Allgemeine Berichte | 13.06.2018

Gemüter erhitzten sich während der Diskussion um die Strecke

Die Linie 855 wurde zum Zankapfel

Auch an der Notwendigkeit des Ausbaus des Zukunftswegs, um die Streckenführung zu optimieren, schieden sich die Geister.CEW

Villip. Hoch her ging es bei der Infoveranstaltung zur künftigen Streckenführung der Linie 855, die den öffentlichen Personennahverkehr in Villip und Villiprott in Richtung Meckenheim und Bad Godesberg abdeckt. Zusammengekommen waren Bürgermeisterin Renate Offergeld, der Beigeordnete Swen Christian, zwei Vertreter der RVK, Torsten Weber und Markus Rügler, als Vertreter des Rhein-Sieg-Kreises Dr. Christoph Groneck und drei weitere Vertreter der Gemeinde, Jeannette Herrmann, Vanessa Schmidt und Christian Pohl.

Bereits vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung war im Saal kein Sitzplatz mehr zu bekommen. Laut Schätzung des Beigeordneten waren mehr als 100 Bürger anwesend. Die Bürgermeisterin betonte, dass alle Wortmeldungen und Vorschläge gehört werden sollten.

Christoph Groneck erläuterte zu Anfang der Veranstaltung anhand von Projektionen den ehemaligen und den seit 10. Juni gültigen Verlauf der Buslinie 855. Gleichzeitig betonte er, dass der Verlauf lediglich eine Zwischenlösung sein wird. Es stünden Planungen seitens des Kreises, der Gemeinde und der RVK an, um eine dauerhafte Lösung zu finden. Diese dauerhafte Lösung soll schlussendlich den Bedarf möglichst vieler Wachtberger Bürger decken. Allerdings ließ er keinen Zweifel daran, dass es niemals möglich sein würde, alle Wünsche zu erfüllen. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen in Wachtberg bei der Planung mitzunehmen und eine Lösung für möglichst viele zu finden“, erklärte Groneck. An Argumentationen für diese oder jene Lösung sowie an Aufregung fehlte es nicht. Teilweise erhitzten sich die Gemüter so sehr, dass Bürger aufsprangen und sich gegenseitig zu beschimpfen begannen. Seitens der Gemeinde griff man mehrfach entschlossen ein und forderte zu einer sinnvollen Gesprächskultur auf. Einige Bürger fühlten sich durch die neue Streckenführung quasi vom gesellschaftlichen Leben abgehängt, weil die von ihnen bevorzugte Haltestelle nun nicht mehr angefahren wird. Unter anderem in der Diskussion um die Haltestelle Kirche in Villip erhitzten sich die Gemüter. Wenn diese Haltestelle nicht angefahren würde, wäre es für viele Menschen nicht mehr möglich, zur Bank zu kommen oder an den Veranstaltungen im Dorf teilzunehmen, weil die meisten Festlokalitäten in unmittelbarer Nähe dieser Haltestelle lägen. Die Villiprotter hingegen plädierten auf der einen Seite pro und auf der anderen Seite kontra die Haltestelle am Dorfplatz. Die Jugendlichen waren froh, dass sie in der dunklen Jahreszeit am beleuchteten Dorfplatz aussteigen können anstatt am dunklen Sportplatz. Gegner der bis zum 10. Juni bedienten Strecke argumentieren, es sei zu laut und zu eng im Ortskern, um den großen Bussen Platz zu bieten. Die Busse führen regelmäßig über den Gehweg, deshalb mache man sich Sorgen um die Sicherheit der dort laufenden Kinder.

Befürworter der Haltestelle Dorfplatz führten ins Feld, dass nun endlich auch die Älteren und körperlich Beeinträchtigten eine Anbindung an den ÖPNV hätten. Während die eine Seite zur Stützung ihrer Argumente eine angeblich ständig rücksichtslose Fahrweise der RVK-Fahrer anprangerten, empfanden einige Anlieger der Hauptverkehrsstraße die Fahrweise als eher umsichtig. Eine gehbehinderte Bürgerin versicherte, dass sie auf dem von ihr regelmäßig genutzten Platz im Bus die gefahrene Geschwindigkeit gut erkennen könne und die Fahrer selten zu schnell seien. Andere wollen beobachtet haben, dass sich die Fahrer im Begegnungsverkehr sogar per Funk absprechen, um die Durchfahrt sinnvoll zu absolvieren. Eine weitere Stimme stellte in den Raum, dass Gegner der Ortsdurchfahrt ihre privaten Fahrzeuge absichtlich so parkten, dass sie den Bus behindern.

Einigen fanden auch die Kosten für den Ausbau des Zukunftsweges unnötig, der für eine weitere Ortsdurchfahrt Voraussetzung wäre. Allerdings erfuhr man, dass dieser Ausbau wegen des seit Jahren schlechten Zustandes ohnehin angestanden hatte und lediglich wegen der Unwetterschäden von 2016 verschoben worden war.

Schlussendlich hat die Bürgermeisterin ihr Wort gehalten: Alle Stimmen wurden gehört. Nun liegt es in der Abwägung von Möglichkeiten und Wünschen, wie der künftige Streckenverlauf tatsächlich aussehen wird. Swen Christian sagte zu, dass die Bürger weiterhin regelmäßig informiert und eingebunden würden. Man sei für konstruktive Vorschläge dankbar, hieß es.

Auch an der Notwendigkeit des Ausbaus des Zukunftswegs, um die Streckenführung zu optimieren, schieden sich die Geister.Foto: CEW Foto: Petra Reuter

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