70 Jahre Karnevalsgesellschaft Grau-Blau – Eine kleine Reise durch die Vereinsgeschichte
Damals, als die Wagen noch von Kühen und Pferden gezogen wurden
Was die Jubiläumsgäste im Jubeljahr 2019 erwartet
Höhr-Grenzhausen. Als am 27. Oktober 1949 20 Männer im Gründungshaus „Kasino“ in Grenzhausen die Karnevalsgesellschaft Grau-Blau aus der Wiege hoben, legten sie damit den Grundstein für seitdem 70 Jahre Karneval und Tradition im Stadtteil Grenzhausen der heutigen Kannenbäckerstadt. Seitdem ist viel passiert, der Verein entwickelte sich und geht bis heute mit der Zeit, versucht immer einen Schritt voraus zu sein, setzt stetig neue Maßstäbe für die fünfte Jahreszeit der Stadt. Man denke nur an die Einführung der Karnevalszeitung „Narrenspiegel“ im Jahr 1952, die erste After-Zug-Party vor zwölf Jahren, dem ersten eigenen Prinzenpaarlied von Prinz Bernhard und Prinzessin Karoline aus den Grau-Blauen Reihen im Jahr 2007 und den immer wieder witzigen und aufwendigen Einführungsvideos, die die Techniker seit elf Jahren zusammengeschnitten haben.
Ich kam einst aus Grenzhausen
Bereits mit der Vereinsgründung bewiesen die Grau-Blauen Vehemenz gepaart mit Idealismus. Die Zeiten nach dem Krieg während der französischen Besatzung waren hart. Einen Verein zu gründen war damals nicht so leicht wie heute und mit sehr viel Papierkrieg verbunden. Auf der Homepage des Vereins heißt es dazu: „Und wenn wir stolz sein wollen auf die Geschichte von ‚GRAU-BLAU‘, die den Menschen Freunde gebracht hat, als Freude und Frohsinn absolut noch keine gängigen Worte waren, als es noch kein Fernsehen gab, an dem man sich Abend für Abend ergötzen konnte, dann müssen wir jener Männer gedenken, die den Ruf von ‚GRAU-BLAU’ begründet haben.“ Die erste Kappensitzung fand bereits kurz nach der Gründung im November 1949 statt. Der Eintritt kostete damals eine Deutsche Mark.
Redner, Sänger, Elferrat – mal lustig und auch mal ernst
Anno 1950 veranstalte der Verein den ersten Rosenmontagszug. Die Wagen wurden von Kühen, die Prunkwagen von Pferden gezogen. Aus Grau-Blauen ist im Jahr 1961 das Komitee Fastnachtszug Höhr-Grenzhausen entstanden.
Neun Präsidenten führten seit Vereinsgründung den Sitzungsvorsitz. Der amtierende „Präsi“ André Geilen ist nun in seiner fünften Amtsperiode und stieg in die Fußstapfen von Thomas Paulsen, der über 30 Jahre dieses Ehrenamt begleitete. Dass Grau-Blau immer wieder neue Wege geht, beweist auch die Tatsache, dass der Präsident hier nicht in der Mitte des Elferratstisches sitzt. Acht Jubiläumsprinzenpaare brachte die Karnevalsgesellschaft hervor und noch viele Prinzenpaare mehr schwangen in den Sessionen ihr Grau-Blaues Zepter im Höhr-Grenzhäuser Karneval und regierten die Närrinnen und Narren.
Zahlreiche Redner, Sänger und Elferräte haben in den letzten 70 Jahren ihr närrisches Zuhause auf der Grenzhäuser Bühne gefunden. Und auch, wenn die Ausrichtung eine lustige ist, so ist das Lenken der Vereinsgeschicke, die von Höhen und Tiefen begleitet wurde, eine ernste Sache. Dafür braucht es Jahr für Jahr ambitionierte Menschen, die sich ehrenamtlich in den Dienst ihres Vereins stellen.
