Allgemeine Berichte | 13.11.2018

Koblenz gedenkt der Reichspogromnacht vor 80 Jahren

„Das Böse aus der Perspektive des Opfers zu erleben, ist der Weg, zu lernen“

Oberbürgermeister David Langner legte einen Kranz am Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof nieder, um der sechs Millionen ermordeter Juden zu gedenken. ND

Koblenz. Am 11. November lud die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit e. V.  in die Koblenzer Synagoge zum Gedenken an die „Reichspogromnacht“ ein. Viele Menschen versammelten sich in den Räumen der Jüdischen Kultusgemeinde, um an die Opfer dieser grausamen Stunden zu erinnern, darunter Oberbürgermeister David Langner, Avadislav Avadiev, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde, Josef Oster, MdB, Dr. Anna Köbberling, MdL, Polizeipräsident Karlheinz Maron, Dr. Stefan Bent, Landesuntersuchungsamt, Serkan Genc, Vorsitzender des Beirats für Migration und Integration der Stadt Koblenz, Heribert Heinrich, SPD-Stadtratsfraktion, Monika Sauer, CDU-Stadtratsfraktion, Dr. Jürgen Schumacher, Vorsitzender des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V., Pfarrer Stefan Wolff, Pfarreigemeinschaft Koblenz, Pfarrer Ralf Staymann, Altkatholische Pfarrgemeinde Koblenz, Pfarrerin Birgit Becker, evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Mitte, sowie Vertreter der türkisch-muslimischen und bosnisch-muslimischen Gemeinden. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier durch das Kammermusikensemble der Mitglieder der Rheinischen Philharmonie.

Auftakt zu noch entsetzlicheren Gräueltaten

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 fand die sogenannte „Reichskristallnacht“ statt. Von den Nationalsozialisten gelenkt wurden etwa 1400 Synagogen und jüdische Versammlungsräume zerstört und in Brand gesetzt. Die jüdischen Bürger wurden misshandelt und aus ihren Wohnungen vertrieben. Viele wurden verschleppt, ermordet, oder sie brachten sich aus Verzweiflung selbst um. In Koblenz wurden in dieser Nacht 19 Geschäfte und 41 Wohnungen zerstört und geplündert, der Friedhof wurde geschändet und die Leichenhalle verwüstet. Es war der Auftakt zu noch abscheulicheren Gräueltaten.

Vorbild sein für künftige Generationen

Der Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde, Avadislav Avadiev, begrüßte die Gäste. In seiner Ansprache betonte er, dass Geschichte nicht umgeschrieben werden könne, aber man dennoch miteinander die Geschichte verarbeiten und daraus lernen kann, um für die junge Generation als Vorbild handeln zu können. „Antisemitismus hat in Europa wieder zugenommen, und daher ist es sehr wichtig, dass dieser Teil der Geschichte in den Schulen an die Kinder weitergegeben wird, denn in den Schulhöfen heute, ist das Wort ‚Jude‘ wieder zu einem Schimpfwort geworden.“

Pfarrer Wolfgang Hüllstrung hielt es nicht für selbstverständlich, dass die Gedenkstunde an die Reichpogromnacht in den Räumlichkeiten der Jüdischen Kultusgemeinde gehalten wird, „denn eigentlich ist es Aufgabe der Nachfahren der Täter, die Erinnerung lebendig zu erhalten und auch für die heutige politische Kultur fruchtbar zu machen.“ Die Christlich-Jüdische Gesellschaft versteht ihre Aufgabe daher darin, „den Dialog zwischen Juden und Christen zu fördern und zu einem partnerschaftlichen Verhältnis beizutragen.“

