Allgemeine Berichte | 22.02.2016

Das Thema Fachkräftesicherung ist bei den Unternehmern angekommen

Starke Veranstaltung in Plaidt – WFG-Geschäftsführer: Den nächsten Schritt gehen

Landrat Dr. Alexander Saftig (m.) und WFG-Chef Henning Schröder hatten mit den Partnern der Fachkräfteallianz in die Plaidter Hummerichhalle eingeladen.

KREIS MYK. Die Unternehmen im Landkreis Mayen-Koblenz haben das Thema Fachkräftemangel nicht nur im Blick: Sie gehen es inzwischen auch aktiv an. Das zeigte das zweite Fachkräfteforum, das die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Landkreises mit den Partnern der Fachkräfteallianz in der Plaidter Hummerichhalle durchführte.

„Die Allianz startete vor zwei Jahren, damit Unternehmen Mitarbeiter langfristig halten können, sie die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter weiterentwickeln, sie neue Mitarbeiter für ihre Unternehmen gewinnen können, um dem Fachkräftemangel zu begegnen“, erinnerte WFG-Geschäftsführer Henning Schröder.

Die WFG führte eine große Umfrage in Unternehmen durch, es gab Workshops und Veranstaltungen, Arbeitskreise beschäftigten sich mit Nachwuchs- und Mitarbeitersicherung und -gewinnung und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und wie soll es weitergehen, welche Schwerpunkte setzen die Unternehmen? „Genau das wollen wir von den Firmen wissen, um das weitere Programm bedarfsgerecht aufzulegen.“

In Plaidt wurde deutlich, dass viele Betriebe sich noch schwer tun und noch konkreter in das Thema einsteigen wollen. „Der bisherige Erfahrungsaustausch war wichtig und hat schon zu ersten positiven Ergebnissen geführt. Die Erarbeitung von konkreten Maßnahmen sollte künftig im Vordergrund stehen“, erklärte Dirk Eckhoff, Geschäftsführer des Sanitätshauses Wittlich. Orthopädie¬techniker, die er braucht, findet er kaum im bundesweiten Arbeitsmarkt: „Die ziehen wegen des Jobs nicht um, die müssen wir selbst ausbilden.“ Personalentwicklung bleibe daher weiter ein zentrales Thema. Auch bei Pia Schütz, Geschäftsführerin der Andernacher „HW Schmitz“-Gruppe, die sich mit der Ausbeute der heimischen Bodenschätze beschäftigt: Man habe wichtige „Impulse bekommen, um beim Thema Personalentwicklung, einem Leitfaden für pflegende Angehörige oder der Förderung der Ausbildung einzusteigen“.

Mit zwei Programmpunkten ist die WFG an dem Abend den Bedürfnissen für die weitere Arbeit nachgegangen. „Die erste Auswertung des ausgelegten Fragebogens hat gezeigt, dass der Fokus auf die ´Generation Y ´, also junge Mitarbeiter, gelegt werden soll. Zugleich sehen die Firmen, dass sich Personalführung und -kultur verändern. Da besteht Informationsbedarf“, sagt WFG-Prokuristin Rita Emde. Das deckte sich mit den kurzen Workshops des Abends, die ebenfalls durchgeführt wurden, so Schröder: „Ein Leitbild hat man sich schnell gegeben, es zu leben, ist eine andere Sache.“ Altersstrukturanalysen, Kontakt zu Schulen für die Nachwuchsgewinnung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Fachkräftesicherung- und Fachkräftegewinnung sind vielschichtig. Doch immerhin: Die Betriebe haben sich auf den Weg gemacht. Immerhin waren über 100 Vertreter der Einladung der Fachkräfteallianz gefolgt.

Landrat Dr. Alexander Saftig unterstrich, dass die Wirtschaft nur dann Gewinne machen kann, wenn sie gute Mitarbeiter hat. Wirtschaftliche Entwicklung und der Zugewinn an Arbeitskräften hätten im jüngsten Ranking von Focus Money zu Recht einen Spitzenplatz verschafft: „Die wirtschaftliche Entwicklung hat uns trotz aller Unkenrufe eine Zu- statt einer Abnahme der Bevölkerung beschert.“ Saftig nannte beispielhaft das Industriegebiet an der A 61 mit über 2000 Arbeitsplätzen und den Mendiger Flughafen, an dem sich inzwischen Betriebe mit 600 Arbeitsplätzen angesiedelt haben: „Das kann aber künftig nur dann weiter gelingen, wenn wir uns beim Thema Fachkräfte richtig aufstellen.“

Wie man neue Wege in der Führungskultur mit jungen Mitarbeitern gehen und bei der Azubi-Werbung einschlagen kann, darüber referierte Thomas Pütter. Der Geschäftsführer von „Nells Park Hotel“ sagt: „Gehorsam ist überholt. Der Patriarch im Betrieb hat ausgedient.“ Pütter wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als „Attraktiver Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz“. Man müsse den Mitarbeitern „die betrieblichen Prozesse transparent machen, sie einbinden und Feedback geben – aber richtig!“, so lauten seine Forderungen. Regelmäßige Jahres-Ziel-Planungen, das Reflektieren über eigene Stärken und Schwächen und über Herausforderungen und Chancen des Marktes sind bei Pütter ebenso selbstverständlich wie die Information über das laufende Geschäft und die Frage an die Mitarbeiter: „Wie geht ´s Euch?“ Letzteres übrigens nicht mit komplizierten Verfahren: Symbole im Comic-Stil zeigen eine „Skala von der Jubel-Ente bis zur Kotz-Ente“, die auf den ersten Blick erkennen lässt, wie die Stimmung im Betrieb und den Mitarbeitern ist. Und was viele Unternehmer scheuen, die Mitarbeitergespräche, hat Pütter zu einer Feedback-Kultur entwickelt: Anerkennung-, Kritik-, Entwicklungs- und Zielvereinbarungsgespräche seien nötig: Aber bitte jedes für sich und ohne dies zu vermengen. „Das größte Problem des Chefs dabei ist: der Chef“, denn viele seien nicht bereit, diese Zeit zu investieren. Dabei ginge es nicht um jeweils stundenlange Gespräche: „Lieber fünf Minuten Aufmerksamkeit für den Mitarbeiter, die aber regelmäßig. Das braucht es.“

Pütter berichtete auch, dass „Nells Park Hotel“ seine Azubis nicht sucht: Sie kommen von alleine. Dafür tut man allerdings einiges: Es gibt Ausbilderteams, Schulungen für die Ausbilderteams, Schulungen und Praktika für die Azubis im Berufsfach, aber auch zur Persönlichkeitsentwicklung – und Anreize wie das Azubi-Car, bei dem der Quartalsbeste für drei Monate einen Wagen zur Verfügung gestellt bekommt.. Die vielen Bausteine des Programms zahlen sich aus: „Wir müssen damit gar nicht werben. Das tun die Azubis von sich aus – in den sozialen Netzwerken. Das spricht sich rum – und dann stehen die Bewerber von selbst vor der Tür.“

Thomas Pütter machte eindrucksvoll klar, war man motiviert, indem man Mitarbeiter in die betrieblichen Prozesse einbindet.

Thomas Pütter machte eindrucksvoll klar, war man motiviert, indem man Mitarbeiter in die betrieblichen Prozesse einbindet.

Landrat Dr. Alexander Saftig (m.) und WFG-Chef Henning Schröder hatten mit den Partnern der Fachkräfteallianz in die Plaidter Hummerichhalle eingeladen.

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