Allgemeine Berichte | 02.01.2020

Westerwälderin leistet mit „Colours for Kids e. V.“ Hilfe zur Selbsthilfe für Kinder in Südafrika

Das Leben der Kinder ein wenig bunter machen

Die Spenden des nächsten Projekts werden zur Renovierung und dem Anbau einer Grundschule verwendet

Dorothee Holly während eines Besuchs der Embabe Primary School. Vor einem Projektstart begutachtet die Niederelberterin immer erst vor Ort den Umfang und Möglichkeiten der Unterstützung. Fotos: Colours for Kids e. V.

Niederelbert. Dorothee Holly ist ein echtes Westerwälder Mädchen, wie sie von sich selbst sagt. Aus Untershausen stammend wohnt sie nun, gemeinsam mit ihrem Mann, seit zwölf Jahren in Niederelbert. Die Kinder sind mittlerweile aus dem Haus. Eigentlich alles soweit nichts Außergewöhnliches – bis auf eine schicksalshafte Reise nach Südafrika, die nicht nur das Leben der 51-jährigen verändert hat.

„Durch Zufall bin ich in eine private Reisegruppe reingekommen und die Reise ging nach Südafrika.“, berichtet Holly im Interview. Auf dieser lernt sie Karin van Rooyen kennen, eine gläubige und engagierte Südafrikanerin, die sich bereits zu diesem Zeitpunkt für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder vor Ort einsetzt. Weiter über Whatsapp Kontakt haltend, berichtet sie eines Tages der neu gewonnenen Freundin aus Deutschland entsetzt, dass ein riesiger Wassertank sowie das Eingangstor eines Kindergartens gestohlen wurden. Für die Kinder, in abgeschiedener ländlicher Gegend, ohne richtige Infrastruktur, „vergessen von der Regierung“, wie Holly einordnet, bedeutet es den Kampf um das tägliche Überleben, das bei 38 Grad ohne etwas zu Trinken aufnehmen zu können praktisch unmöglich wäre. Die hilfsbereite Westerwälderin wird sogleich aktiv und sorgte mit ihrer pragmatischen, „Geht nicht, gibt’s nicht“-Mentalität sogleich für Ersatz in dem sie eine E-Mail an alle ihre Freunde und Bekannten verfasste und die Situation schilderte, mit der Bitte auf ihr Konto zu spenden. Das Ergebnis macht selbst die zielstrebige Holly sprachlos – es kommt um einiges mehr Geld zusammen, als für die Wasserversorgung nötig ist.

Das soziale Netzwerk trägt bis heute

Und diese engagierte und spontane Reaktion samt Resonanz sowie der Wunsch, weiteren Kindern mehr Farbe in ihr schwieriges Leben zu bringen, wurde dann Anlass noch im September 2015 den Verein „Colours for Kids“ zu gründen. Und Frau Holly betrat damit für sie vollkommenes Neuland, wie sie nachvollziehbar schildert: „Da habe ich mich natürlich erst mal gefragt, wie das überhaupt geht, so einen Verein zu gründen. Und dann hab ich einfach beim Finanzamt angerufen und habe nachgefragt. Ein sehr netter Mann hat mir dort ganz toll Auskunft gegeben und viele Unterlagen zugeschickt. Er hat meine Idee richtig gefördert“. Und diese Erfahrung machte Holly nachfolgend häufiger, was die Niederelberterin bis heute darin bestärkt das Richtige zu tun und weiter Projekte in Südafrika in Angriff zu nehmen. So wurden Ehemann, Schwiegermutter und enge Freundinnen zu Gründungsmitgliedern. Die befreundete Film- und Fernsehwirtin Janine Best, Inhaberin von BlueReh Media in Montabaur, erklärte sich bereit unentgeltlich für die Gestaltung von Werbung und der Webseite www.coloursforkids.de zu sorgen. Hollys Steuerberaterin übernahm spontan die Buchhaltung. Diese Erfahrungen, einen Anfang gemacht und damit einen Stein ins Rollen gebracht zu haben, motivieren bis heute, erzählt Frau Holly, „sodass man echt schon das Gefühl hat: Das ist Schicksal, das sollte alles so sein.“

Kindergarten, Waisenhaus und Schulen fehlte es am Nötigsten

Mit Kontakt zu Karin van Rooyen, die die Projekte vor Ort eng betreut und die Bauleitung übernimmt, wurden sogleich die nächsten Projekte in Angriff genommen. So wurde die Thuthukani Special School in Empangeni, eine Schule für geistig und körperlich behinderte Kinder, mit neuer Küchenausstattung und Wandfarbe unterstützt. Im Waisenhaus in Empangeni wurde eine dringend nötige Sanierung der Bäder vorgenommen. Tatsächlich mussten sich die 40 Bewohner eine einzige Toilette teilen. Die Kinder schliefen auf den blanken Matratzen, eine Zudecke oder ein Kopfkissen gab es nicht, genauso wenig Spielzeug oder Spielgeräte. Ein besonderer Erfolg war wohl die Wiedereröffnung des aufgrund seines verheerenden Zustandes geschlossene Kindergarten Mandosi Creche. Dieser wurde mit einem neuem Dach, Deckenventilatoren, einer Alarmanlage und neuem Spielgerüst für die 13 Kinder ausgestattet. Im Jahr 2017 wurde nochmals das sehr arme Waisenhaus Musawe Nkosi in Empangeni und dessen alter Hühnerstall in Angriff genommen. Dieser wurde ausgebaut, sodass dort ältere Waisenkinder nun die Möglichkeit haben, sich selbstständig zu ernähren und zu leben. Ein weiteres großartiges Projekt konnte 2019 abgeschlossen werden: Ein Kindergarten für 30 Kinder, eine ca. 15 m² kleine Holzhütte mitten in einem ärmlichen Wohngebiet in Edube Village, wurde durch ein neues Gebäude ersetzt und in „Sweet Little Things“ (sinng. dt. Liebe kleine Kinder) umbenannt.

