Kinderbuchautor Paul Maar war im Rahmen der Westerwälder Literaturtage zu Gast
Das Kamel flog durch die Stadthalle
Montabaur. Die musikalisch-literarische Reise „Das fliegende Kamel“ in der Stadthalle Montabaur führte in den Orient. Paul Maar, der Kinderbuchautor des gleichnamigen Buches, Murat Coskun und Ibrahim Sarialtin erzählten die unterhaltsamen Geschichten von Nassredin Hodscha in deutscher und türkischer Sprache. Die Capella Antiqua Bambergensis mit ihren mittelalterlichen Instrumenten untermalte „Das fliegende Kamel“ nicht nur, die Musiker zogen ihre Zuhörer schnell in ihren Bann und nahmen sie mit auf einen Rundflug durch eine Fabelwelt. „Das fliegende Kamel“ ist ein Bestandteil der Westerwälder Literaturtage 2016, die Künstler waren der Einladung der Stadtbücherei Montabaur und der Buchhandlung Erlesenes gerne nachgekommen.
„Was seid ihr nur für Gläubige! Wenn ich eine gute Predigt halte, schlaft ihr ein. Wenn ich aber Lügen erzähle, wacht ihr auf und hört mir zu“ – entrüstet sich Nassredin Hodscha in einer seiner zahlreichen Geschichten. Nassredin Hodscha ist der Held vieler Narrenepisoden des Orients und wird gerne mit Till Eulenspiegel verglichen. Der weise Narr ist Lügner, Hochstapler und Philosoph zugleich, er lebte im 14. Jahrhundert im persischen Raum und Anatolien.
Paul Maar hat Nassredin Hodschas Geschichten auf seine ihm eigene Art übersetzt und neu erzählt. Gekonnt mischt er überlieferte Sagen mit Schelmengeschichten aus dem hier und heute. Gespannt lauschten die Zuhörer den kurzweiligen Anekdoten und begaben sich bereitwillig, inspiriert von den türkisch-orientalischen Klängen der Capella Antiqua Bambergensis, auf eine Reise in den Orient. 40 mittelalterliche Instrumente - Sackpfeifen, Platerspiele, Drehleiern, Chalumeaux, Organetto, Cornetto Muo, Flöten verschiedenster Größe, Schlüsselfiedel und Schlagwerk - beherrschen die Musiker um Murat Coskun virtuos. Mit sichtlicher Freude verbanden sie Elemente der alten und neuen Musik des Okzidents mit den Melodien der traditionellen arabischen Musik und trugen so maßgeblich dazu bei, dass „Das fliegende Kamel“ zu einem außergewöhnlichen Hörgenuss wurde.
Entsprechend umringt war der Kinderbuchautor Maar denn auch vor, während und nach der Vorstellung. Zahlreiche Fragen prasselten auf ihn ein, Kinder streckten ihm seine Bücher zum Signieren entgegen. Gelassen antwortete Maar, malte schnell noch ein Eselchen in die Bücher, bevor er sie, mit einer Widmung versehen, unterschrieben zurückgab. Bei allem Tun nahm Maar sich dennoch die Zeit für einen Plausch hier und ein kleines Schwätzchen da. Das gefiel den Kindern und Erwachsenen gleichermaßen und so war die musikalische-literarische Reise eine überaus gelungene.
