Rot-Weißer Karneval startete mit grandiosem Sitzungsauftakt
Da, wo Profis auf die Bühne gehen
Die rot-weiße Auftaktsitzung bot von Büttenreden über Sketche bis hin zu grandiosen Tänzen eine professionelle Show
Höhr-Grenzhausen. Der Elferrat Rot-Weiß ist seit über 66 Jahren ein Garant für erstklassigen Karneval mit Herz und Verstand in Höhr-Grenzhausen und mit der Auftaktsitzung ist der Verein seinem Ruf mehr als gerecht geworden. 20 fabelhafte Programmpunkte erwarteten das gespannte, gut gelaunte Publikum an diesem Abend und die Akteure rund um Sitzungspräsident Michael „Speedy“ Specht enttäuschten ihre treuen Gäste nicht.
Bereits der erste Programmpunkt zur Eröffnung der Sitzung, gestaltet durch Bastian Dillenburg und Dominik Deinert als „Dragan und Alder“, war mit seinen Mitsingsongs, unter anderem „Ein Schäätärn, der deinen Namen trägt“ und der Klärung des Begriffs „Rudelsingen“ eine super Einstimmung auf das folgende Programm.
Kritische Reflexionen durch den Till
Im Anschluss an die Begrüßung des Publikums durch Präsident Michael Specht nahm der Elferrat traditionell auf der Bühne Platz und Till Eulenspiegel alias Rudolf Schwaderlapp übte in gewohnt souveräner Manier Kritik am heutigen Anstandsbegriff und zog in seinem Jahresrückblick neben dem Disaster der Bundestagswahl, die „Terrortouristen“, den Dieselbetrug und natürlich die Höhr-Grenzhäuser „Bankenkrise“ durch den Kakao. Deutlich hielt er den Höhrer Narren seinen Spiegel vor. Dafür erntete er großen Applaus des Publikums.
Die erste tänzerische Einlage bot dann das Rot-Weiß-Ballett mit seinem schwungvollen und akkurat präsentierten Gardetanz und riss die Gäste von den Stühlen. Die Tänzerinnen beeindruckten die Zuschauer mit einer bemerkenswerten Choreographie.
Erstklassige Reden, Sketche und Zwiegespräche
Wortspielereien, Witze, Wortverdreher und Sketche gehören zu einer guten Sitzung wie der Sand ins Meer. Und davon hatte Rot-Weiß einiges äußerst Unterhaltsames zu bieten.
Beim Auftritt „Leben am Limit“ der Rednergruppe rund um das Prinzenpaar der letzten Session zeigten die Akteure großes karnevalistisches Talent, als es darum ging, herauszufinden, wer denn nun wirklich das stärkere Geschlecht sei. Ein Männerwitz jagte den nächsten und der freche Ex-Prinz war der Meinung, dass Frauen nur Probleme machen, was ihm natürlich nicht die Gunst seiner Andi einbrachte. Die Folgen der anstrengenden Kampagne führten bei der Gruppe zu übersteigertem Alkoholgenuss und Müdigkeit, was bei der Aussprache zu einigen Artikulations- und Handhabungsproblemen führte, denn man „Barshippte“ und briet den Schinken direkt auf dem Herd, denn es sei ja schließlich ein „Seranokochfeld“. Belohnt wurde der tolle Auftritt mit einer Rakete des Publikums.
„Immer schön geradlinig bleiben – das macht ein schlankes Gehirn.“ Der Meinung war Patrick Bühler als Stimmungsliedermacher. Er unterhielt das Publikum mit gereimten Stimmungsliedern und exzellenten Gags. So überzeugter er seine Zuschauer davon, dass es nicht „klein“ heiße, sondern eine bessere Formulierung sei: „Auf’s Beste reduziert“.
Ehrwürdiger Empfang des Prinzenpaares
Und dann kam der große Moment, ein Highlight des Abends. Das amtierende Prinzenpaar des Höhr-Grenzhäuser Karnevals Prinz Alexander I. und Prinzessin Inge II. betraten ehrwürdig mit ihrem Gefolge den Saal. Aus dem Land der Pharaonen kommen sie und beschritten mit ihren prächtigen Kostümen die Bühnenbretter der rot-weißen Narrhalla, wo sie unter großem Jubel von ihren Untertanen empfangen wurden. Präsident Michael Specht begrüßte das Prinzenpaar samt Hofstaat aufs Herzlichste, das Regentenpaar bedankte sich für den tollen Empfang und richtete seine Worte an sein närrisches Volk.
Die Quellmänner sind „Echte Fründe“ und haben mit ihren Auftritten schon eine lange Tradition auf der Bühne ihres Vereins. In diesem Jahr offerierten sie ihren Gästen mit einer Perfektion von Schritten und aneinander befestigten Kostümen eine erstaunliche Vorstellung. Selbstverständlich ließ das begeisterte Publikum sie nicht ohne Zugabe gehen.
Als saarländisches Ehepaar gaben Oliver Eberz und Svenja Heine, die an diesem Abend auch ihr Debüt auf der rot-weißen Bühne hatte, ihr Bestes. Im täglichen Hin und Her des Alltags und der Streitereien fragte man sich, wer von beiden denn hier letztlich die Hosen anbehalten würde. Im humorvollen Kleinkrieg, der von beiden mit brillanter Gestik und Mimik untermalt wurde, musste zum Schluss der Ehemann ohne etwas zu Essen ins Bett gehen.
