Riesenstimmung bei der Linzer Proklamation
Das neue Trifolium wurde frenetisch empfangen
Linz. Nachdem der diesjährige Prinz Paul III. „von de Fanfare“ und seine Adjutanten Michael Degen und Johannes Euskirchen bereits in der nicht öffentlichen Prinzen-Vorstellung am 31. Oktober im Linzer Brauhaus gekürt worden waren (wir berichteten), wartete am 12. November im Weinhaus Weinstock der erste offizielle Auftritt vor dem „jecken“ Publikum. Im großen und üppig geschmückten Festsaal waren daher schon vor dem offiziellen Beginn nahezu alle Plätze besetzt. Als dann endlich das „Trömmelche“ am Saaleingang erklang, gab es daher kein Halten mehr. Die Fanfaren TV 1882 gingen dem Einzug voran, gefolgt von den Linzer Möhnen 1929 e.V., den Linzer Hunnen, den Vereinen „Grün Wiess“ und „Blau-Wiess“, der schweren Artillerie, die roten Husaren, der Elferrat und der bisherige Prinz Johannes I. mit den Stadtsoldaten. Der neue Prinz Paul III. gewann bei seinem Weg durch die Linzer „Jecken“ auch mit den großzügig geworfenen „Strüsschen“ die Herzen des Publikums, das sich zur Proklamation eingefunden hatte. Der „Einzugs-Marsch“ der Vereine und Corps mit Fahnen und Standarten gab ein wunderschönes Bild. Im Namen des Vorstands wurden das Fanfarencorps TC 1882 Linz, Grün Weiss, Blechjedöns der Roten Hunnen und der Musikzug Soldaten begrüßt. Nach der Verabschiedung des letztjährigen Prinzen und der Begrüßung der Saalkapelle „Rote Hosen“ betraten das Fanfarencorps Linz, die Abordnungen aller Corps die Bühne.
Nach diesem Einzug und dem Vorstellen des Liedes vom neuen Dreigestirn konnte Yvonne Adams-van Beek, Präsidentin der Großen Linzer Karnevalsgesellschaft (KG) 1934 e.V., in der alle Linzer Karnevalsvereine organisiert sind, den neuen Prinzen Paul III., seine Adjutanten Michael Degen und Johannes Euskirchen, den Elferrat und alle Corps auf der Bühne empfangen und begrüßen. Zum neuen Prinz sagte sie: „Du hast 1987 schon einmal erfahren, wie das ist, Prinz zu sein. Das hattest du damals in Hammerstein schon gut gemeistert. Auch als Adjutant durftest Du Bühnenluft schnuppern. Als Beisitzer hast Du Deine Ideen in die Großer Linzer KG eingebracht und seit Mai bist Du Geschäftsführer.“ Der Prinz 2016/17 ist mit Obermöhn Martina Kremer verheiratet und seit 28 Jahren Mitglied im Fanfarencorps des TV 1882 Linz, das in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiern kann.
Offizielle Proklamation nur mit „Pritsch“
Zur anschließenden Inthronisierung waren MdB Erwin Rüddel, Verbandsbürgermeister Hans-Günter Fischer, Dr. Hans Georg Faust, Pfarrer Lothar Anhalt und Pfarrer Christoph Schwaegermann auf die Bühne gekommen, speziell für Daniela Maier, die Leiterin der Tourist Information Linz, übersetzte die Präsidentin die in Linzer Platt vorgetragenen Ansprachen. Pfarrer Arendt war von der rheinischen Karnevals-Mentalität beeindruckt: „Bei meiner Einführung als Pastor in Linz im Januar kam sie mir wie eine Session vor.“
Nachdem der neue Prinz schon diverse Geschenke erhalten hatte, machte Präsidentin Adams-van Beek ihn darauf aufmerksam, dass er noch keinen „Pritsch“ hatte, die für sein Amt unverzichtlich benötigt: „Prinz kann ich noch nicht sagen, denn Du hast noch nicht alles dafür.“ Unter sichtlichen Problemen schaffte es dann der angehende neue Prinz, die Pritsch aus ihrer Verpackung zu bekommen und konnte damit sein Prinzenamt zu übernehmen. Zuvor hatte er mehrere Rollen mit mehr oder weniger praktischen Geschenken erhalten und geöffnet. Als neuer Prinz teilte er Orden an die Pastoren, die Bürgermeister Paust, Fischer und Tourismus-Chefin Maier und viele Helfer aus.
Schon mit sechs Jahren hatte er als Prinz angefangen. Wie er betonte, sind aber vor allem seine Frau und seine Kinder sein Hobby, „denn Liebe ist gut für die Seele!“ Er ist ein „Linzer Jung“ und war schon 2009 Adjutant. Nach der Proklamation verriet der neue Prinz: „Das war schon lange ein großer Herzenswunsch von mir.“ Aus Freude, dieses Ziel erreicht zu haben, und als Dank für die Unterstützung, teilte er eine Runde Eierlikör aus.
Abschied von Prinz Johannes I. und seinen Adjutanten
Nach der offiziellen Proklamation galt es, den Prinzen Johannes I. „vun all Linzer Strünzer“ von seinem einjährigen Prinzen-Amt zu entbinden. Vor der Inthronisierung hatten er und seine Adjutanten sich „für die tolle Session“ bedankt: „Die Zeit war Spitze und hat alles übertroffen.“ Allein die erhaltene Unterstützung habe ihn immer angespornt: „Karneval bedeutet Brauchtum, und das steht in Linz ganz oben“, lobte er. Bei ihm bedankten sich unter anderem die KG-Präsidentin, Siggi Bündgen von den Linzer Stadtsoldaten und Bernd Berg von den Roten Husaren.
Im Laufe des Abends traten die Fanfaren, Tanzpaare der Corps und Familienmitglieder des neuen Prinzen auf und rundeten die Prinzenproklamation mit Musik, Tanz und guter Stimmung ab. Die weiteste Anreise hatte wahrscheinlich die „Mi-Careme“ aus Pornic, die sich die Prinzenproklamation nicht entgehen lassen wollte. Präsidentin Adams-van Beek ist sich sicher: „Wer bisher noch nicht Karneval kennt , gehört nach Linz, denn die Gäste von woanders sollen richtigen Karneval sehen.“ Abgerundet wurde der karnevalistische Abend musikalisch durch den Musikzug „Starkenburg“ aus Heppenheim, die Gruppen „Rheinklang“, die Linzer Möhnen, die „Gulaschkapell“ und die Formation Querbeat.
