Allgemeine Berichte | 13.03.2019

Judith Stapf spielt und liest am St. Joseph-Gymnasium

Das Lied vom Leben, damit sich das Leid nicht wiederholt

Judith Stapf und Christoph Ahrweiler lasen aus „Spiel mir das Lied vom Leben. Judith und der Junge von Schindlers Liste“. Fotos: privat

Rheinbach. Wie schlimm, wie furchtbar, wie unerträglich muss es gewesen sein? Judith Stapf hat sich diese Fragen immer wieder gestellt, wenn sie mit dem KZ-Überlebenden Jerzy Gross gesprochen hatte. Sie las aus „Spiel mir das Lied vom Leben. Judith und der Junge von Schindlers Liste“ vor Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 9 des St. Joseph-Gymnasiums. In diesem Buch schildert Angela Krummen die Begegnung zwischen der damals elfjährigen Rheinbacher Geigerin Judith und Jerzy Gross, alias Michael Emge, der seine Erlebnisse als Häftling erzählt. Christoph Ahrweiler, Inhaber der Buchhandlung Kayser, hat mit der Musikerin die Lesung vorbereitet und gestaltet. Schülerinnen und Schüler der Q1, die im letzten Schuljahr in Auschwitz waren, kamen mit ihr auf der Aula-Bühne ins Gespräch. Judith war als Kind von der Titelmelodie zu „Schindlers Liste“ so angerührt, dass sie wissen wollte, welche Gefühle dahinterstecken. Sie wollte verstehen, mehr wissen. Sie recherchierte, las ganz viel über die Hitler-Zeit und traf schließlich Gross, der wie sie Geige spielte und die Musik liebte. Die beiden wurden Freunde, besuchten Schulen – vor einigen Jahren aus das SJG – und kamen mit Jugendlichen ins Gespräch. Gross ist 2014 verstorben, doch Judith Stapf macht weiter: „Was Jerzy Gross erlebt hat, darf sich nie wiederholen.“ Christoph Ahrweiler unterstützt ihr Anliegen, von dem Grauen zu erzählen und gegen das Vergessen zu arbeiten. „Wir müssen fremdenfeindlichen Tendenzen entgegentreten“, so der Buchhändler. Dazu gehöre auch, an den Holocaust mahnend zu erinnern. „Wir wollen Menschen sensibel machen, sie informieren und gemeinsam rechtzeitig aufstehen.“ Die Schülerinnen und Schüler lauschten dem Geigenspiel und der Stimme Judith Stapfs – mucksmäuschenstill. Ihr Wunsch, Musik verstehen zu wollen, Menschen verstehen zu wollen und ihr Versuch, Hitler zu verstehen, sich mit seiner Kindheit zu beschäftigen, bewegte auch sie. „Wenn ich Bücher über den Nationalsozialismus gelesen habe, hatte ich manchmal den Drang, das Buch zuklappen – dachte dann aber, dass ich eigentlich nicht darf, schließlich gab es für die Menschen, die damals leiden mussten, auch keine Pause.“ Sie erzählte den Neuntklässlern von den Dreharbeiten zum gleichnamigen Film. „Es war schwierig für mich, schließlich war ich noch sehr jung. Wohin mit meinen Tränen? Darf ich meine Gefühle zeigen?“ Gross, dem sie zu dessen 80. Geburtstag schenkte, für ihn zu spielen, gab ihr mit auf den Weg: „Genieß das Leben!“ Das habe sie sehr berührt, dass jemand, der nicht mehr glücklich werden konnte, so etwas äußert. Lena-Sophie Spirolke, Julia Sürtenich, Alexander Denke und Niklas Kröger erzählten im letzten Teil der Lesung von ihrem Besuch des Konzentrationslagers in Auschwitz im Rahmen der Besinnungstage im vergangenen Schuljahr. Wie Judith Stapf hatten auch sie sich die Fragen gestellt: Wie kann es möglich sein, dass Menschen so grausam sind? Wie wäre es gewesen, damals gelebt zu haben? Beeindruckt von den Schuhbergen und Haarmengen, die dort ausgestellt sind, hatten auch sie das Bedürfnis zu mahnen: Die vielen menschlichen Schicksale hätten sie berührt, es sei einfach unvorstellbar, was passiert sei – und es dürfe nie, nie wieder passieren.

