Allgemeine Berichte | 21.06.2022

Experte sprach im Altenstift Limbach

Detailreicher Vortrag mit Oliver Stemmann

Berkum. In einem detailreichen Vortrag räumte Experte Oliver Stemmann mit Mythen und Vorurteilen rund um die Pflegbranche auf und gab zugleich tiefe Einblicke in die jeweiligen Tagesabläufe. Erstaunt waren sicher viele Zuhörer, die dem Vortrag des Berliner Pflegexperten Oliver Stemmann folgten. Knapp eine Stunde lang stellte Stemmann dabei „gängige Meinungen und Mythen“ rund um das Geschehen in der Pflege den tatsächlichen Gegebenheiten gegenüber und untermauerte jede einzelne mit eindrucksvollen Fakten.

„Alle in der Pflege Beschäftigten wollen nur das Beste für Pflegebedürftige“, versicherte Oliver Stemmann, „sonst würden sie diesen Beruf nicht ausüben.“ Er selbst begleitete viele Jahre lang die unterschiedlichsten Positionen im Pflegebereich und so merkte man rasch, dass er für seine Kollegen eine Lanze brechen wollte. „Niemand ist wirklich freiwillig in einer stationären Pflegeeinrichtung“, eröffnete Stemmann seinen Vortrag, „dort ist man nur, wenn das eigene Leben zuhause oder die Versorgung durch Angehörige nicht mehr möglich sind.“ Wie er weiter ausführte, wachse bei vielen Angehörigen aus der Situation heraus, jemanden dann doch in professionelle Pflegehände geben zu müssen, das schlechte Gewissen. „Durchaus menschliche Versehen des Personals, wie sie immer vorkommen können, werden dann nicht mehr entschuldigt oder verständnisvoll betrachtet“, sagt er, „all das wird vor dem Hintergrund, dass der Angehörige jetzt in einem Heim leben müsse, was er eigentlich nie wollte, als feindselig wahrgenommen.“ Die oft einhergehende Verschlechterung des Gesundheitszustandes aufgrund der Tatsache, dass in einer Einrichtung der letzte Lebensabschnitt begleitet wird sowie einzelne „Skandal-Berichterstattungen“ verfestigten seiner Meinung dann unter dem Strich das vorhandene Berufs- oder Pflegebild als allgemeine Tatsache. „Lob bekommen die Mitarbeiter eher selten“, bedauert Oliver Stemmann, „in einer Pflegeeinrichtung wird 365 Tage lang in Schichten rund um die Uhr gearbeitet. Da ist es logisch, dass unbeabsichtigt auch einmal Fehler entstehen können.“

Auch den Mythos, dass in der Pflege schlecht gezahlt wird, rückte der Referent in den Fokus. Für ihn habe dieses „Märchen“ letztlich auch zur Folge, warum junge Menschen derartige Berufsausbildungen erst gar nicht für sich in Betracht ziehen. „Ein Azubi bekommt in unseren Einrichtungen im ersten Lehrjahr rund 1200 Euro, in jedem weiteren rund 100 Euro monatlich mehr“, hielt er fest, „wer mit 16 die Ausbildung zur Fachkraft beginnt und das Examen besteht, verdient dann schon mit 19 Jahren durchschnittlich 3400 Euro plus Zuschläge! In dem Alter macht ein zukünftiger Mediziner gerade sein Abitur“, fügte er augenzwinkernd hinzu. Dabei sei das „Ende der Fahnenstange“ noch nicht erreicht, denn ab Herbst greife das Tariftreuegesetz, das noch einmal zu eklatanten Gehaltssteigerung führen, gleichzeitig aber auch die Pflegekosten deutlich erhöhen werde.