Meisterhafte Sprachkünstler
Wo kommen eigentlich die Büttenredner von Rot-Weiß her? Diese Frage beantworteten die Sprachkünstler Joachim Segeth und Michael Specht in ihrem Bewerbungsgespräch. Die „Rüttenbede“ handelte von sportlichen Themen über Steuersünder bis hin zur Lokalpolitik, in der auch die beiden Bürgermeister „Bhilo Tecker“ und „Thichael Miesen“ ihr Fett abbekamen. Verabschiedet wurden die beiden mit „Kapelle, bitte Mausarsch“.
Mit ihrem Showtanz entführte das Rot-Weiß-Ballett die faszinierten Gäste stürmisch in die Welt der Musicals und wartete mit wundervollen und detailreichen Kostümen auf. Es war ein Auftritt der Spitzenklasse und die Zuschauer forderten sich nach der Rakete die Zugabe.
In der Stunksitzung jammerte die Freiheitsstatue (Isabel Gil Mendez) über Beschwerden in den Wechseljahren, Markus Fischer und Oliver Eberz gaben vor Ironie triefende Lieder zum Besten und Daniel Hoffmann strapazierte die Lachmuskeln der Zuschauer à la Olaf Schubert. Ein gelungener Mix aus Spaß, Ironie, Schalk und Gesang.
Gesang und Powermusik
Die „Band 2. Frühling“ heizte als Hippies die Stimmung im Saal dann so richtig auf und brachte mit ihrem rockigen Auftritt kölsche Tön mit. Binnen kurzer Zeit verwandelte sie das Vereinshaus in einen Konzertsaal. Niemanden hielt es mehr auf seinem Stuhl und der ganze Saal sang lautstark und vereint mit.
Der anschließende Ski-Slapstick als komödiantische Einlage endete schließlich damit, dass die beiden Darsteller Daniel Hoffmann und Henrik Klas über eine Rampe auf ihren Skiern in den Saal fuhren.
Schnapswerbung sollte das nörgelige Model (Jörg Lötschert) für den Produzenten (Roman Birnbach) machen, der in seinem exklusiven Leopardenmuster-Anzug fesch und selbstsicher auftrat. Als Meister der Mimik und Gestik brachte Jörg Lötschert das Publikum immer wieder zum Lachen und das eingespielte Team war mit seiner genialen Comedy-Einlage auf jeden Fall die Rakete wert.
Bei der Flirt-Hotline „Heißes Höhr“ überzeugten Linda Confuorti und Laura Letschert mit ihren Sprachtalenten und bescherten einem Anrufer glückliche Minuten am Telefon. In unterschiedlichen Dialekten brillierte Laura Letschert und begeisterte die Zuschauer.
Dass auf der Alm die Welt noch in Ordnung ist, bewies das Männerballett an diesem Abend. Der gekonnte Auftritt zeigte einfallsreiche Elemente und die Männer wirbelten über die Bühne.
A-Capella meets Thermomix
Ein Höhepunkt war auf jeden Fall der Auftritt der A-Capella-Gruppe „Krumme Zingenöhl“ mit Roman Birnbach, Patrick Bühler, Oliver Eberz, Oliver Heine, Jörg Lötschert, Michael Specht und Thomas Westphal, die seit über 25 Jahren mit ihrem Gesang die rot-weißen Sitzungen bereichern und in diesem Jahr mit ihrer gesungenen Parodie über ein hochpreisiges Multifunktionshaushaltsgerät kein Auge trocken ließen. Für ihre Darstellung der Dinge ernteten sie großen Jubel und bedankten sich mit einer Zugabe.
Exzellenter Tanz im Western-Style
Dann neigte sich die hervorragende Sitzung dem Ende zu und das Aushängeschild des Elferrates Rot-Weiß, das Rot-Weiß-Ballett, zeigte mit seiner großen Schlussshow im Cowboy-Outfit noch einmal all sein Können und legte einen perfekt einstudierten Tanz aufs Parkett.
Zusammen mit allen Akteuren sangen die Gäste das Abschlusslied am Ende der mehr als gelungenen Sitzung.
Mit Ihrer Premierensitzung 2018 machten die Rot-Weißen dem Höhr-Grenzhäuser Karneval wieder alle Ehre. Die zahlreichen Raketen, die Zustimmung des Publikums sowie die stehenden Ovationen waren einmal mehr der Beweis für den erstklassigen Karneval, den der Verein zu bieten hat. Wer neugierig geworden ist, hat an drei weiteren Sitzungsterminen Gelegenheit, Teil des jecken Gesamtkunstwerkes zu werden. Alle Infos rund um den Verein, seine Aktionen und Termine gibt es unter www.elferrat-rot-weiss.de.
Oliver Eberz und Markus Fischer mit ihren ironischen und kritischen Liedern auf der Stunksitzung.
Die schwarz-weißen Quellmänner legen gekonnte Schritte aufs Parkett.
Showtanz der Extraklasse - Tanz der Vampire vom Rot-Weiß-Ballett.
Klasse Debütauftritt von Svenja Heine zusammen mit Oliver Eberz als saarländisches Ehepaar.
Powersongs und rockige kölsche Tön von der Band „2. Frühling“.
in Meister der Mimik und Gestik - Jörg Lötschert als Model für einen Schnaps-Werbespot.
Die krumme Zingenöhl gaben wieder witzige Songs zum Besten.