Pressemitteilung

Erzbischöfliches St. Joseph-

Gymnasium Rheinbach

Judith Stapf und Christoph Ahrweiler lasen aus „Spiel mir das Lied vom Leben. Judith und der Junge von Schindlers Liste“. Fotos: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Andi-RLP: Hallo Herr oder Frau Bastian, Sie haben Recht, die Kommentarantwort von mir war falsch ausgedrückt. Das Wort "vertrauensvoll" steht natürlich im Bericht. Jedoch habe nicht ich den vertrauensvollen Abstimmungsprozess...
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Elke Zeise: Nur Schade das man als Nachbarin keine Information bekommt ob der Täter noch in U Haft ist oder wieder auf freiem Fuß ist. Habe Angst die Wohnung zu verlassen
  • Gitta Meyer: Ehrlich,die ganze Idee Buga im Mittelrhein ist falsch. Die Gemeinden sind verschuldet. Schauen sie sich Lahnstein an. Hier ist nichts los. Die Brücke wird bestimmt toll,aber sonst.....
Dauerauftrag 2025
Dienstleistungen
Kleinanzeigen
Praxis an neuem Standort
Maibaumstellen Heimersheim
Maifest Gönnersdorf
Familienfest freiwillige Feuerwehr Ringen-Bölingen am 01.05.26
Minijob
Innovatives rund um Andernach
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Empfohlene Artikel
Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
13

Andernach. Die Stadt Andernach beteiligt sich auch in diesem Jahr an der bundesweiten Aktion „Mähfreier Mai“ und setzt damit ein weiteres Zeichen für eine nachhaltige und naturnahe Stadtentwicklung. Gleichzeitig verfolgt die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz in der Grünflächenpflege.

Weiterlesen

Die Kreisverwaltung in Koblenz. Foto: ROB
30

Kreis MYK. Im Mai 2026 findet im Kreis Mayen-Koblenz die Bundeswehrübung „Gelber Merkur 2026“ unter der Leitung der Teilstreitkraft Cyber- und Informationsraum statt. Der Zeitraum dieser Übung erstreckt sich vom 8. bis 22. Mai, und die Aktivitäten sind nicht nur auf Standort- oder Truppenübungsplätze beschränkt. Die beteiligten Kräfte bewegen sich auch im öffentlichen Raum, was dazu führen kann, dass Schussgeräusche durch den Einsatz von Platzpatronen wahrnehmbar sind.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
14

Pkw touchiert Kind an einer Bushaltestelle

21.04.:Kind bei Unfall in Marienfels verletzt

Marienfels. Am Dienstag, dem 21. April 2026, kam es gegen 16:30 Uhr in der Römerstraße in Marienfels zu einem Verkehrsunfall an einer Bushaltestelle. Ein Kind wurde von einem vorbeifahrenden PKW leicht touchiert und erlitt dabei leichte Verletzungen.

Weiterlesen

Dr. med. Patrick Löhr, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie des Evang. Klinikums Westerwald (EKW), Leiter des zertifizierten Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung (EPZ max.).  Foto: Anja Nassen
9

Hachenburg. Wenn konservative Therapien nicht mehr helfen, kann ein künstliches Gelenk die Lebensqualität deutlich verbessern. Doch viele Betroffene stellen sich die Frage, was vor einer Operation zu beachten ist und wie die Zeit danach optimal gestaltet werden kann.

Weiterlesen

Symbolbild.
61

Gutachten bestätigt Identität: Bei Wenden aufgefundener Kopf gehört zum Leichnam der getöteten 32-Jährigen

24.04.: Schädel aus Wenden bestätigt Mordfall: DNA-Gutachten bringt Gewissheit

Region. Am 11. April 2026 wurde bei einer Müllsammelaktion in einem Waldgebiet der Gemeinde Wenden im Kreis Olpe ein menschlicher Schädel entdeckt. Ein aktuelles DNA-Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Bonn bestätigt nun, dass dieser Schädel zum Leichnam einer 32-jährigen Frau aus Bonn gehört, die ermordet wurde. Der Bericht wurde der Bonner Staatsanwaltschaft am 24. April 2026 vorgelegt.

Weiterlesen

Rund ums Haus "Baustellen / Wertstoffhöfe"
Dauerauftrag 2026
Blumen Meyer Neueröffnung
Anzeige Uhren Vintage
Werbeplan 2026
Stellenanzeige Auszubildung zum/zur Umwelttechnologen/in
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Kooperationsgeschäft
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Maifest in Dedenbach
Gesundheit im Blick
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
125 Jahre Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr
Innovatives rund um Andernach
100 Jahre Eifelverein Dernau