Allgemeine Berichte | 09.05.2023

Kurfürst-Balduin-Gymnasium Münstermaifeld

DDR-Zeitzeugenbesuch in der Jahrgangsstufe 10

Elke Schlegel zu Gast im Kurfürst-Balduin-Gymnasium Münstermaifeld. Foto: privat

Münstermaifeld.Jüngst ergab sich für die Jahrgangsstufe 10 eine einmalige Gelegenheit. Elke Schlegel (Zeitzeugin der DDR Geschichte) besuchte das Kurfürst-Balduin-Gymnasium. Sie brachte den Schülerinnen und Schülern mit ihrem Bericht eindrucksvoll bei, wie ein Leben in der DDR war und wieso es wichtig ist, dass die Geschichte, die sich gerade mal vor 50 Jahren in Deutschland zugetragen hat, sich nicht nochmal wiederholt.

Sie ist mittlerweile 64 Jahre alt und wohnt in Koblenz. Doch geboren ist sie in Jena, also der früheren DDR. Schon in der Schulzeit bemerkte sie einen gewissen Missstand von Gütern in der DDR. Einige ihrer Familienmitglieder lebten in der BRD und sendeten ihr immer wieder kleine Pakete, wodurch sie den Unterschied der Versorgung der BRD und der DDR merkte. Auch ihre politischen Zweifel an der sozialistischen Diktatur wurden, je älter sie wurde, immer mehr bestärkt. Auch ihr zukünftiger Ehemann war kein Vertreter des Regimes. Sie bekamen ein Kind zusammen und entschieden, Ausreiseanträge zu beantragen.

Einer ihrer zahlreichen Anträge wurde genehmigt, doch kurz bevor sie abreisen sollten, wurde ihre Wohnung früh am Morgen gestürmt. SED-Mitglieder befahlen ihnen, sich anzuziehen und Elke Schlegel wurde gefragt, ob sie ein Familienmitglied habe, zu welchem sie ihren noch im Kindergartenalter befindlichen Sohn abgeben könnte. Weder ihr noch ihrem Partner wurde gesagt, wohin und wie lange sie gehen müssten. Als sie ihren Sohn bei ihrer Mutter abgab, war es also ungewiss, wann und ob sie ihn wiedersehen würden.

Sie wurden anschließend verhört. Man versuchte, ihr zu unterstellen, gegen DDR-Gesetze verstoßen zuhaben, untersagte ihr aber das Nachlesen in einem Gesetzbuch. Sie berichtet, dass sie 13 Stunden verhört wurde, stundenlang stehen musste und ihr der Toilettengang verboten wurde. Sie erbat einen Anwalt, darauf erwiderte einer der Verhörer: „Sie haben wohl zu viel Westfernsehen gesehen.“ Elke Schlegel sah in ihren drei Monaten Übergangshaft weder ihren Freund, noch ihr Kind, ihr wurde auch nicht gesagt, was mit beiden geschehen war.

Bei dem Prozess nach drei Monaten standen ihr Partner und sie zusammen vor Gericht. Aufgrund eines abgehörten Telefongespräches, begründete das Gericht „das Handeln entgegen das Wohlergehen des Staates“. Elke Schlegel wurde zu einem Jahr und sechs Monaten und ihr Partner zu einem Jahr und fünf Monaten Haft verurteilt. Sie erzählte, dass dieses Urteil schon einige Tage früher von der SED verfasst wurde und lediglich vom Richter vorgelesen wurde, wie sie später erfuhr.

Sie wurden nach dem Urteil wie Schwerverbrecher behandelt und abgeführt. Elke Schlegel wurde mit fünf Frauen in eine Reihe an den Handgelenken durch Handschellen verbunden und in einen Zug geführt.

Von diesem aus wurde sie in die Frauenzuchtanstalt Hoheneck gebracht. Wenn ihr auch bisher bewusst war, dass die DDR ihren Bürgern Unrecht antat, wurde es ihr in diesem Gefängnis noch einmal klarer, dass die DDR ein Unrechtsstaat war. Sie wurde dort mit tatsächlichen Schwerverbrecherinnen in einer Zelle untergebracht, als jemand, der eigentlich nichts verbrochen hat.

