Allgemeine Berichte | 20.04.2021, 15:46 Uhr

Vor rund einem Jahr übernahm Oliver Piel die Leitung der Jugendherberge in Bad Neuenahr

„Der lange Verlauf der Pandemie ist für alle bedrückend“

Die Jugendherberge in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Foto:P!ELmedia / Herbert Piel
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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Als Oliver Piel im Frühjahr des Jahres 2020 als Betriebsleiter die Ahrtal-Jugendherberge in Bad Neuenahr-Ahrweiler übernahm, hatte er sich den Start sicher etwas anders vorgestellt. Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie blieben die Gäste in der sonst so belebten und beliebten Herberge weg. Stattdessen taten sich gleich dutzende neue Herausforderungen in einer niemals dagewesenen Zeit auf. Nun blickte Oliver Piel im BLICK aktuell-Interview auf sein erstes und besonderes Jahr als „Herbergsvater“ zurück.

BLICK aktuell: Herr Piel, pünktlich zu Beginn der Corona-Pandemie vor über einem Jahr haben Sie die Leitung der Jugendherberge in Bad Neuenahr-Ahrweiler übernommen. Wie haben Sie dieses besondere Jahr erlebt?

Oliver Piel: Es war ein sehr herausforderndes Jahr, das so nicht zu erwarten war. Zu Beginn wurden die umfangreichen Renovierungsarbeiten der Ahrtal-Jugendherberge abgeschossen und das Team mit den Neuerungen vertraut gemacht. Am 18. Mai durften wir dann, unter Umsetzung der umfangreichen Hygienemaßnahmen, endlich wiedereröffnen und die ersten Gäste in den neuen Zimmern beherbergen. In den Sommermonaten hatten wir viele Familien zu Gast, die auf Grund der Pandemie den Urlaub in Deutschland und nicht im Ausland verbracht haben. Größere Gruppe konnten wir leider nur selten begrüßen, da die Abstandsregeln hier nicht so einfach einzuhalten sind. Unsere Gäste fühlten sich bei uns wohl und sicher und lobten das gute Hygienekonzept.

Nach unserem Halloween-Programm, das unter der geltenden Hygienerichtlinien durchgeführt wurde, mussten wir unsere Gäste am 1. November verabschieden und die Türen des Hauses leider erneut für touristische Gäste schließen. Unsere Gäste und wir hatten immer wieder die kleine Hoffnung öffnen zu dürfen, wir sind vorbereitet für die sofortige Öffnung. Viele Gäste schreiben uns nette „Durchhaltemails“ und freuen sich auf den Tag, an dem touristische Übernachtungen wieder zulässig sind.

BLICK aktuell: Jugendherbergen sind Ort voller Leben. Und genau das wurde in der Corona-Pandemie heruntergefahren. Hatten Sie überhaupt noch Gäste?

Piel: Wie schon erwähnt, hatten wir in den Sommermonaten viele Gäste im Haus. Aktuell haben wir leider nur vereinzelt Gäste, die aus beruflichen oder medizinischen Gründen in Bad Neuenahr-Ahrweiler zu Gast sind. Die ein oder andere Fortbildung / Tagung findet unter Beachtung der Abstands- und Hygienerichtlinien statt. Es ist aber nicht vergleichbar zu den normalen Leben im Haus. Im Jahr 2020 hatten 10.902 wir Übernachtungen, 2019 waren es im Vergleich dazu 25.156.

BLICK aktuell: Wie ist der Alltag in einer nahezu leeren Jugendherberge?

Piel: Das Büro ist täglich besetzt um Fragen zu klären und Buchungen durchzuführen. Zudem gibt es Arbeiten, wie z.B. die Legionellenvorbeugung, die regelmäßig durchzuführen sind. Auch das große Außengelände, direkt am Ufer der Ahr, muss weiterhin gepflegt werden. Alle Mitarbeiter der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland arbeiten in Kurzarbeit, was zu organisatorischen Herausforderungen führt. Die ruhige Zeit nutzen wir zudem für Fortbildungsmaßnahmen und Schulungen für das Personal. Glücklicherweise gibt es auch zahlreiche Anfragen für Klassenfahrten im Jahr 2022.