Weitere Meilensteine in der Vereinsgeschichte
1954, also fünf Jahre nach Vereinsgründung, gab es bereits vier Sitzungen. Anfang der 60er Jahre trainierte eine neue Tanztruppe in der Ballettschule Stützer und absolvierte erfolgreiche Tanztourneen. 1999 erfolgte der erste Gastauftritt der Ranzengarde Grün-Gelb durch den heutigen ersten Vorsitzenden Carsten Gräf, zusammen mit Rocher Wittelsberger. Dies stellte insofern ein Novum dar, als dass Mitglieder eines anderen Vereins die Grau-Blaue Bühne betraten. Im Jahr 2000 übernahm Mario Meister als Chef der „Ukrainischen Zirkusband“, wie die Sitzungsband liebevoll und zugleich neckisch genannt wird, die musikalische Begleitung der Sitzungen. Seitdem ist sie ein Garant für exzellente und professionelle Stimmungsmusik auf den Grau-Blauen Sitzungen, auch jenseits von Schunkelliedern und Karnevalstuschs.
Als Auszeichnung für besondere Verdienste innerhalb des Vereins wurde im Jahr 2004 durch Rüdiger Remy erstmals als Ehrenorden der „Grau-Blaue Ambert“ verliehen. Der Feder von Vorstandsmitglied, langjährigem Elferrat und Büttenredner Michael Walder entsprang 2010 das Grau-Blau-Lied, wurde im Studio aufgenommen und auf den Grenzhäuser Bühnenbrettern uraufgeführt. Unter der Leitung von Andreas Louven ging das Ballett 2010 neue Wege. Für die Aufführung von „Tanz der Vampire“ ernteten sie große Anerkennung.
2011 entschloss sich der Verein zum Kauf der Halle, um seinen Sitzungen weiterhin ein Zuhause geben zu können und nicht heimatlos zu werden. Seit nunmehr vier Jahren steht Stephan Haas als Trainer und Tänzer dem Ballett zur Seite und gibt den Auftritten ein professionelles neues Gesicht.
Viele Vereinsmitglieder erhielten Auszeichnungen für außerordentliche Verdienste im Karneval, die an dieser Stelle nicht alle genannt werden können. Zuletzt wurde im Jahr 2018 Carsten Gräf mit dem Klevbux-Orden ausgezeichnet und Olaf Heuser erhielt die silberne Verdienstnadel des RKK.
Die hinter diesen Entwicklungen stehenden Entscheidungen hatten zum Ziel, dass der Verein in seiner Ausrichtung immer wieder aufs Neue die Zuschauer begeistert und die Sitzungsgäste fröhlich stimmt.
Narren, die ihr Glück auf Frohsinn bauen
Die Aktiven rund um Sitzungspräsident André Geilen geben ihr Bestes, um die an sie gestellte Erwartungshaltung zu erfüllen und sehen sich als Narren in der Pflicht, mit viel Engagement und Idealismus die Messlatte in ihrem Jubiläumsjahr hoch zu legen und Frohsinn zu verbreiten. Bereits vor Weihnachten waren die fünf Sitzungen fast ausverkauft. „Die Sitzungsbesucher kommen nicht nur aus Höhr-Grenzhausen, sondern aus naher und ferner Umgebung. Unser Programm lässt genau das zu. Wir haben kaum Lokalpolitik in den Vorträgen und nur eine Rede auf Grenzhäuser Platt. Das macht es für Ortsfremde einfacher.“, sagt Carsten Gräf. So finden alljährlich Stammgäste aus dem Kölner Raum, aus Bremen und dem Schwarzwald nach Grenzhausen zu den Sitzungen. Auch Gäste aus der Heimat von Elferrat Jan, der Insel Sylt, heißen die Akteure willkommen.
