Waldbildungstag des Kreiswaldbauvereins Neuwied in Steimel
Die Buche dient der Eiche
Thema der Veranstaltung war die forstliche Behandlung von Sturmwurfflächen
Region. Sturmwürfe im Frühjahr und Trockenheit im Sommer prägten dieses außergewöhnlich schwierige Forstjahr. Im Herbst hatte nun die Vorsitzende des Kreiswaldbauvereins Neuwied, Frau Dr. Born-Siebicke zu einem fachlich äußerst interessanten Waldbildungstag nach Steimel eingeladen unter dem Thema der forstlichen Behandlung von Sturmwurfflächen. Zusammen mit dem Privatwaldbetreuer des Forstamtes Dierdorf, Herrn Steinebach, konnte sie mit den circa 30 Teilnehmern den örtlichen Revierleiter Kuhl und den forstlich sehr interessierten Ortsbürgermeister Theis begrüßen.
Das erste von Förster Kuhl vorgestellte Waldbild im Gemeindewald Oberdreis behandelte die Wiederaufforstung von staunassen Fichtenwindwurfflächen nach den Sturmereignissen von 1990 mit Eichen. Die Aufforstung war im Verband von 2 × 0,4 m erfolgt, mit Rotbuchen als dienender Baumart. Die Freistellung der circa 80 Z-Bäume je Hektar war inzwischen unter Anleitung des Försters durch Brennholzselbstwerber erfolgt. Im Vergleich mit einer bisher unbehandelten Eichenaufforstungsfläche wurde der Erfolg dieser Maßnahme deutlich. Die jungen Eichen konnten dort keine optimale Kronenentwicklung vorweisen, weil die bedrängenden Buchen wegen der fehlenden Pflegeeingriffe nach und nach die Oberhand gewinnen. Dort ist dringender Handlungsbedarf angezeigt.
Im zweiten Waldbild wurden einer Buchenaufforstung Wildkirschen zugemischt bei einem Pflanzverband von 1,5 × 0,8 m. Während sich die Wildkirschen gut entwickelt hatten, war die Entwicklung der Buche wegen des fehlenden Schirms von Altbäumen und eventuell schlechtem Pflanzmaterial deutlich schlechter. Auf einer stark vernässten Teilfläche wurde die Roterle gepflanzt, um dadurch Bodenaufschluss und in der Folge gute Durchwurzelung ohne Vergrasung der Fläche zu erreichen. Später soll dann die Schattenbaumart Buche eingebracht werden.
Ruhewald steht allen Menschen offen
Beispielhaft für kleinere Flächen, die im Rahmen der Windwurfkalamität nicht aufgeforstet werden konnten, zeigte sich eine ehemalige Wurffläche, auf der sich ein guter Birkenbestand gebildet hatte, unter dessen Schirm nun Hainbuchen unterbaut werden konnten.
Anschließend informierte Ortsbürgermeister Theis über den Ruhewald Steimel. In einem 4 ha großen Mischwald aus Eichen, Buchen und Kiefern wurde als Sondernutzungsgebiet die Bestattung in der Natur ermöglicht. Mitten im Ruhewald gibt es einen Andachtsplatz mit einem Altar aus einer 280-jährigen Eiche. Die Beisetzung erfolgt jeweils unter einem ausgesuchten Baum in einer biologisch abbaubaren Urne. Der Ruhewald steht allen Menschen offen, Träger und Betreiber ist die Ortsgemeinde Steimel.
Diskussionsrunde zum Abschluss
Den Abschluss dieses informativen Waldbildungstages bildete eine rege Diskussion im Hause Neitzert bei stärkendem Kaffee und Kuchen. Angesichts der im Februar dieses Jahres neu entstandenen Windwurfflächen standen die möglichen Aufforstungskonzepte im Mittelpunkt. Der neu zu begründende Wald muss in Baumartenwahl, Pflanzverband und Kulturpflege den neuen Herausforderungen des Klimawandels und damit auch einem starken Befallsdruck zum Beispiel durch den Borkenkäfer begegnen. Die Vorsitzende des Kreiswaldbauvereins dankte vor allem dem Ortsbürgermeister Theis und dem örtlichen Revierförster Kuhl für die Fülle an Informationen und praktischen Hinweise für die richtigen waldbaulichen Entscheidungen in den einzelnen Mitgliedsbetrieben.
Pressemitteilung
Kreiswaldbauverein Neuwied