BLICK aktuell: Mit welchen Projekten und Ideen begegnen Sie der Krise?

Piel: Wir haben mit der Landesgartenschau Bad Neuenahr-Ahrweiler2022 gGmbH, der Dr. Hans Riegel-Stiftung sowie der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, ein Kooperationsprojekt im Rahmen der Landesgartenschau erarbeitet. Ziel ist es, auf dem Gelände der Ahrtal-Jugendherberge einen außerschulischen Lernort zu realisieren, an dem Umweltbildung stattfinden wird. Langfristig sollen die Rahmenbedingungen der Umweltbildung für alle Altersgruppen im Ahrtal verbessert werden. Der neue außerschulische Lernort soll dabei Bildungseinrichtungen, Vereinen und anderen in der Umweltbildung Aktiven zur Verfügung stehen, auch nach der Landesgartenschau.

BLICK aktuell: Für den Fall das Betriebe öffnen dürfen: Wie sieht ein Hygienekonzept in einer Jugendherberge aus?

Piel: Wir haben ein sehr gutes Hygienekonzept erarbeitet, das in allen Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland ungesetzt wird. Serviceorientierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für eine fürsorgliche Betreuung und kümmern sich um das Wohl und die Sicherheit der Gäste. Gastfreundschaft ist uns ein Herzensanliegen. Im gesamten Haus gilt selbstverständlich die Masken und Abstandspflicht. In allen Bereichen wie Restaurant, Bistro, Café-Bar und Rezeption werden zusätzliche Behandlungen mit Desinfektionsmitteln vorgenommen. Im Restaurant und Bistro stehen alle Tische mit 1,5 Metern Abstand zueinander. In den Gästezimmern wird nach einem professionellen Reinigungs- und Hygienekonzept gearbeitet. Die Verpflegung unserer Gäste ist uns besonders wichtig. Alle Speisen und Getränke werden unter strengen Hygieneregeln nach unseren Qualitätsstandards zubereitet. Desinfektionsspender stehen unseren Gästen und Mitarbeitern in den öffentlichen Bereichen zur Verfügung.

BLICK aktuell: Welche Unterstützungsmaßnahmen gibt es seitens der Politik? Was lief gut, was lief weniger gut?

Der DJH-Vorstandsvorsitzender Jacob Geditz weist darauf hin, dass die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für Jugendherbergen notwendig sind, da zurzeit wegen der Schließung keine Möglichkeit besteht Einnahmen zu erzielen. Durch die Hilfen ist es bisher möglich die Liquidität der Jugendherbergen sicher zu stellen, die Hilfen können aber den erheblichen Verlust der Einnahmeausfälle nicht ausgleichen.

Deshalb ist es wichtig, dass der Betrieb der Jugendherbergen bald wieder möglich ist. Der lange Verlauf der Pandemie ist für alle bedrückend. Deshalb muss der Lockdown jetzt in der Konsequenz so angelegt sein, dass er zum Erfolg führt. Dies ist auch wichtig für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie auch für die Gäste. Gerade für die Familien und die Kinder, die von der Pandemie besonders betroffen sind, wären ein paar unbeschwerte Erholungstage besonders wichtig.

BLICK aktuell: Gibt es für die kommende Sommersaison schon Reservierungen?

Piel: Ja, die Buchungssituation für die Sommermonate ist gut. Viele Familien sehnen sich danach, endlich mal wieder reisen zu können. Wir bekommen täglich Buchungsanfragen, auch von Vereinen und Gruppen. Wir schauen positiv in die Zukunft und erhoffen uns bald eine zeitnahe Öffnungsperspektive. ROB

Oliver Piel. Foto: privat

Oliver Piel. Foto: privat

Die Jugendherberge in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Foto:P!ELmedia / Herbert Piel Foto: Herbert Piel / P!ELmedia

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