Neue Ausstellung in der Galerie Sonnabend
Die Ästhetik von Tod und Zerfall
Midissage am Samstag, 15. Juni, um 19 Uhr
Oberwinter. In der Hauptstraße 93 wird die nunmehr dritte Ausstellung in den Räumen des Künstlers Albert Sonnabend eröffnet. Unmittelbar am Markt öffneten im letzten Herbst das Atelier und seine angeschlossene Produzentengalerie.
In die Ausstellung mit dem Titel „haut goût“ wird mit einer Midissage am Samstag, 15. Juni, um 19 Uhr eingeführt. Bereits ab dem 18. Mai werden die Fotografien, die der Künstler in der Werkstatt des Naturhistorischen Museums Wien machen konnte, gezeigt. Der Titel bezieht sich auf gut abgehangenes Fleisch: Im Küchenjargon wird mit „haut goût“ der süßliche, strenge und intensive Geruch und Geschmack von überlang oder zu warm abgehangenem Wild oder auch anderen Fleischarten bezeichnet.
Der „haut goût“ ist ein Verwesungsgeruch, der durch die Zersetzung des Fleischeiweißes entsteht, und bezeichnet nicht den typischen Wildgeschmack, sondern einen beginnenden Fäulnisprozess.
Ungewöhnliche Einblicke in den Präparationsprozess
Der Zusammenhang zum toten Tier im Museum erschließt sich in den Fotografien mit ihren ungewohnten Einblicken und Darstellungsweisen: Im Museum muss der Fäulnisprozess gestoppt werden, um ein Präparat zu erhalten, das als Lehr- und Ausstellungsgegenstand über viele Jahre, manchmal über den Fortbestand der Arten hinaus, dienen kann. Den Weg, den der Kadaver dorthin nimmt, bildet Sonnabend mit seinen Fotografien ab. Am Beispiel eines Storchs, den der Betrachter ohne Federkleid zu sehen bekommt, wird der Prozess der Präparation künstlerisch ausgeleuchtet. Die Menagerie der schon fertigen Präparate erinnert in Sonnabends Bildern an die Arche Noah, so eng gedrängt stehen die erstarrten Tiere in den Lagerräumen und bewahren doch einen lebendigen Ausdruck. Auch dieser Moment der Erstarrung im Tod ist Inhalt der Bilder. Gleichzeitig wirken die Tiere aber doch lebendig, fast, als würden, gefüllt mit Holzwolle und ihrer Organe beraubt, uns anschauen.
Analoge Fotografie ermöglicht besonderen kreativen Ausdruck
Bei seinen Fotografien greift Sonnabend zu einer ungewöhnlichen Methode zur Entwicklung analog belichteter Filme:
Auf der Basis von gefriergetrocknetem löslichen Kaffee, Waschsoda und Vitamin C wird eine Entwicklerflüssigkeit angesetzt. Der Entwicklungsvorgang findet hier mit einer ungiftigen Substanz statt. Die Methode - entwickelt in den 1990er Jahren für die Entwicklung von Schwarz-Weiß-Filmen - bietet experimentelle Möglichkeiten. So sind mit Farbfilmen besondere Tonwerte erreichbar. Körnige bis klare Strukturen werden gestalterisch einsetzbar.
Sonnabend sagt über seine künstlerische Arbeitsweise an diesem Projekt: „Sowohl das Bewahren eines Körpers über dessen Lebenszeitraum hinaus, als auch das händische Photographieren und Entwickeln sind Methoden einer plastischen, haptischen Bilderstellung, der mehr innewohnt, als aller oberflächlichen digitalen Katalogisierung. Die Fotografie des Körpers wird dabei trotz ihrer Zweidimensionalität selbst beinahe körperlich.“
Auf dem Weg zum Ausgang blickt den Besucher ein freundlich schauender, junger Kaiseradler an. Geduckt hockt er da, als würde er gleich davon hüpfen und auf dem Weg nach draußen noch mitgeben, dass in all dem toten Getier eben doch auch etwas Witz und Leben steckt.
Dem Künstler bei der Arbeit zusehen
Zum Konzept des Ausstellungsraums gehört, dass dort eigene Werke Sonnabends zu sehen sind. Die Produzentengalerie zeigt aber auch Arbeiten geistesverwandter Künstler und Künstlerinnen. Die Ausstellungen wechseln regelmäßig. Das Atelier ist der Galerie angegliedert. Hier stehen die Staffelei, die Farben und Materialien. Hier ist zu sehen, wie Sonnabends Arbeiten entstehen. Der Schwerpunkt liegt auf der Malerei, aber wie in der Ausstellung zu sehen, werden auch andere Felder der Kunst bearbeitet. So entstehen auch Grafiken, Fotografien und Künstlerbücher. Letztere zur Dichtung Richard Wagners und Knut Hamsuns.
Sonnabend ist ausgebildeter Steinmetz- und Steinbildhauer. Nach der Gesellenprüfung hat er Kunst an der Alanus Hochschule in Alfter studiert (Fachrichtung Malerei, Klasse Battenberg). Ausgestellt hat er bisher in Köln, Düsseldorf, Bonn, Weimar und Mannheim.
Die Midissage mit Einführung in die Ausstellung „haut goût; Fotografien aus der Werkstatt des Naturhistorischen Museums Wien“ findet am Samstag, 15. Juni, um 19 Uhr statt. Weitere Öffnungszeiten sind, jeweils von 13 bis 18 Uhr, am Samstag, 18. Mai, Samstag, 1. Juni, Donnerstag, 20. Juni und Samstag, 13. Juli - sowie nach Vereinbarung bzw. Angaben auf der Webseite.
Pressemitteilung des Ateliers Sonnabend
