Ein literarischer Spaziergang durch Großmaischeid
Das Team Wasserturm machte an verschiedenen Stationen Lust auf Lesen
Krönender Abschluss mit Annegret Held
Großmaischeid. Literatur, das geschriebene und das gesprochene Wort, haben einen hohen Stellenwert in Großmaischeid. Uwe Engel und Uwe Schlösser haben schon häufiger Lesungen organisiert, die jedes Mal auf ein großes Echo stießen. Gerne suchen sie sich den Wasserturm als Veranstaltungsort aus. Als „Jungs aus dem Oberdorf“ haben sie ein besonderes Interesse an diesem Wahrzeichen von Großmaischeid. Diesmal jedoch, bei der jüngsten Veranstaltung, bezogen sie andere Plätze im Ort mit ein. Die „LiteraTour“ führte außer zum Wasserturm auch zum Bürgerhaus, zur Kirche und in „Maria’s Gärtchen“.
Die Veranstalter, das Team Wasserturm, nannten es einen „literarischen Spaziergang der besonderen Art“. Auf die Teilnehmer warteten neun Lesungen an vier Orten. Den Abschluss machte im Wasserturm die bekannte Autorin Annegret Held, die aus ihrem Roman „Armut ist ein brennend Hemd“ vorlas.
Die übrigen Vortragenden waren nicht selbst Schriftsteller, sondern Literaturinteressierte aus Großmaischeid, die aus ihren Lieblingsbüchern vorlasen. So entwickelte sich die „LiteraTour“ zu einem Streifzug durch den Ort, bei dem man auf Bekannte traf und eine bunte Palette verschiedenster Bücher kennenlernte. Den Anfang machte Barbara Seelk, die allerdings auch schon mit eigenen Werken literarisch in Erscheinung getreten ist. Sie las aus einem Werk von Martin Suter, „Allmen und die Libellen“, in dem sich ein finanziell in die Bredouille geratener Lebemann und Feingeist mit einer skurrilen Geschäftsidee aus seiner Notlage retten will. Seelk las in dem idyllischen Garten von Maria Klassmann in der Beetstraße. Unter alten Obstbäumen und bei kühlen Getränken hatte es sich die Zuhörerschaft an diesem wunderbaren Sommernachmittag gemütlich gemacht. Am selben Ort hörte man später Petra Böhm vorlesen aus „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ von Tony Hawks und Sabine Zurek aus „Die verborgene Sprache der Blumen“ von Vanessa Diffenbaugh.
Das Forum am Bürgerhaus als Ort ihrer Lesungen hatten sich ausgesucht Jutta Schlösser, Hermann-Josef Schneider und Thomas Böhm. Sie lasen die Werke „Roter Engel“ von Tess Gerritsen, „Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen“ von Allan und Barbara Pease sowie „Durst“ von Flann O’Brien. In der Großmaischeider Kirche hörte man Regine Engel und Susanne Jochim zu, die sich „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt und „Das Rosie-Projekt“ von Graeme Simsion ausgesucht hatten.
Annegred Held bildete den krönenden Abschluss
Zum krönenden Abschluss führte die „LiteraTour“ in den Wasserturm, wo sich Annegret Held auf ihre Lesung vorbereitet hatte. Alle 60 Sitzplatzkarten waren verkauft. Annegret Held, die aus Pottum im Westerwald stammt, vergewisserte sich kurz, dass man in Großmaischeid auch Dialekt versteht, und erfreute die Gäste dann mit breitestem Wäller Platt. Denn die Mundart spielt in ihrem Roman eine große Rolle. Er handelt von der Armut im Westerwald im 19. Jahrhundert und von Kindern, die aus Not von ihren Eltern gegen Geld an fahrende Händler abgegeben werden, die ihnen in England ein besseres Leben versprechen. In einer Besprechung des Buches im WDR hieß es: „Schonungslos authentisch, auch weil die Figuren in Westerwälder Mundart sprechen, nimmt uns Annegret Held mit in das Leben ihrer Urahnen. Damit schafft sie ein ganz besonderes Stück Zeitgeschichte, die faszinierend und abschreckend, einladend und abstoßend zugleich ist. „Armut ist ein brennend Hemd“ ist ein gewaltiger, vor allem sprachgewaltiger Heimatroman, der, trotz aller Not, die vorherrscht, nicht schwermütig oder gar traurig, sondern so realistisch und fesselnd ist, dass wir Leser uns wünschen, diese knorrigen, zähen Menschen, die trotz aller Widrigkeiten ihren Lebensmut nie verloren haben, in ihrem Dorf zu begegnen.“ Im Anschluss an ihre Lesung zeigte Annegret Held historische Aufnahmen aus der Zeit ihres Romans. Die Autorin selbst hat eine bewegte Biographie. Sie absolvierte nach dem Abitur ein Praktikum in einem Krankenhaus und leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Einrichtung der Lebenshilfe. Ab 1982 machte sie eine Ausbildung zur Polizistin und arbeitete anschließend drei Jahre lang in Darmstadt und Frankfurt am Main als Polizeihauptwachtmeisterin im Streifendienst. Ab 1987 studierte sie Ethnologie und Kunstgeschichte. Danach übte sie verschiedene Tätigkeiten aus, unter anderem als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei und Hilfskraft im Pflegebereich sowie als Luftsicherheitsassistentin im Bereich der Fluggastkontrolle. Sie lebt heute mit ihrer Tochter als freie Schriftstellerin in Frankfurt am Main.
Maria Klassmanns (links) Garten passte hervorragend zu dem von Sabine Zurek ausgesuchten Roman.
Die aus dem Westerwald stammende und jetzt in Frankfurt lebende Autorin Annegret Held las aus ihrem Roman „Armut ist ein brennend Hemd“ vor. Sie freute sich sehr, dass sie den Zuhörern alle Dialektpassagen im Original vortragen konnte.
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