Paul Maar begeisterte mit Nasreddin Hodscha eine große Kinderschar
Das Kamel flog durch die Kulturwerkstatt
Remagen. Sie hatten nur wenig Werbung machen müssen für die Geschichten von Nasreddin Hodscha, erzählt von Paul Maar und seinen künstlerischen Mitstreitern: das Team der evangelischen öffentlichen Bücherei, Helene Schäuble und Andrea Dörr. Die beiden Initiatorinnen konnten sich über eine riesige Nachfrage zu den Erlebnissen des „türkischen Till Eulenspiegels“ freuen. Die „Kulturwerkstatt“ auf deren Bühne das „Kamel zum Leben erwachte“ war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die literarisch-musikalische Reise in die faszinierende Welt des Orients, die Paul Maar mit der Capella Antiqua Bambergensis, Murat Coskun und Ibrahim Sarialtin unternahm, war ein Produkt des Bundesprogramms „Demokratie leben“ und wurde bereits als ein besonderer Beitrag für den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und der Türkei vom Auswärtigen Amt in die Ernst-Reuter-Initiative aufgenommen. Die wunderbaren philosophischen Geschichten des Mannes aus Anatolien, die als Lesung bei den zahlreichen Kindern mit großen Augen aufmerksam verfolgt wurden, wurden vervollständigt durch die Musik, die aus hierzulande kaum gesehenen Instrumenten gefühlvoll durch den Saal brandeten. Paul Maar, der Autor des Sams, verstand es, mit seinen Mitstreitern die kleinen und großen Besucher der Veranstaltung über die Zeit von zwei Stunden durchgehend in den Bann des Orients zu ziehen. Auch die türkische Sprache sorgte für Authentizität der Geschichten. Geschichten voller Spannung, im Dialog erzählt, wie die, als Nasreddin erklärte, warum er ein volles und ein leeres Wasserglas neben seiner Schlafstätte stehen hätte, nämlich eines dafür, wenn er Durst hätte und eines, wenn er eben keinen Durst hätte, erheiterten die Kinder über alle Maßen. Aber auch die wohl bekannteste, „Der Klang des Geldes“, die davon handelt, dass ein Bettler ein Stück Brot über einen Grill an dem ein Stück Lamm briet, hielt und dafür von einem Wirt Schelte bekam, fesselte außerordentlich. Nasreddin Hodscha hatte die Szenen mitbekommen, dem Bettler ein paar Münzen abgenommen und auf den Wirtshaustisch geworfen. Bevor der Wirt zugreifen konnte, gab Hodscha das Geld dem Bettler zurück und sagte: „Dieser Bettler hat dir den Geruch deines Essens nun mit dem Klang seines Geldes bezahlt.“ Paul Maar hat in seinem Buch, das begleitend in der „Kulturwerkstatt“ auslag, aber nicht nur die Geschichten des Nasreddin Hodscha nacherzählt, sondern auch nachempfunden, was wäre, wenn der orientalische Eulenspiegel des 14. Jahrhunderts heute in Berlin, Dortmund oder Frankfurt durch die Straßen zöge.
An den Musikinstrumenten des Mittelalters begeisterten Anke, Andreas, Thomas und Wolfgang Spindler. Helene Schäuble bedankte sich sehr für das gelungene Spektakel bei Paul Maar. Die Leiterin der Bücherei bedauerte am Rande der Veranstaltung nur, dass es nicht gelungen war, möglichst viele Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund für die Erzählgeschichten in der „Kulturwerkstatt“ zu begeistern. Das Buch und die CD über Nasreddin Hodscha ist erhältlich in „Hauffes Buchsalon“ an der Marktstraße.
AB
