Allgemeine Berichte | 25.10.2017

Die Söhne Ahrens in dritter Generation auf dem Nürburgring

Das Super-Talent Kurt Ahrens

Mit dem Engländer Vic Elford gewann Kurt Ahrens 1970 das berühmte 1000 km-Rennen.

Nürburgring. Im Fahrerlager des Nürburgrings treffe ich Kurt Ahrens (jun.). Wer erinnert sich noch daran? Er war einer der talentiertesten Rennfahrer der 60er Jahre. Er war es, der den anfangs unfahrbaren Porsche 917 überhaupt siegfähig machte und mit Vic Elford gewann er 1970 das damals berühmte 1000 km-Rennen. Er war der „König der Südschleife“. Aus Kurt Ahrens jun. ist mittlerweile ein Senior geworden und heute fährt die dritte Generation Ahrens Rennen mit Unterstützung des Vaters. Vielleicht noch zur Erinnerung, dass der Vater des heute 76-jährigen auch mit Vornamen Kurt hieß und so gab es in den Programmen jeweils einen Kurt Ahrens sen. und Kurt Ahrens jun.

Senior und Junior fuhren gegeneinander

Kurt Ahrens sen. war Schrotthändler in Braunschweig und fuhr an den Wochenenden Rennen, meistens Formel 3 und Formel 2. Sohn Kurt kam so frühzeitig mit dem Motorsport in Kontakt und hatte mit 18 Jahren sein erstes Rennen. Beide fuhren viele Rennen gegeneinander. Es dauerte nicht lange, da war der Junior schneller als der Senior. Beide waren reine Privatfahrer, Sponsoren gab es nicht. Gleichwohl fuhr Kurt Ahrens jun. immer vorne mit und war insbesondere auf der Südschleife des Nürburgrings saumäßig schnell unterwegs.

Porsche-Rennleiter Huschke v. Hanstein erkannte schnell das Talent und setzte Junior Ahrens auf Werkswagen ein, so gewann Kurt Ahrens jun. zusammen mit Vic Elford das berühmte 1000 km-Rennen 1970 auf einem Porsche 908/3; das war die verkürzte Version des Porsche-Rennsportwagen für kurvenreiche Strecken wie Nürburgring und Targa Florio.

Wichtig war der elterliche Betrieb und montags nach einem Rennen musste wieder gearbeitet werden, darauf legte der Seniorchef großen Wert. Ein Vertrag als permanenter Werksfahrer, das kam überhaupt nicht in Betracht. Auch der Einstieg in die Formel 1 war nicht vorgesehen. Gleichwohl bekam „Kurtchen“, wie er auch genannt wurde, die Möglichkeit, 1968 im Werksteam von Jack Brabham beim Großen Preis von Deutschland zu fahren. Das war das berühmte Regenrennen mit Jacky Stewart als Sieger. Er brachte das ihm unbekannte Auto ohne Blessuren über die volle Renndistanz und wurde Zwölfter.

Hohes Risiko und Ausstieg

Nach 13 Jahren Motorsport hörte Kurt Ahrens im Alter von 30 Jahren plötzlich auf. Doch auch etwas anderes mag damals unterschwellig mitgespielt haben, das Risiko im Cockpit war hoch. In den 60er Jahren (auch Anfang der 70er) waren die Rennen noch lebensgefährlich. Leitplanken, Auslaufzonen, Kiesbetten, Feuerschutz gab es kaum. Mehr als ein ganzes Starterfeld der Ahrens-Zeit ist tödlich verunglückt. Jochen Rindt und Jim Clark, Gerhard Mitter und Jo Siffert, Lorenzo Bandini und Joe Schlesser, Lucien Bianchi und Piers Courage, Petro Rodriguez und Rolf Stommelen, Paul Hawkins und Mike Spence. Er, der 1958 in der damaligen Formel 3 (500 ccm Hubraum) mit einem Cooper seine ersten Rennen gewann, galt jahrelang als ausgesprochener Formelwagenspezialist. Dreimal war er Deutscher Meister (1961, 1963 und 1965), einmal Europapokalsieger (1967) und nur „nebenher“ fuhr er zum Taschengeldverdienen Werkswagen von Abarth und BMW. Doch internationale Anerkennung erntete er in den beinharten Rad-an-Rad-Duellen der Formel 2, in der damals auch stets die Formel 1 Cracks mitmischten. Jack Brabham bot ihm dann 1968 für den GP von Deutschland einen Formel 1 an. Ahrens sagte zu, erklärte aber gleich, dass die Formel 1 für ihn kein Dauerthema sei. Ein ungewöhnliches Statement für einen 28-Jährigen.

