Allgemeine Berichte | 20.06.2022

Zehnthaus Kolumne (22)

Das „Stumpfe Kreuz“ Teil II

Gedenktafel. Copyright:  Scholz

Odendorf/Essig. Neben der teilweise vagen geschichtlichen Überlieferung und dem Beschluss des Gemeinderates Odendorf von 1955 gibt es noch eine weitere schriftliche Quelle, die sich auf die Geschichte des Stumpfen Kreuzes bezieht: eine Akte des Amtes Ludendorf aus dem Jahr 1967 im Archiv der Gemeinde Swisttal. Aus diesem Archivale geht hervor, dass der Odendorfer Lebensmittelhändler Hubert Winterscheidt nach einem Vorgespräch mit dem Bürgermeister Heinrich Merzbach in einem Antrag an die Gemeinde Odendorf die Errichtung eines Wegekreuzes am „Stoompe Krüzche“ anregt hatte.

Originaltext der Anfrage vom 29. Mai 1967:

„ Meine Schwiegermutter, Frau Gilliam, hatte die Absicht, für die Kirche einen Kunstgegenstand, Figur, Paramente o. ä., zu beschaffen. Mich persönlich interessierte schon länger die Errichtung eines Wegekreuzes am „Stoompe Krüzche“. (Die alte Flurbezeichnung würde wieder einen Sinn bekommen, und Odendorf ist nicht überreich an geschichtlichen Zeichen und Kunstdenkmälern). Meinen Vorschlag, das Kreuz am „Stoompe Krüzche“ errichten zu lassen, hat meine Schwiegermutter angenommen und mir übertragen. Das Kreuz ist nach beiliegendem Entwurf der Kunstwerkstätten Maria Laach gedacht. Die Bezahlung des Wegekreuzes würde von mir geregelt. Die Kosten für Fundament, Bepflanzung und Pflege müssten von der Gemeinde, in deren Besitz das Kreuz übergeht, getragen werden. […] Mit guten Wünschen Hubert Winterscheidt.“

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In einem Protokoll über die nichtöffentliche Gemeinderatssitzung vom 29. Mai 1967 ist die Genehmigung zur Aufstellung des Kreuzes festgehalten. Der Ratsbeschluss war einstimmig.

Das imposante Wegekreuz aus Basaltlava wurde von den Kunstwerkstätten Maria Laach gefertigt und im Dezember 1968 fertiggestellt. Der Gemeindedirektor Dieter Lütjohann hielt in einem Vermerk vom 30. September 1969 fest, dass das Kreuz Anfang 1969 aufgestellt wurde. Das Relief zeigt Jesus als Auferstandenen und thronenden Weltenherrscher vor einem stilisierten Strahlenkranz, welcher dem Wegekreuz seine ungewöhnliche Form verleiht. Das heutige Stumpfe Kreuz trägt die Inschrift „ICH BIN DER WEG, DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN“. Dieser Bibelvers stammt aus einer Abschiedsrede Jesu an seine Jünger (Joh. 14,6), in der er deutlich macht, dass wer sich an ihm orientiert, den Weg bereits kennt, der zu Gott führt. Auf der Rückseite der Steinmetzarbeit sind die Namen der Stifter eingraviert – Hubert und Maria Winterscheidt, geb. Gilliam. Ansonsten gibt es an dieser Stelle keinen Hinweis auf die Vorgeschichte des Kreuzes.

Diesem Mangel hat 2010 der Ortsausschuss Odendorf abgeholfen. Er ließ eine Tafel entwerfen, die den Hinweis auf die beiden schon erwähnten Überlieferungen zum Kreuz gibt - den Tod des Josef Stumpf 1617 und den Tod eines napoleonischen Soldaten. Die Tafel ist am Fuße des Wegekreuzes angebracht. Die Einweihung erfolgte zum Volkstrauertag, am Sonntag, 13. November 2011. Nach dem Totengedenken am Kriegerdenkmal zog die Versammlung unter den Klängen des Tambourcorps „Loreley“ Odendorf von 1908 zum Einweihungsort. Professor Horst Pippert hielt die Festrede und Pfarrer Franz Winterscheidt, der Sohn des Stifterehepaares, segnete das Kreuz.

Sammlung Zehnthaus/ Gemeindearchiv Swisttal

www.verein-zehnthaus.de

Rückseite Stumpfes Kreuz Stifter-Ehepaar. Copyright: Scholz

Rückseite Stumpfes Kreuz Stifter-Ehepaar. Copyright: Scholz

Einweihung Ansprache Prof. Horst Pippert.  Copyright: Pippert

Einweihung Ansprache Prof. Horst Pippert. Copyright: Pippert

Gedenktafel. Copyright: Scholz

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