Allgemeine Berichte | 20.01.2022

Die Caritas ein halbes Jahr nach der Flut

Der vor der Geschäftsstelle aufgestellte Bürocontainer bietet den Caritasmitarbeiterinnen (von links) Katharina Steinich, Silvia Plum, Marianne Theis-Prodöhl und Nicole Piclum einen weiteren Ort für Gespräche, denn die Menschen brauchen viel psychosoziale Unterstützung. Foto: Caritas

Kreis Ahrweiler. Mit großer Macht haben die Ereignisse eine ganze Region über Nacht ins Chaos gestürzt. Niemand im Ahrtal wird die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 vergessen und jeder hat seine eigene Geschichte. Während das Ahrtal in aktuellen Pressemeldungen kaum noch eine Rolle spielt, sind allein die materiellen Schäden - je weiter man sich auf den Weg ahraufwärts begibt - immer noch deutlich sichtbar. Von einer unvorstellbaren Macht abgebrochene hohe Eisenbahnbrücken, offene Häuser, staubige oder verschlammte Straßenwege. Ein Chaos, durch das sich die Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter seit der Flut Stück für Stück arbeiten. Denn die materiellen Schäden stehen für das, was die Flut mit den Menschen im Ahrtal gemacht hat. Der Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr e.V. hat vom ersten Tag an alle zur Verfügung stehenden Kräfte zur Bewältigung dieser Aufgabe mobilisiert. Bis Ende August wurden 1.600 Hilfesuchenden Soforthilfen ausgezahlt.

Silvia Plum, Fluthilfekoordinatorin der Caritas Ahrweiler, steht vom Tag 1 an helfend den Menschen zur Seite, eine Aufgabe, für die es viel Leidenschaft und einen langen Atem braucht. Ohne die Unterstützung der Mitarbeiterinnen der benachbarten Caritasverbände Bonn und Koblenz und von der Caritasgeschäftsstelle Mayen wäre diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Wichtig war und ist die Hilfe vor Ort. Die Mitarbeiterinnen gehen in die Gemeinden, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Dann hören die Fachkräfte das Erlebte. Und nicht selten werden im Gespräch Trauma-Folgeschäden deutlich, sodass die Menschen zu weiterführenden Gesprächen ins Trauma-Hilfezentrum begleitet werden. „Die Leute trauen sich nicht aus dem Stadtgebiet raus und müssen begleitet werden. Die Hemmschwelle ist zu groß, alleine ins Trauma-Hilfezentrum zu gehen“, erklärt Silvia Plum. Über 700 Haushaltsbeihilfeanträge liegen jetzt zur Bearbeitung vor uns. Ein Teil konnte schon bewilligt und ausgezahlt werden, so die Fluthilfekoordinatorin: „Haushaltsbeihilfen sind ein gutes Vehikel, um die psychosoziale Verfassung der Menschen zu erfassen. Dann wird schnell deutlich, welche Bedarfe sie haben. Einige leiden unter Schlafstörungen oder die Kinder werden unruhig, wenn es draußen regnet oder die berufliche Situation ist unklar, da auch der Arbeitsplatz betroffen ist.“

Dabei gibt es bei der Caritas auch ganz praktische Hilfen: Bautrockner konnten ausgeliehen werden, elektrische Heizkörper wurden verschenkt oder Hilfesuchende wurden bei Fragen zum Thema Wohnen an die zuständigen Stellen weitervermittelt. Silvia Plum: „Mehr als zehn Personalstellen für psychosoziale Beratung und Begleitung, Sozialraumarbeit, baufachliche Beratung sowie Beratung in Wohn- und Schuldenfragen sind Teil unseres Konzeptes, deren Hilfeleistungen vom Adenauer Raum bis nach Sinzig reichen.“ Gerade selbstverständliche Dinge fehlen, die erst wiederaufgebaut werden müssen. Dazu zählt auch die Möglichkeit zum heilsamen Austausch unter Betroffenen. Mit verschiedenen Treffpunktcafés konnte insbesondere die ältere Generation erreicht werden. Die „Wintertreffs“ im Kurpark, am Moses-Parkplatz und in Walporzheim sind mit ihrem bunten Familienprogramm für Groß und Klein unverzichtbare Begleiter durch die dunkle Jahreszeit. „In der Not können im Grunde kleine Dinge zum großen Problem werden“, weiß Silvia Plum und berichtet von einem jungen Mann, der in der Flut seinen Motoroller verloren hat und nicht mehr zur Arbeit fahren konnte. „Über die Härtefallklausel konnten wir den Roller ersetzen. Einem älteren Ehepaar, das sich wegen der Einbruchsgefahr nicht mehr vor die Tür traute, besorgten wir ein massives Sicherheitsschloss. Jetzt nehmen sie wieder am Leben teil. Beim Ausfüllen der Anträge erfahren wir mehr über die Nöte der Menschen und können ihnen in ihrer psychosozialen Situation oder bei der Vermittlung von Sachspenden helfen.“ Die Nöte der Menschen ändern sich. Geblieben sind die seelischen und materiellen Wunden. Die Caritas war vor der Flut da, half in der Not und wird auch nach der Flut die Menschen im Ahrtal begleiten. Silvia Plum weiß, dass uns das Thema über viele Jahre begleiten wird.

Der vor der Geschäftsstelle aufgestellte Bürocontainer bietet den Caritasmitarbeiterinnen (von links) Katharina Steinich, Silvia Plum, Marianne Theis-Prodöhl und Nicole Piclum einen weiteren Ort für Gespräche, denn die Menschen brauchen viel psychosoziale Unterstützung. Foto: Caritas

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Innovatives rund um Andernach
Kreishandwerkerschaft
Innovatives rund um Andernach
Dauerauftrag 2026
Unterstützeranzeige
Unterstützeranzeige
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
31

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
50

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2293

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
134

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Alles rund ums Haus
Rund ums Haus
Kleinanzeigen
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Anlagenmechaniker
Ostergruß
Osterangebot
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Rund ums Haus
SB Standesamt
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Anzeige KW 14
Ostergrußanzeige
Osteraktion
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Stellenanzeige Kita