Gedanken im Blick - Glaube, Traditionen und Persönliches
Die Liebe wird bleiben
Eine theologische Kolumne von Gunnar Bach
Haben Sie das auch schon in der Schule gelernt? „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ – Na, wie geht’s weiter? Richtig! „Ein Birnbaum in seinem Garten stand…“ 131 Jahre ist das Gedicht schon alt, und es wird immer noch auswendig gelernt, zum Beispiel gerade auch von meinem Sohn in der vierten Klasse.
Das Gedicht ist wirklich ein Schatz fürs Leben. Die Handlung: Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland hat einen Birnbaum in seinem Garten und verschenkt die Birnen gerne an Kinder, die an seinem Garten vorbeilaufen. Dann merkt er: ich muss bald sterben. Und er verfügt, dass eine Birne mit in sein Grab gelegt wird. Damit die Kinder auch nach seinem Tod immer Birnen zu essen haben. Der Sohn, also sein Erbe, ist nämlich nicht so freigiebig. Das wusste der alte Herr von Ribbeck und sorgte dadurch für einen neuen Baum. „So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.“ So heißt es am Ende.
Einmal musste ich eine Traueransprache für eine alte verstorbene Dame halten. Die hat sich unheimlich lieb um ihren Garten gekümmert und gerne anderen davon abgegeben. Ich durfte nichts Persönliches über ihr Leben sagen. Aus der Verlegenheit heraus habe ich dann auf dem Friedhof das Gedicht Herr von Ribbeck vorgetragen. Damit konnte ich sozusagen durch die Blume sagen: wer mit anderen gerne teilt, dessen wird Liebe bleiben, sogar noch nach seinem Tod.
Bleiben Sie gesund!
Ihr Gunnar Bach
