„NightWash“ in Bad Breisig
Comedy vom Feinsten in der Jahnhalle
Bad Breisig. Begeistert und fröhlich verließen die über 400 Gäste am letzten Samstag die fast ausverkaufte Jahnhalle. Die vier Comedians Benni Stark, Christin Jugsch, Sven Bensmann und Serkan Ates-Stein hatten den zahlenden Besuchern den Abend versüßt und Standup-Comedy vom Feinsten geboten. Und „Breisig Live“, die Veranstalterin und rührige Kulturinitiative hatte es wieder einmal geschafft, den „Kulturschuppen“ Jahnhalle wie in alten Zeiten zum Kochen zu bringen.
„NightWash“ existiert seit 2001 und ist ein deutsches Fernseh-Comedyformat, bei dem jüngere und noch nicht so bekannte KünstlerInnen die Möglichkeit haben, sich einem größeren Publikum und im Fernsehen zu präsentieren. Der Aufnahmeort ist dabei seit Beginn ein Kölner Waschsalon. Bekannte Comedians wie Hennes Bender, Mario Barth oder Heinz Gröning hatten dort ihre ersten Fernsehauftritte. Neben den TV-Shows geht NightWash ein- bis zweimal im Jahr auf Tour, und machte dieses Jahr Station in Bad Breisig.
Benni Stark, der norddeutsche Herrenausstatter, der auch als Moderator des Abends fungierte, startete den Abend furios und ließ die Begrüßung durch das Publikum so lange wiederholen, bis ihn die Lautstärke zufriedenstellte. Mit der Frage: „Ist das hier eine Stadt?“ und der Feststellung ob des ursprünglichen Termins 2022: „Wir haben so lange gewartet, jetzt dauert die Show bis 4 Uhr“ nahm er das Publikum sofort mit. Sein Versuch, eine Singlefrau an diesem Abend zu vermitteln schlug allerdings fehl, da er sich deren Vornamen einfach nicht merken konnte.
Sven Bensmann hat den weiten Weg aus Niedersachsen nicht gescheut und verbindet Comedy mit Musik. Als „Landei“ mag er Dorffeste und scheint dabei ein guter Beobachter zu sein: „Bei uns auf dem Land trinken die Frauen drei Liter Bier auf Ex“. Mit seinem ersten Lied „Ich bin der Zeltpartyboy“, bei dem er sich zu Schlagermelodien mit der Gitarre selbst begleitete, zeigte er richtig gute Gesangsqualitäten und wunderte sich darüber, dass das schlageraffine Publikum fast jedes Stück mitsang. Zum Erstaunen der Gäste bewies Sven Bensmann anschließend, dass fast jeder deutsche Schlager mit lediglich drei Akkorden auskommt.
Christin Jugsch, ebenfalls mit norddeutscher Vergangenheit, ist nach eigenem Bekunden ihre eigene Randgruppe und erzählte von ihrer schwierigen Jugend. Mit den Zitaten: „Mutti, findest Du mich eigentlich schön?“ „Ich finde Dich schön, wenn Du Dein Zimmer aufräumst!“ beschrieb sie die fehlende Empathie in ihrer Familie, sodass Einem das Lachen manchmal im Halse stecken blieb. Als „schönste Frau der Welt“ stellte sie fest, dass rote Haare auch Vorteile bringt: „Man geht nicht so schnell verloren.“ Und ihre Schlagfertigkeit stellte sie unter Beweis, als sie eine Zuschauerin fragte: „Was machen Sie beruflich?“ Auf deren Antwort: „Steuerfachangestellte“ meinte sie lakonisch: „So schnell kann die Stimmung in den Arsch gehen“.
Serkan Ates-Stein, aufgewachsen in Münster und sozialisiert in einem katholischen Jungengymnasium sowie in einem Callcenter, zeigte sich als sehr vielfältiger Künstler. Auch wenn er meinte: „Comedy ist der dritte Versuch, meine Mutter zu enttäuschen“, beeindruckte er durch fantastische Beatboxing-Fähigkeiten und durch besondere Schlagfertigkeit. Unter Beatboxing versteht man die Imitation von Schlagzeug und Perkussion mit dem Mund, der Nase und dem Rachen – und das beherrscht Serkan Ates-Stein vorzüglich. Mit der Bemerkung: „Wenn Jesus heute leben würde bräuchte er Instagram. Denn 12 Follower sind zu wenig“ gab er einen Einblick in seine katholische Erziehung. Aber auch einem Religionswechsel könnte er Vieles abgewinnen:“ Ich bin als Moslem geboren, katholisch aufgewachsen, jetzt muß ich nur noch ins Judentum wechseln - dann habe ich nur noch Feiertage.“
Höhepunkt des ersten Teils war sicherlich der Telefonanruf von Benni Stark beim Ehemann einer Zuschauerin, der die Kinder hütete, damit seine Ehefrau „NightWash“ schauen konnte. Und im zweiten Teil der Show brillierte Sven Bensmann, der zu einem Joe-Cocker-Stück gesammelte Witze in Cocker-Manier gesanglich präsentierte. Das Publikum war begeistert!
Damit endete nach zwei Stunden ein kurzweiliger Abend, an dem Bad Breisig als rheinische Comedy-Hauptstadt fungieren durfte.
