Einblicke in vergangene Zeiten
Die Räucherwehr schützte die Weinberge vor Frost
Kreis Ahrweiler. Der Ertrag im Weinbau hängt auch heute noch von unterschiedlichen Faktoren ab, wie Rebsorte, Boden- und Bodenpflege, Klima und Wetter mit Sonne, Hagel, Regen, Wind und Frost. Die sogenannten Eisheiligen sind in diesem Jahr noch nicht vorbei. Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und die ,,Kalte Dame“ Sophie, deren Namenstag am 15. Mai gefeiert wird, sind auch in diesem Jahr immer noch gefürchtete „Personen“ für Nachtfröste in den Weinbergen. An diesen Tagen - und in deren Umfeld - sind, wie die frühere Vergangenheit oft gezeigt hat, immer noch Nachtfröste möglich. Bei Spätnachtfrösten, die im Weinberg Schaden anrichten können, handelt es sich meist um Strahlungsfröste bei ruhiger Luft und klarem Himmel. Nichts zu befürchten haben die Winzer von Spätfrösten bei bedecktem Himmel und nächtlicher Windbewegung.
Schutzmaßnahmen
Bis Ende der 1950er Jahre wurde auch hier an der Ahr durch das Abbrennen von Stoffen mit starker Rauchentwicklung in den Weinbergen ein bedeckter Himmel künstlich erzeugt, der die Kaltströme abhielt und somit die jungen Triebe schützte. Mit dem Räuchern sollte auch die Bodenwärme festgehalten werden und die Rauchschwaden sollten die Sonnenstrahlen in den Morgenstunden zurückhalten. Wenn nämlich die Sonne die gefrorenen zarten Trieb plötzlich auftaut, platzen die Zellen und der Trieb stirbt danach schnell ab. Das Räuchern, wie es allgemein genannt wurde, war das älteste und meistangewandte Frostabwehrverfahren im Weinbau. Große Weinbergflächen konnten mit relativ wenig Aufwand in besonders engen Tälern vor Frost geschützt werden. Erst im Jahre 1887 entschloss sich die Stadt Ahrweiler, das Räucherverfahren intensiver zu betreiben. Anfangs wurden feuchte Holzabfälle verbrannt, die aber keinen durchgreifenden Erfolg zeigten. Bei der Wiederaufnahme des Verfahrens in Ahrweiler verwendete man später Steinkohlenteer, der in offenen Gruben abgebrannt wurde.
Räucherwehr 1895
In Ahrweiler wurde die erste Räucherwehr am 18. April 1895 gegründet. Aber noch beteiligten sich nicht alle Weinbaugemeinden des Ahrtales. Erst einige Frostjahre bereiteten einen günstigen Boden für die Pläne des Räucherns. So entstanden von Altenahr bis Heimersheim in allen Weinorten Räucherwehren.
Die Zentralstelle war in der Kreisstadt Ahrweiler. Der Meldedienst wurde per Telefon und Fahrrad eingerichtet. Wachstuben wurden in den kritischen Nächten betrieben. So konnten Meldungen schnell und sicher auf 20 Kilometer Länge weitergeleitet werden. Auch Winzer, die dem Räucherverfahren noch kritisch gegenüber standen, wurden durch diese straffe Organisation überzeugt. In den späteren Jahren nach 1902 schaltete sich auch verstärkt die Weinbau-Lehranstalt (die spätere SLVA) ein. Besondere Verdienste erwarb sich damals ihr Direktor Heinrich Braden beim Betreiben und Ausbau der Räucherwehren an der Ahr.
Wie wichtig sorgfältiges Arbeiten bei der Räucherwehr war, zeigte sich an den Frostschäden in den Weinbergen der Ahr im Jahr 1926. Damals wurden die Räucherwehren zu spät alarmiert. Die Kältewelle hatte schon das Zerstörungswerk begonnen und 90 Prozent der gesamten Ernte gingen dadurch in diesem Jahr verloren. Die Reben brauchten Jahre, um sich wieder zu erholen.
Zuletzt wurde in den 1950er Jahren in Ahrweiler mit Teer in größeren Fässern und mit alten Autoreifen gearbeitet. Das Räuchern war für die Beteiligten nicht immer ungefährlich. Einmal explodierte ein Fass Teer in der Nähe vom Walporzheimer Bahnhof. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Es hieß, die ,,Rotte“ hätte vorher zu stark mit Hefe- oder Tresterbranntwein von innen eingeheizt. Aus ökologischer Sicht ist Räuchern im Weinberg heute nicht mehr vertretbar. Dieses Verfahren ist aber dennoch ein Stück unserer Heimatgeschichte.
Ein flächendeckender wirksamer Alternative zum Schutz der Reben gegen Spätnachtfröste ist bisher nicht in Sicht. Bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Jahren die Reben an der Ahr von den „Eisheiligen“ und anderen schlechte Wettereinflüssen verschont bleiben.
Werner Schüller
Heimatautor Werner Schüller.
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