Kupferdrucke von Dr. Carl Körner im Pfarrzentrum der katholischen Kirche Odendorf
Der Weg zur Entstehung einer Radierung
Odendorf. Eine Ausstellung mit Werken des bekannten Künstlers Dr. Carl Körner fand im Pfarrzentrum der katholischen Kirche Odendorf am Sonntag, 10. November statt. Bezaubernde Kupferstiche aus verschiedenen Schaffensepochen waren im großen hellen Saal des Pfarrzentrums aufgehängt. Besonders gefielen den Besuchern die Darstellungen der heimischen Vogelwelt. Ältere Radierungen des Künstlers, beispielsweise von einer Griechenlandreise waren ebenfalls ausgestellt, die den Künstler selber beim „Besitzergreifen“ der herrlichen hellenischen Kunstwerke zeigen.
Wie ein Kupferdruck entsteht
Das Besondere dieser Ausstellung waren aber die Erläuterungen und die Vorführung der Entstehung eines Kupferdruckes. Es ist ein sehr komplexer Prozess, der einige Tage braucht und großes handwerkliches Geschick des Künstlers voraussetzt sowie viel Geduld. Ist die künstlerische Idee insgesamt vorhanden, braucht es aber eine intensive technische Vorbereitung, um sie auf die Platte zu übertragen und schließlich zu drucken. Ein Prozess, der mehrere Tage in Anspruch nimmt.
Die Gerätschaften
Im Pfarrzentrum war ein sehr langer Tisch mit allen Gerätschaften in der Reihenfolge des Einsatzes aufgebaut. Die über 60 Besucher sammelten sich gespannt um diesen Tisch. Der Arbeitsprozess begann mit einer elektrischen Säge. Kupferplatten sind im Handel erhältlich, sie müssen als Erstes auf die gewünschte Größe zugeschnitten werden. Um die Schutzschicht zu lösen, ist alle Vorsicht geboten. Ein ungewollter Kratzer kann das geplante Bild zerstören. Bis die „Wachsschicht“ aufgetragen werden kann, in die dann die Radierung spiegelbildlich hineingeritzt werden kann, sind mehrere Arbeitsgänge erforderlich. Auch das Papier für den Druck muss von besonderer Qualität sein, lange Zeit eingeweicht werden, damit es biegsam ist, aufnahmefähig für die Farbe, aber nicht nass. Die Presse für den Druck verlangt wahrlich körperlichen Einsatz beim Drehen der Kurbel. Eine Tonne Gewicht lagert schließlich auf der Kupferplatte. Dann erscheint die fertige Radierung, muss aber noch einmal zwischen Löschpapier nachgetrocknet werden, damit sich das Blatt nicht wellt. Eine Marmorplatte dient als oberste Beschwerung.
Farbliche Akzente
Ist der Druck nun getrocknet, kann der Künstler daran gehen, farbliche Akzente zu setzen, um die Aussage des Bildes zu vertiefen. Besonders die ausgestellte Vogelserie war durch bezaubernde, liebevoll gesetzte Farbakzente noch lebendiger. Auch hier notiert Dr. Carl Körner sorgfältig beim Musterexemplar jede Farbe, denn es werden gewöhnlich mehrere Drucke ausgeführt, die doch gleich, zumindest ähnlich aussehen sollen. Eine Radierung herzustellen ist wahrlich eine Kunst. Die eindrucksvoll klare Darstellung der vielen Arbeitsschritte durch Herrn Dr. Carl Körner begeisterte die Zuhörer. Jeder der Besucher wird in Zukunft mit mehr Aufmerksamkeit Radierungen betrachten, die ja in früheren Jahrhunderten viel für Buchillustrationen verwendet wurden. Es ist ein wirklich aufwendiges Verfahren mit großen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, das jedoch in unserer schnelllebigen Zeit sicherlich auf Grund anderer technischer Möglichkeiten nicht mehr so gepflegt wird wie einst. Für Interessierte - auch Schülergruppen - ist eine Besichtigung und Vorführung auf Anfrage möglich unter Tel. (0 22 55) 43 13.