Kurt Ahrens heute

Ich unterhalte mich mit Kurt Ahrens über seine heutigen Aktivitäten in Sachen Motorsport. Der nunmehr 76-Jährige ist praktisch immer unterwegs, er ist gern gesehener Gast bei historischen Motorsportveranstaltungen, denn der Name Kurt Ahrens ist im historischen Motorsport immer noch sehr bekannt.

Ein paar Statements aus der Unterhaltung mit Kurt Ahrens:

„Meine Verbindungen zum Ring sind aktuell. Anfang August war ich beim Renault Clio Cup im Rahmen der GT Master mit meinen Söhnen am Ring. Fahre heute selbst nicht mehr auf der Nordschleife, möchte sie in Erinnerung behalten wie sie zum Zeitpunkt 1970 war. Sehe im Fernsehen, wie sie sich verändert hat , damit auch große Boliden ohne großes Risiko fahren können! Keine Herausforderung mehr! Mein besonderes Erlebnis am Ring ist der Sieg 1970 beim 1000 km-Rennen auf Porsche 908 / 3 mit Vic Elford. Wir bekamen den Goldenen Nürburgring-Ring, hat nicht jeder.

Interessiere mich auch heute sehr für Motorsport, bin ja immer noch mittendrin! Kann nur den Kopf schütteln über das Hin und Her (Ballens of Performens = Einstufungsgerangel in die unterschiedlichen Rennklassen) und das altmodische und nicht zukunftsfähige Verhalten des DMSB. Hatte mit Hans-Joachim Stuck (heute Präsident des DMSB-Deutscher Motor Sport Bund e.V.) in Stuttgart ein langes Gespräch darüber! Er selbst ist auch sehr unzufrieden. Hans Herrmann (ehemaliger F1 Fahrer -88) geht es wieder gut, er hatte eine Hüft-OP vor einem Jahr, es geht aufwärts“.

Resümee

Jahrzehntelang scheute Kurt Ahrens die Medien, das ist heute anders. Gern ist er bei historischen Rennveranstaltungen dabei oder unterstützt seine Söhne bei Rennen um den Renault Clio Cup.

Schade aber, dass er in seiner aktiven Zeit den Sprung in die Formel 1 ablehnte. Es wäre bestimmt mehr aus ihm geworden!

Klaus Ridder

Der Porsche 908/3 nach dem Zieleinlauf mit Kurt Ahrens und Vic Elford.

Der Porsche 908/3 nach dem Zieleinlauf mit Kurt Ahrens und Vic Elford.

Motorsportfan Klaus Ridder (r.) und der ehemalige Rennfahrerstar Kurt Ahrens treffen sich immer mal wieder zu ‚Benzingesprächen‘.Klaus Ridder, Farid Wagner und Archiv Porsche

Motorsportfan Klaus Ridder (r.) und der ehemalige Rennfahrerstar Kurt Ahrens treffen sich immer mal wieder zu ‚Benzingesprächen‘. Fotos: Klaus Ridder, Farid Wagner und Archiv Porsche

Mit dem Engländer Vic Elford gewann Kurt Ahrens 1970 das berühmte 1000 km-Rennen.

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