„Tag der Archive“ im Rhein-Sieg-Kreisarchiv
„Demokratie und Bürgerrechte“
„Das Archiv des Kreises schafft nicht nur Identität, es ist auch unser Gedächtnis.“
Rhein-Sieg-Kreis. In diesem Jahr steht der Aktionstag „Tag der Archive“ unter dem Motto „Demokratie und Bürgerrechte“. Auch das Archiv des Rhein-Sieg-Kreises beteiligt sich daran. „Der Rhein-Sieg-Kreis legt großen Wert auf seine Archivarbeit und ich danke allen, die zum Gelingen dieses Tages ihren Beitrag leisten. Das Archiv des Kreises schafft nicht nur Identität, es ist auch unser Gedächtnis. Das Lernen aus der Vergangenheit ermöglicht es, unsere Gegenwart und Zukunft zu leben“, so Kreisarchivdezernent Thomas Wagner bei der Begrüßung der Besucherinnen und Besucher. Demokratie und Bürgerrechte waren und sind auch heute noch keine Selbstverständlichkeit und müssen immer wieder diskutiert und ausgehandelt werden. Da Archive Geschehnisse dokumentieren und die entsprechenden Unterlagen für nachfolgende Generationen verwahren, sind sie gute Informationsquellen. Sich immer wieder klar zu machen, dass das Mitspracherecht aller zu jeder Zeit hochgehalten und bekräftigt werden muss, ist ein wesentlicher Teil der Demokratie.
Emma Bachem aus Königswinter
Dieses wurde durch mehrere Vorträge konkretisiert, so zum Beispiel von Archivmitarbeiterin Alicia Enterman zum Thema Frauenwahlrecht und der Vorstellung der ersten Frau im Kreistag des Siegkreises: Emma Bachem aus Königswinter. Sie diente als eine der ersten Frauen im Kreistag. Im März 1919 bei der Wahl zur Königswinterer Stadtversammlung gewann sie einen Sitz als Stadtabgeordnete; später im Jahr wählte die Stadtversammlung sie als Kreistagsabgeordnete. Emma Bachem engagierte sich vor allem im sozialen Bereich sehr stark. Zum Beispiel war sie 1914 Gründerin und erste Vorsitzende der Ortsgruppe Königswinter des vaterländischen Frauenvereins, einer Zweiggruppe des Roten Kreuzes. 1922 errang sie sogar ein Mandat als Landtagsabgeordnete für Preußen.
Entwicklung des Siegkreises in der NS-Zeit
Der politischen Entwicklung des Siegkreises in der NS-Zeit ging Kreisarchivarin Dr. Claudia Maria Arndt in einem Vortrag nach. Seit der Abhaltung von Kommunalwahlen in Preußen und Wahlen zu den Preußischen Provinziallandtagen am 12. März 1933 (eigentlich die letzten freien Wahlen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges) wurde nach und nach auch in der Kreisverwaltung das Führerprinzip eingeführt, unter anderem wurden die Kreistage entmachtet und bald NSDAP-treue Landräte eingesetzt. Hierzu gehört auch der Themenbereich, der von Dr. Helmut Rönz, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, vorgestellt wurde: Bereits am 1. Januar 1934 war das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, das im NS-Staat der sogenannten Rassenhygiene durch „Unfruchtbarmachung“ vermeintlich „Erbkranker“ und Alkoholiker diente, erlassen worden. Vor allem der Umsetzung dieses Gesetztes widmeten sich die Kreisgesundheitsämter und richteten ihre Tätigkeiten nach erb- und rassepflegerischen Gesichtspunkten aus, stellten Sterilisationsanträge, nahmen Ehegesundheitsuntersuchungen vor und erfassten einen Großteil der Kreisbevölkerung in einer sogenannten Erbkartei. Zudem waren alle im Gesundheitswesen und in der Sozialfürsorge Tätigen verpflichtet, „Erbkrankheitsverdächtige“ an die Gesundheitsämter zu melden.
„Gemünd 71 - Das Schullandheim des Rhein-Sieg-Kreises“
Neben den genannten Kurzvorträgen gab es ebenfalls eine Filmvorführung mit dem Titel „Gemünd 71 - Das Schullandheim des Rhein-Sieg-Kreises“, das 1971 vom damaligen Oberkreisdirektor Paul Kieras besucht wurde. Unter dem Titel „dem Verborgenen auf der Spur“ fanden Führungen durch das Archivmagazin mit einer Vorstellung der Bestände statt. Und auf Wunsch konnten sich Besucherinnen und Besucher die Schlagzeilen von der ersten Seite der Tageszeitung vom Tag der Geburt kostenlos ausdrucken lassen. Der Tag der Archive ist eine seit dem Jahr 2001 regelmäßig bundesweit durchgeführte Veranstaltung des Berufs- und Fachverbands „Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e. V. (VdA). Damit präsentieren sich die Archive als Dienstleister bürgernah und offen für alle Bürgerinnen und Bürger. Alle Interessierten sind eingeladen, im Archiv, dem sogenannten „Gedächtnis“ einer Kommune, nach spannenden Quellen zu stöbern und in lockerer Atmosphäre Fragen zur Ortsgeschichte zu erörtern. Es sollen Schwellenängste vor Archiven überwunden, die Archivmagazine allen Interessierten offen stehen sowie Einblicke in das vielfältige Berufsbild der Archivare als Detektive der Geschichte gewährt werden.
Pressemitteilung
des Rhein-Sieg-Kreises