Auch das immer wiederkehrende Vorurteil, private Betreiber von Pflegeheimen würden nach anderen Regeln arbeiten als zum Beispiel karitative, weil sie ausschließlich Gewinnabsichten und das Sparen zum Ziel hätten, erläuterte Oliver Stemmann sehr tiefgreifend. „Die Pflegebranche ist eine der am stärksten kontrollierten Branchen in Deutschland“, merkte er an, „für alle Betreiber gelten dieselben gesetzlichen Regeln und Vorgaben. Die Pflegesätze, die auch die Gehälter beinhalten, werden mit den Kassen gemeinsam verhandelt. Das täglich zu stellende Personal ist gesetzlich vorgeschrieben - da darf man gar nicht sparen, sonst hat das mehr als sehr ernste Konsequenzen.“ Und auch die Kosten für Hilfs- und Pflegematerialien thematisierte der Berliner Experte. Es kursiere auch diesbezüglich stetig das Gerücht, ein Pflegeheim würde daran sparen, um mehr Gewinne zu machen. „Inkontinenzvorlagen oder andere Materialien werden von den Pflegekassen für jeden Bewohner erstattet“, sagt er und weiter „hier sparen zu wollen, macht somit gar keinen Sinn und zum anderen würde das deutlich Mehrarbeit für alle Beteiligten auslösen.“

In der anschließenden Fragerunde wurde zudem auch das Thema der Essensversorgung für Bewohner diskutiert. „Es kursieren die wildesten Mini-Zahlen dazu, was das angeht“, stellte Oliver Stemmann fest. Fakt sei, dass in allen Alloheim Senioren-Residenzen täglich mit eigenen Teams frisch gekocht werde und ein durchschnittliches Budget von rund 15 Euro pro Bewohner zur Verfügung stehe. Auch der Heimbeirat habe ein Mitspracherecht bei der Essensgestaltung. „Wir haben auch mit eigenen Küchenbeiräten beste Erfahrungen gemacht, die an den Speiseplänen täglich mitwirken!“

Seinen Vortrag schloss Stemmann mit dem Appell, sich grundsätzlich immer selbst ein Bild von einer Pflegeeinrichtung zu machen. Ob ehrenamtliche Tätigkeiten, um die Senioren zu unterhalten oder zu unterstützen, Mithilfe und Organisation von Ausstellungen und Festen oder auch, wenn man als berufsfremder einen Job sucht: „Nutzen Sie die Chance und reden selbst mit den Menschen.“ So haben beide Seiten viel davon, denn: „Die Bewohner einer Residenz bilden den Querschnitt unserer Gesellschaft. Man kann unglaublich viel von den Lebenserfahrungen der Senioren lernen und profitieren.“

Wer sich Oliver Stemmanns Vortag im Nachgang anschauen möchte, kann dies unter dem Weblink „www.alloheim.de/veranstaltung-stemmann“ jederzeit tun.

Pressemitteilung CMS Senioren-Residenzen Fünfte GmbH

Altenstift Limbach

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Dauerauftrag 2026
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Rund ums Haus
Angebotsanzeige (April)
Osteraktion
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Empfohlene Artikel
Andreas Bohn hat das Ehrenamt im Blut.  Foto: privat
42

Reifferscheid. In jeder Gemeinde gibt es Menschen, die im Hintergrund wirken, anpacken, zuhören und einfach da sind, wenn man sie braucht. In der Gemeinde Reifferscheid ist so ein Mensch Andreas Bohn. Seit vielen Jahren engagiert sich Andreas mit Herzblut für seine Heimat. Als stellvertretender Ortsbürgermeister und langjähriges Mitglied im Gemeinderat hat er Verantwortung übernommen und die Entwicklung des Dorfes aktiv mitgestaltet.

Weiterlesen

Auf der Bühne herrschte bei den Spielen eine lockere Atmosphäre.  Foto:WAMFO.de
15

Nürburgring. Ally-Pally-Atmosphäre am Nürburgring: Tausende Fans der fliegenden Pfeile haben die Ringarena am vergangenen Samstag erneut in einen Darts-Tempel verwandelt. In den Trikots ihrer Lieblingsspieler oder kreativ verkleidet als Zwerg oder Zielscheibe, erlebten rund 4.000 Besucher bereits im fünften Jahr spannende Partien zwischen den bekannten Größen des (Dart)Sports. Auf der Bühne der „Darts-Arena“ lieferten sich die Darts-Stars spannende Duelle.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
82

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
15

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
381

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Kreishandwerkerschaft
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Titel
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Anlagenmechaniker
Ostergruß
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Rund ums Haus
Stellenanzeige
Dauerauftrag 2026
Ostergrußanzeige
Titelanzeige
Anzeige Lange Samstage
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige Kita