Oberbürgermeister David Langner glaubt, „dass sich die Geschichte in Teilen wiederholen kann“. Dabei erinnerte er an die Situation zu Beginn der 1930er-Jahre, als die NSDAP bei der Reichtagswahl noch unter 20 Prozent lag und nur zwei Jahre später bereits 37 Prozent erreichte, um darauf hinzuweisen, wie schnell eine Stimmung kippen kann. „Ich glaube, das zeigt, dass wir sehr vorsichtig und sehr wachsam sein müssen, gerade in unserer heutigen Zeit, und nichts damit abtun, dass es nur ein paar ‚Verrückte‘ sind, sondern dass wir schon an dieser Stelle sagen: Halt, wir wissen aus der Geschichte, wozu das führen kann.“

Pater Eric Riechers, SAC, Vallendar, las einen Abschnitt aus dem Buch Genesis vor über die „transformative Feuerprobe des Rollentauschs“ von Josef und seinen Brüdern, der Umkehr. Es handelt vom Versagen und von der Fähigkeit, aus diesem Versagen zu lernen, und es lehrt die Menschen, dass sie sich ändern können. Die „allernötigste Vorstufe der Umkehr sei es, zu verstehen, wie sich das Böse von der anderen Seite anfühlt, nicht als Täter, sondern als Opfer. Der Weg, wie die Menschen lernen, das Böse nicht zu tun, ist, ein Ereignis aus der Perspektive des Opfers zu erleben“. Riechers schloss seine Ansprache mit dem Satz: „Möge es so sein, dass es in den kommenden Jahren genügend Menschen gibt, die laut und deutlich sagen, dass sie sich empfinden, fühlen und verstehen als die Hüter der jüdischen Brüder und Schwestern“.

Es wurde ein kleines Stück aus dem ersten Buch Mose, dem Bereschit, gelesen, zuerst auf Hebräisch und dann in der deutschen Übersetzung.

Es wurde ein kleines Stück aus dem ersten Buch Mose, dem Bereschit, gelesen, zuerst auf Hebräisch und dann in der deutschen Übersetzung.

Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, David Langner, plädierte in seiner Ansprache für mehr Wachsamkeit und mehr Verantwortung, gerade in der heutigen Zeit.

Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, David Langner, plädierte in seiner Ansprache für mehr Wachsamkeit und mehr Verantwortung, gerade in der heutigen Zeit.

Oberbürgermeister David Langner legte einen Kranz am Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof nieder, um der sechs Millionen ermordeter Juden zu gedenken. Fotos: ND

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Alles rund ums Haus
Doppelseite PR/Anzeigen
Schulze Klima -Image
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
PR-Anzeige
Titelanzeige
Unterstützeranzeige
Empfohlene Artikel
Andreas Bohn hat das Ehrenamt im Blut.  Foto: privat
42

Reifferscheid. In jeder Gemeinde gibt es Menschen, die im Hintergrund wirken, anpacken, zuhören und einfach da sind, wenn man sie braucht. In der Gemeinde Reifferscheid ist so ein Mensch Andreas Bohn. Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat. Als stellvertretender Ortsbürgermeister und langjähriges Mitglied im Gemeinderat hat er Verantwortung übernommen und die Entwicklung des Dorfes aktiv mitgestaltet.

Weiterlesen

Auf der Bühne herrschte bei den Spielen eine lockere Atmosphäre.  Foto:WAMFO.de
15

Nürburgring. Ally-Pally-Atmosphäre am Nürburgring: Tausende Fans der fliegenden Pfeile haben die Ringarena am vergangenen Samstag erneut in einen Darts-Tempel verwandelt. In den Trikots ihrer Lieblingsspieler oder kreativ verkleidet als Zwerg oder Zielscheibe, erlebten rund 4.000 Besucher bereits im fünften Jahr spannende Partien zwischen den bekannten Größen des (Dart)Sports. Auf der Bühne der „Darts-Arena“ lieferten sich die Darts-Stars spannende Duelle.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
72

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
15

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
365

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Kreishandwerkerschaft
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Dauerauftrag Imageanzeige
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
Oster-Anzeige
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Koblenz blüht
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
SB Standesamt
Angebotsanzeige (April)
Anzeige KW 14
Ostergrußanzeige
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Stellenanzeige Kita