Toni Becker ist im Alter von 88 Jahren verstorben
Die Musik war seine Lebensaufgabe
Kottenheim. Toni Becker, bekannter Kottenheimer, der für seine Musik und seine Familie lebte, ist am Samstag, den 22. August im Alter von 88 Jahren verstorben. Eines muss man bei dieser Regional bestens bekannten Persönlichkeit vorausschicken: Toni Becker, mochte keine Lobhudeleien, kein großes Brimborium und Getue um seine Person. Er war ein sehr bescheidener meist im Stillen wirkender Mensch. Wie oft betonte er bei Presseterminen: „Nau doht mech joh net en de Zaidung“. Aber, dabei muss auch erwähnt werden, Toni Becker war ein äußerst talentierter Könner seiner musikalischen Materie. Und man weiß seit eh und je: „Wahre Könner, ob Maler, Schriftsteller oder gar wie in unserem Falle Musikgenies, mögen keinen großen Aufwand über das, was sie bewirken, oder bewirkt haben. Sie machen ihren Job gerne und mit viel Herzblut. Er sagte einmal gegenüber BLICK aktuell: „Entweder me hat et, oder me hat et net“. Doch, ob er nun wollte oder nicht, das Genie wurde mit vielen Meriten für seine Leistungen bedacht. So hatten die Verantwortlichen ihn im September 2016, als einzigen Ehrengast zum Konzert anlässlich des 40 jährigen Bestehens der MgM Big Band des Megina Gymnasiums eingeladen. Und so konnte er hautnah an seiner alten Wirkungsstätte miterleben was aus dem Klangkörper, den er als Pädagoge und Gründervater vor über vier Jahrzehnten zusammenführte, geworden ist. Ein Schulorchester, das heute mit einer enormen musikalischen Perfektion und viel Freude an der Musik seine Zuhörer begeistert. Ein Könner, wie Toni Becker legte sozusagen vor 44 Jahren den Grundstein für eine musikalische Erfolgsgeschichte. Der heutige äußerst engagierte Leiter der jungen Musiker, und Wunschnachfolger Toni Beckers, Gerd Schlaf, der nunmehr seit 27 Jahren erfolgreich der Band vorsteht, stellte das bei dieser Gelegenheit in seiner Laudatio heraus, was Toni Becker für ihn ausmacht: „Ich möchte dem Menschen ganz herzlich zu danken, der diese Tradition begründet hat. Er hat in einem relativ verstaubten schulmusikalischen Milieu der 70er Jahre, als man vornehmlich über die Verwissenschaftlichung des Faches Musik nachdachte, eine Big Band gegründet. Praktisches Musizieren in der Schule und dann auch noch Jazz, das kann man unter den gegebenen Umständen nicht nur als mutig, sondern man muss es wahrlich als eine Pioniertat bezeichnen, die mit großem Erfolg schließlich dann auch bundesweit – ausgehend vom Nabel der schulmusikalischen Jazz-Welt Mayen - ihre Kreise gezogen hat und die Schulmusik glücklicherweise wieder vom Kopf auf die Füße gestellt hat. Seine Leistung kann gar nicht hoch genug geschätzt werden, wir können ihm, dem Toni Becker, nur dafür danken und unseren größten Respekt bezeugen“, so Schlaf. Toni Becker war auch der erste Leiter der Landes-Big-Band Rheinland- Pfalz. Viele seiner Bewunderer und Freunde werden jetzt, auch nach seinem Tode wunderbare Worte über diesen wertvollen Menschen Toni Becker finden. Ein Mann, der auch in seinem Heimatort Kottenheim immer zur Stelle war, wenn man ihn brauchte. Ehefrau Christel stärkte ihm den Rücken bei der künstlerischen Arbeit. Im Oktober 2017 hatten beide, die im Oktober dieses Jahres 43 Jahre verheiratet gewesen wären, noch Diamantene Hochzeit gefeiert. Der von vielen Musik begeisterten Menschen hochgeschätzte Bürger engagierte sich über vier Jahrzehnte im Kirchenchor und lange Jahre im MGV „Eintracht“ Kottenheim. Außerdem hat er maßgeblich am Programm der legendären Karnevalsgruppe „Die Penner“ mitgewirkt. Über drei Jahrzehnte lang schrieb er die Noten, war bei der Inszenierung beteiligt und trug so zum Erfolg der exzellenten Gruppe bei. Für die letzte Kottenheimer Sitzung im Februar hatte er noch alle Lieder arrangiert. Manchmal sah man ihm hinter den Kulissen an seinem verschmitzten Lächeln die Freude über die Resonanz des Vortrags an. Und wer im Gotteshaus von St. Nikolaus aufmerksam dem Orgelspiel in der Kirche zuhörte, der wusste vielleicht als Insider: „Da sitzt der „Toni“ wieder an der Königin der Instrumente“. Gerne hätte man noch lange seine Melodien vernommen, denn Musik war Toni´s Leben - Musik war für ihn wie Medizin. Wir werden „Toni“ und sein Wirken nicht vergessen.
Bernd Schmitz
