Geschichten aus meiner Heimat - Nr. 6 - Ein Bericht von Heinz Lempertz
Die Grundversorgung mit Brot gestaltete sich schwierig
Mendig. Kaum zu glauben aber wahr, am ersten beschränkten Sonntag in der Corona-Krise in Deutschland wurden Erinnerungen an das letzte Kriegsjahr vor 75 Jahren wach. Bei einem Spaziergang zum Friedhof in der Heinrich-Heine-Straße waren unterwegs in der Tat keine Senioren auf der Straße an diesem frühen Nachmittag anzutreffen. Eine Neunzigjährige machte allerdings die Ausnahme und erzählte unerschrocken „Das haben wir alles schon mal mitgemacht, Anfang 1945! Wir waren damals in ständiger Angst vor dem nächsten Bombenangriff.“ Auch wenn keine Bomben diesmal zu erwarten sind, so ist dennoch die Situation etwas vergleichbar, denn die Seuche wird kommen und viele Leute treffen!
Nun sind seit dem Gespräch auf der Straße schon zwei Wochen vergangen und die Krise hat uns alle mit unerwarteter Macht getroffen.
Neben der medizinischen Grundversorgung ist nun auch die Bereitstellung der notwendigen Lebensmittel in die Diskussion gekommen.
Damals gestaltete sich nach dem Kriegsende vor allem die Grundversorgung mit Brot schwierig. Den handwerklichen Kleinbetrieben, den Bäckereien fiel die Aufgabe zu, mit den von den Alliierten ausgegebenen Mehlzuteilungen ausreichend Brot für die Bevölkerung zu produzieren.
Die Ausbackquoten waren im Detail festgesetzt: Ein Kilo Mehl musste 1,5 Kilo Roggen-Brot ergeben, bei Weizenbrot 1,4 Kilogramm.
Da hochwertiges Mehl nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stand, blieben die Backausbeuten hinter den Vorgaben zurück oder das Brot erhielt eben einen hohen Anteil von Wasser, Kartoffeln oder Hafer. Dieses Produkt war natürlich feucht, bröckelte und verdarb schneller. Besserung versuchte man mit der Rationalisierung der Versorgungsgüter mittels Lebensmittelkarten zu erreichen.
Alle vier Wochen gab es diese Karten („Lebensberechtigungs-Ausweis“) in unterschiedlichen Farben und zwar für Jugendliche, Erwachsene, Schwerbeschäftigte und Rentnerkarten, die oft auch „Sterbekarten“ genannt wurden. Wurde die Karte verloren, gab es keinen Ersatz und es musste gehungert werden!
Die Siegermächte aus Amerika und England ließen eine Zuteilung in jeweils andere Zonen nicht zu, um einen Missbrauch zu verhindern.
Frau Magdalena Kasper (1924-2019) arbeitete von 1942 bis 1949 in der Amtsverwaltung in der Kartenausgabestelle, die im heutigen Stadthaus untergebracht war. Von hier aus fuhr sie mit den Karten gut bewacht monatlich auch in die umliegenden Dörfer. Von ihr stammen unsere Original-Brotmarken über 50 Gramm aus der französischen Zone des Jahres 1948.
Heinz Lempertz
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