Schau doch mal ganz nah bei dir, wo ein Freund als Nachbar wohnt
Auch, wenn der Verein gewissermaßen den Grundstein für den heutigen Höhr-Grenzhäuser Karneval gelegt hat, so sind André Geilen und Carsten Gräf froh um das große Fundament, dass die Ranzengarde als Nachwuchsverein bildet. Auch die früher bestehende Rivalität zum heute befreundeten Verein aus dem Stadtteil Höhr, den Rot-Weißen, hat sich gelegt, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass die heutigen Vorstände und Akteure zum Teil ehemalige „Ranzengardisten“ sind und man bereits viele schöne gemeinsame Stunden zusammen verbracht und gefeiert hat. „Andernorts kann man ein Karnevalssterben beobachten. Durch den massiven Unterbau, den die Ranzengarde Grün-Gelb bietet, und bei deren Sitzungen rund 150 Kinder über die Bühne gehen, was schon echt Wahnsinn ist, haben wir einen unglaublichen Level hier in Höhr-Grenzhausen. Es ist toll, dass beide Vereine, sowohl die Grau-Blauen, als auch Rot-Weiß von der Ranzengarde partizipieren.“, konstatiert Carsten Gräf.
Die Zeiten haben sich geändert
„Als Verein wird es heutzutage immer schwerer Mitglieder zu akquirieren, damit er überleben kann. Wir brauchen auch alle Veranstaltungen, die wir organisieren, um die Kosten für die Halle zu stemmen. Die Gelder aus dem Verkauf der Sitzungskarten decken das bei Weitem nicht. Was wir früher an GEMA-Gebühren für alle Veranstaltungen zusammen zahlen mussten, zahlen wir heute für einen Abend. Als wir zu Grau-Blau kamen, war das eine Zeit, in der man sich seine Uniform erst mal durch Leistung verdienen musste.“, berichten Carsten Gräf und André Geilen. Auch fehle es zur Ausrichtung von Veranstaltungen oft an ausreichenden Helfern. Nicht nur dieses Schicksal teilt Grau-Blau mit vielen anderen Vereinen. „Das Freizeitangebot ist heutzutage groß und vielfältig und es gibt nicht nur Karneval in Höhr-Grenzhausen. Auch für die Erwachsenen oder Eltern ist der Stressfaktor, wenn sie nach der Arbeit nach Hause kommen, ein anderer als beispielsweise noch vor 30, 40 oder 50 Jahren. So kann man es niemandem verübeln, wenn er sich nicht engagiert.“, spricht Präsident André Geilen sicher vielen eingefleischten Karnevalisten aus der Seele. Umso mehr gilt es, die Tradition und das überlieferte Gut der Vereinsgründer zu bewahren und am Leben zu erhalten.
Was erwartet die Gäste in der Jubiläumssession?
Der diesjährige Orden wurde von Ehrenpräsident Thomas Paulsen gestiftet. Der Entwurf stammt von Beate Plieth. Seit Ostern legen sich die Jungs und Mädels des Balletts ins Zeug und trainieren drei Mal wöchentlich pausenlos, um das Publikum auch in diesem Jahr erneut zu begeistern und von den Stühlen zu reißen. Die erste Rede war bereits Ende August in trockenen Tüchern. Ein hochkarätiges, abwechslungsreiches und spritziges Programm mit einer dem Anlass Rechnung tragenden pompösen Abschlussshow in zauberhaften Kostümen erwartet die Gäste in der Grau-Blauen Narrhalla. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, aber Grau-Blau setzt auch in 2019 wieder Maßstäbe im Höhr-Grenzhäuser Karneval, denn Grau-Blauer Karneval steht für Qualität, Niveau und „professionelle Amateure“.
Präsident André Geilen und erster Vorsitzender Carsten Gräf freuen sich auf 70 Jahre Grau-Blau und auf viele schöne Stunden mit ihren Gästen. Foto: Thilo Becker
Der Grau-Blaue Elferratswagen beim Karnevalsumzug im Jahr 1960. Foto: Archiv
Das Grau-Blau-Ballett im Jahr 1993. Foto: Archiv
Grau-Blau Helau – das Grau-Ballett wird auch im Jubiläumsjahr die närrischen Gäste verzaubern. Foto: Thilo Becker
Die Sitzung aus dem Gründungsjahr 1949 des Vereins. Foto: Archiv
Schon 1960 feierte man gebührend die fünfte Jahreszeit mit Sitzungspräsident Otmar Metternich. Foto: Archiv
