite“, stellte sich das Prinzenpaar mit seinem Gefolge nach der Messe zusammen mit dem Elferrat der KG um die Vorsitzende Martina Schwager, die Stadtsoldaten um Kommandant Felix Weber und die Prinzengarde, nicht zu vergessen die wehrhaften Möhnen um Obermöhn Heike Schlüter, zum Zug durch den Ort auf, bei dem sie vom Tambourcorps angeführt wurden.
Bürgermeisterin Cilly Adenauer, der eine Influenza die Sprache verschlagen hatte, dürften zuhause im Bett die Ohren geklungen haben, als nicht nur die Querflöten, sondern vor allem die Trömmelche unüberhörbar an ihrem Haus vorbeizogen und ihr klar machten, dass die Jecken all parat standen, für ihre Regenten die Schlüssel des Ortes zu erobern. Vom sicheren Balkönchen aus beobachteten Gisela Stahl und Heinrich Holkenbrink, wie die Narrenarmee vor dem verrammelten Rathaus Front machte. Da hatte sich ihr Kollege Friedel Witten schon heimlich auf den Weg ins Erdgeschoss gemacht, um dort eine Fliegeralarm-Sirene zu installieren.
„Macht die Tür auf. Dann bekommt Ihr auch leckere Suppe und in unserem Biwak-Zelt ist es genau so mollig warm wie in Eurem Schraatesaal“, machte Felix Weber den Verteidigern ein Angebot zur Güte. Das aber konnte die nicht zur Aufgabe bewegen, ebenso wenig wie die ersten lauten Warnböller, die sie mit einem schrillen Sirenengeheul beantworteten – bis ihnen die Stadtsoldaten die Stromzufuhr raubten, ohne dass Hilfstruppen zur Verteidigung herbeigeeilt wären. „Wir sind nicht gewillt, hier länger in der Kälte auszuharren. Außerdem haben wir heute auch noch andere Termine“, befahl Axel I. schließlich den Angriff, der im Handumdrehen zum Erfolg führte. Nachdem Gisela Stahl und Heinrich Holkenbrink ihre hohe Warte verlassen hatten, hatten sie die Rathaustür vorsichtig nur einen winzigen Spalt geöffnet, aber weit genug für die anstürmenden Stadtsoldaten. Da konnten auch die wilden Kung-Fu-Attaken der Beigeordneten die Tollitäten nicht mehr daran hindern, sich auf den Weg in den Schraatesaal zu machen, während sich Heinrich Holkenbrink samt Schlüssel dorthin längst in Sicherheit gebracht hatte.
Die aber war nur von kurzer Dauer, nahmen Axel I. und Andrea I. doch am Ratshaustisch vor Kopf Platz, nachdem sie den Jüngsten ihres Völkchens mit einem Kamelle-Wolkenbruch vom Balkon aus schon einen kleinen Vorgeschmack auf das gegeben hatte, was diese am Karnevalszug in einer Woche erwartet. „Jetzt wo Ihr den Schlüssel des Ortes habt, könnt Ihr den auch behalten, bis unser Ratshaus saniert ist“, erklärte Gisela Stahl, nachdem ihr Kollege das Symbol der kommunalen Herrschaft dem Prinzen brav übergeben hatte. Als erster Stellvertreter der Orts-Chefin begrüßte das „Nordlicht“, das vor 37 Jahren „Asyl“ in der Alten und Freien Herrlichkeit gefunden hatte, dann die Gäste des Rathausempfangs, darunter Ex-Bürgermeister Edgar Neustein, der Ex-Verbandsbürgermeister Werner Zimmermann und Pfarrer Günter Lülsdorf. Heinrich Holkenbrinks besonderer Willkommensgruß galt aber den Alt-Erpillanern, allen voran dem jüngsten Träger des Heimatordens, Rudi Richarz, sowie den Karnevalisten, darunter das Silber-Jubiläums-Prinzenpaar, Steven I. und Margit I. aus dem Hause Claus.
Wie damals die 1993er Tollitäten und Rudi Richarz unmittelbar vor ihnen trug sich der Prinz dann in das Goldene Buch des Ortes ein. „Ihr habt heute das erste Rathaus in der VG Unkel erkämpft. Damit ist hier im Ratssaal anders als bei fast all den üblichen Sitzungen des Gemeinderats Frohsinn an der Tagesordnung“, erklärte der Beigeordnete. Entsprechend war man im Schraatesaal auch „Ohne Dom, ohne Rhing -vor der Tür- ohne Sunnesching“ super drop, zumal das Duo „WiSü“ mit seinen Leedcher dafür sorgte, das alle nur bestätigen konnten: „Nä, wat jeiht et uns doch jod!“
DL
Erst im Schraatesaal erhielt Axel I. den Orts-Schlüssel als Zeichen seiner Macht.
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