Sie lebte dort mit noch fünf anderen politischen „Verbrecherinnen“. Zusammen lernten sie, sich zu unterstützen und zu versorgen um sich gegen die wahren Verbrecher zu wehren. Elke Schlegel lebte mit Schlafstörungen und Untergewicht. Sie wog nur noch 37,5 kg, denn das „Essen“, das es im Gefängnis gab, war ungenießbar. In der Suppe schwommen Maden, die Säcke, die in die Küche getragen wurden, waren beschriftet mit: „nicht für den menschlichen Verzehr geeignet“ und das Brot war getränkt mit einer Flüssigkeit, die die Sexualübergriffe in den Zimmern verringern sollten. Die Übergriffe gab es trotzdem und die Frauen bekamen starke gesundheitliche Probleme durch den Wirkstoff im Brot.

Elke Schlegel musste Strumpfhosen herstellen, welche an die BRD verkauft wurden. Als ihr gesundheitlicher Zustand nach fünf Monaten Haft immer schlechter wurde, wurde sie als eine der politisch Inhaftierten ausgewählt, welche von der BRD freigekauft wurden. Heute denkt sie, dass die Motivation dafür war, dass die Wärter und die Leute in den entscheidenden Positionen gedacht haben, dass sie nicht mehr lange leben würde und sie daher auch nicht mehr so viel arbeiten könnte.

Sie kam zu einer „Aufpäppelstation“, wo sie wieder richtiges Essen bekam und für ihre Arbeit mehr entlohnt wurde. Ihr wurde gesagt, dass sie 80.000 Mark wert wäre und wurde für diesen Preis freigekauft. Als sie im Bus für die Überquerung der Grenzen saß, hoffte sie, ihren Mann wiederzusehen, dies war allerdings nicht der Fall. Sie bekam gesagt, dass sie nichts über die Geschehnisse in der DDR und ihren Gefängnissen sagen dürfte, weil „die Ampel dann vielleicht mal doch nicht rot wäre“ und sie folglich ein Stasi Mitglied auch im Westen überfahren könne.

Sie kam in Gießen an und wollte dort bleiben, weil sie hoffte, ihren Mann bei seiner Ankunft abpassen zu können. Dies durfte sie nicht und ging zu ihren Verwandten nach Rheinland-Pfalz. Einige Monate später durfte sie ihren Mann allerdings aus Gießen abholen. Einige Zeit später kam die Erlaubnis, auch ihren Sohn endlich wieder zu sich holen zu dürfen. Seit 1985 wohnten alle zusammen in der BRD.

Der Mauerfall war ein sowohl schöner als auch trauriger Moment, sagt Elke Schlegel. Nun durften zwar alle Bürger, also auch ihre dort ansässige Familie, der DDR in die BRD kommen, allerdings war die Mauer auch für die Wärter und Verantwortlichen ihrer schlimmen Erfahrung gefallen.

Ihre Angst, einem ihrer Peiniger zu begegnen, erfüllte sich leider. Und auch heute noch haben die grausamen Sachen, welche ihr angetan wurden, Nachwirkungen. Doch Elke Schlegel lernte mit der Zeit, damit umzugehen und ist nun in der Lage, ihre Geschichte mit uns zu teilen. Nur dadurch haben wir die Möglichkeit, die DDR als der Unrechtsstaat, welcher er war, zu begreifen.

Die Schülerinnen und Schüler können an Elke Schlegels Leben sehen, wie wichtig es ist, unsere Demokratie zu schützen und wie dankbar alle sein können, die Freiheit zu leben, die wir haben. „Nur dank Zeitzeugen, wie Elke Schlegel, die die Stärke besitzen, uns zu erzählen, wie die Zeit damals war, können wir uns wirklich ein Bild davon machen und erkennen, warum wir unser demokratisches System so schützen und stärken müssen“, so eine Schülerin.

Elke Schlegel zu Gast im Kurfürst-Balduin-Gymnasium Münstermaifeld. Foto: privat

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