Mit soliden Rahmenbedingungen Bildung ermöglichen

Was das Besondere für alle Unterstützer und Spender ist - jeder kann die Planung, Entwicklung und Realisierung der geförderten Projekte auf der Homepage verfolgen und transparent nachvollziehen wie die Gelder eingesetzt werden. Ein enger Austausch und Kontakt zu Dorothee Holly ist möglich und erwünscht, z. B. über ihre Kontaktadresse: info@coloursforkids.de.

Die Projekte werden vor Ort durch Karin van Rooyen eng betreut und Dorothee Holly besucht diese auch persönlich zwei bis dreimal im Jahr. „Das mache ich selbstverständlich auf meine Kosten“, so betont die Vereinsgründerin. Ihr ist grundsätzlich wichtig, dass 100% der Spendengelder in die Projekte fließen, sodass auch kein, meist ohnehin unerwünschtes, Werbematerial zugeschickt wird.

In erster Linie geht es um die konkrete Verbesserung von Lebensbedingungen und der Realisierung von Rahmenbedingungen, die Bildung für Kinder ermöglicht, betont Holly im Gespräch mehrfach. Dabei steht eine solide Umsetzung des essenziell zum Leben und Lernen Notwendigen im Vordergrund. Auf die Frage, warum sie sich gerade für Südafrika mit Herzblut engagiert, führt Holly die fehlende strukturelle staatliche Unterstützung und mangelhafte Wirtschaft im Land an. So wird bspw. nur für zwei Stunden am Tag der Strom angestellt und das Wasser rationiert, da die Grundversorgung nicht gewährleistet werden kann, erklärt sie. Um trotzdem eine Chance zu haben, muss man Lesen und Schreiben können, „und wer kein Englisch kann, der hat definitiv keine Zukunft“, betont sie nachdrücklich.

Das neuste Projekt geht in Planung – An- und Ausbau der Embabe Primary School in KwaMbonambi

Und so geht es im nächsten Projekt von „Colours for Kids“ um die Embabe Primary School in KwaMbonambi, für die Holly mit ihrem Verein aktuell Spenden sammelt. Bis zur 7. Klasse werden dort 1.300 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Dafür stehen momentan 15 Klassenräume zur Verfügung, in denen durchschnittlich 66 Kinder Platz finden müssen. Um die Lernsituation zu verbessern wandte sich der Schuldirektor Lindani Hadebe an den deutschen Verein und bat um Hilfe beim Bau von neuen, dringend benötigten Klassenräumen. Es werden ca. 40.000 Euro benötigt, um neben einem Anbau auch beispielsweise das Mobiliar und Fenster auszutauschen sowie weitere, dringend notwendige Renovierungen vorzunehmen. Wer dabei finanziell mit unterstützen möchte, der findet alle Informationen auf der oben genannten Webseite des Vereins.

Eine starke, selbstbewusste Frau aus Niederelbert schafft es bis heute samt Freunden und Familie und vielen engagierten Helferinnen und Unterstützern das Leben und Miteinander von Kindern in Südafrika ein wenig bunter zu machen. Mit Durchhaltevermögen und Entschlossenheit geht Frau Holly den Weg eines Austauschs von doch sehr unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten. Sie lehrt, genauer hinzuschauen, scheut sich nicht vor der Konfrontation großer, teils unfassbarer Ungleichheiten und unterstützt, wo viele doch lieber wegschauen, ohnmächtig zusehen oder schlicht überfordert, bislang nicht wussten was sie tun sollen.

Auch Fenster der kleinen, schlecht ausgestatteten Klassenräume der Grundschule müssen dringend ersetzt werden.

Auch Fenster der kleinen, schlecht ausgestatteten Klassenräume der Grundschule müssen dringend ersetzt werden.

Dorothee Holly während eines Besuchs der Embabe Primary School. Vor einem Projektstart begutachtet die Niederelberterin immer erst vor Ort den Umfang und Möglichkeiten der Unterstützung.

Dorothee Holly während eines Besuchs der Embabe Primary School. Vor einem Projektstart begutachtet die Niederelberterin immer erst vor Ort den Umfang und Möglichkeiten der Unterstützung.

Vom Westerwald aus engagiert sich Dorothee Holly entschlossen und gewissenhaft für Kinder in Südafrika und sammelt tatkräftig Spenden für ihre Projekte.

Vom Westerwald aus engagiert sich Dorothee Holly entschlossen und gewissenhaft für Kinder in Südafrika und sammelt tatkräftig Spenden für ihre Projekte.

Auch die sog. Küche bedarf einer Renovierung. An dieser Kochstelle wird der Getreidebrei, genannt Pap, für die über 1000 Kinder der Grundschule zubereitet.

Auch die sog. Küche bedarf einer Renovierung. An dieser Kochstelle wird der Getreidebrei, genannt Pap, für die über 1000 Kinder der Grundschule zubereitet.

Dorothee Holly während eines Besuchs der Embabe Primary School. Vor einem Projektstart begutachtet die Niederelberterin immer erst vor Ort den Umfang und Möglichkeiten der Unterstützung. Fotos: Colours for Kids e. V.

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