Landrat Sebastian Schuster besuchte die Stadt Meckenheim
Der Wiederaufbau nach der Katastrophe geht in Meckenheim zügig voran
Bürgermeister Holger Jung (CDU) ist zuversichtlich, Ende des Jahres alle wichtigen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Infrastruktur abgeschlossen zu haben
Meckenheim. Beeindruckt zeigte sich Landrat Sebastian Schuster (CDU) vom Fortschritt, den der Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe in der Stadt Meckenheim genommen hatte. „Im Jahr seit der Flut ist wirklich viel geschafft worden - aber es ist auch noch einiges zu tun“, lobte er bei seinem Ortstermin die Mannschaft von Bürgermeister Holger Jung (CDU), denn immerhin sei die Schützenhalle der Sankt Sebastian-Schützenbruderschaft schon bald wieder einsatzbereit, die Fronhofhalle könne sogar schon wieder genutzt werden. Auch die Turnhalle sei bereits ein gutes Stück vorangekommen, dennoch müsse der Vereinssport noch gegenüber dem Schulsport zurückstecken. Auch die Evangelische Grundschule in der Quellenstraße könne bis Ende des Jahres fertiggestellt sein, falls genügend Handwerker da seien. Dann könnten die Schüler mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren.
Allerdings müsse die Stadt Meckenheim bislang alle Maßnahmen vorfinanzieren, denn die Zusage der Bezirksregierung für die beantragten zehn Millionen Euro sei noch nicht erteilt worden. So hoch seien die Schäden an der städtischen Infrastruktur aufgrund der Starkregenkatastrophe, erläuterte der Technische Beigeordnete Heinz-Peter Witt. Schuster versprach, bei der Bezirksregierung noch einmal den dringenden Appell Jungs in Erinnerung zu rufen: „Wir haben zehn Millionen Euro aus dem Wiederaufbauplan beantragt und warten dringend auf die Förderzusage.“
Durchsetzungsstarker Bürgermeister
Ohnehin nannte Schuster Jung einen „durchsetzungsstarken Bürgermeister“, der die Probleme der vergangenen Jahre wie die Flüchtlingsproblematik, Corona und die Flut gut gemeistert habe und auch mit der Kreisverwaltung eine konstruktive und einvernehmlichen Zusammenarbeit an den Tag lege. Jung seinerseits wertete den Besuch des Landrats als Zeichen der Verbundenheit mit Meckenheim. In Sachen Wiederaufbau nach der Flut sei es das Ziel der Stadt, Ende 2022 „durch zu sein“. Er sei zwar optimistisch, doch vieles hänge davon ab, auch das notwendige Material und die passenden Handwerker zu bekommen. Und nicht zuletzt am Geld, denn die Stadt warte auch deswegen dringend auf eine Förderzusage, weil sie im Moment alles vorstrecken müsse. Das griff Schuster auf und versprach, bei einem Ortstermin mit der zuständigen Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) in Bad Honnef zu fragen, „wann denn nun die Bescheide rausgehen“. In jedem Fall könne man der Flutkatastrophe in gewisser Weise auch etwas Positives abgewinnen, denn wenn im kommenden Jahr in Meckenheim runderneuerte Einrichtungen stünden, „dann hat man für die nächsten 40, 50 Jahre etwas Tolles geschaffen.“ Eine Vorreiterrolle nehme die Stadt Meckenheim auch in Sachen Starkregenkarten ein, wusste Schuster. Diese Karten seien wichtige Puzzleteile für die künftige Bauleitplanung und die Hochwasservorsorge.
Vor Problemen stünden die Kommunen aber vielerorts bei der Frage, welche Hochwasser-Dimensionen man denn nun für die Planung künftiger Infrastruktur zu Grunde legen solle. Hier hülle sich die Landesregierung nach wie vor in Schweigen. Das gelte beispielsweise für den Hochwasserschutzwall, der laut Ratsbeschluss in der Swistbachaue entstehen soll. Dieser Erdwall, etwa 70 Zentimeter hoch und gut 300 Meter lang zwischen Adolf-Kolping-Straße und Adendorferstraße, würde bei einem 100-jährlichen Hochwasser (HQ100) das Wasser von der Bebauung fernhalten und hätte auch keine schädlichen Effekte auf die Randbereiche. Doch nach wie vor wisse die Stadt nicht, welchen HQ-Wert sie zugrunde legen solle, schüttelte Witt den Kopf. Außerdem sei völlig unklar, was genau im Überschwemmungsbereich noch gebaut werden könne und was nicht mehr erlaubt sei. „Da erwarten wir klare Vorgaben von der Bezirksregierung“, pflichtete Schuster ihm bei. Es könne nicht sein, dass vor dem Amtswechsel des Regierungspräsidenten in Köln die Dinge zum Erliegen kämen. Der neue Regierungspräsident Thomas Wilk übernimmt erst am 1. September das Amt von der bisherigen Amtsinhaberin Gisela Walsken, die die Behörde seit 2010 leitet. Der Bürgermeister appellierte aber auch an den Eigenschutz der Bürger: „Wir werden nicht jeden vor Hochwasser schützen können.“ Jeder müsse auch selbst seinen Beitrag leisten, sei es mit Versicherungen, Sandsäcken in Reserve oder anderen Vorsorgemaßnahmen. Die Stadt plane dazu in nächster Zeit Bürgerversammlungen.
JOST
Landrat Sebastian Schuster (Zweiter von rechts) informierte sich gemeinsam mit der Wiederaufbaubeauftragten das Rhein-Sieg-Kreises, Ursula Thiel (Mitte), über den Stand der Dinge beim Wiederaufbau nach der Flut. Der Technische Beigeordnete Heinz-Peter Witt (links), Bürgermeister Holger Jung (Zweiter von links) und Fachbereichsleiter Andreas Satzer (rechts) waren beim Ortstermin ebenfalls dabei. Foto: JOST Foto: Volker Jost
