Allgemeine Berichte | 12.05.2020

BLICK aktuell im Gespräch mit Pfarrer Schankweiler

Die Schwächsten müssen geschützt werden

Auch die Kirche geht innovative Wege, um die Menschen zu erreichen

Pfarrer Michael Schankweiler Foto: privat

Oberwinter. Als Seelsorger ist man in der Corona-Krise besonders gefordert, findet sich aber auch vor besonderen Herausforderungen wieder. BLICK aktuell sprach mit dem evangelischen Pfarrer Michael Schankweiler über seine Erfahrungen und Einschätzungen in der derzeitigen Situation.

BLICK aktuell: „Herr Schankweiler, wir leben in Zeiten von Corona, wie empfinden Sie als Seelsorger die Situation? Was sind Ihre Erfahrungen?“

Pfarrer Schankweiler: „Für uns als Kirche war der Lockdown eine große Umstellung. Wir Seelsorger leben über den Kontakt mit den Menschen, und dieser war durch den Lockdown abgebrochen. Da stellte sich für mich die Frage, wie kann ich als Seelsorger mit meiner Gemeinde Kontakt halten? Welche Möglichkeiten gibt es? Was ist realisierbar?

Mit der christlichen Blickrichtung eines Kirchenmannes habe ich mich auch gefragt, wer sind unsere Schwächsten und hab dann angefangen, mit den älteren Menschen, die oft einsam sind und ja auch keinen Besuch mehr empfangen können, zu telefonieren. Bei den Telefonaten merkte ich sehr schnell, wie die älteren Menschen sich über die Telefonate freuten.

Ich konnte auch feststellen, dass die sozialen Systeme hier vor Ort sehr gut funktionieren, man hilft sich gegenseitig, geht zum Beispiel für andere Mitmenschen einkaufen. Wenn Not ist, ist die Solidarität hier gegeben.

Andacht-Spots auf der Homepage

Als Nächstes habe ich mir eine Kamera gekauft und drehe seitdem kleine Spots mit kleinen Andachten und stelle diese auf die Homepage der evangelischen Kirche Oberwinter. Die Resonanz ist sehr positiv, nicht nur von den Menschen in Oberwinter, sondern auch auf Mallorca und den Philippinen werden diese Spots gesehen, ich war darüber wirklich sehr überrascht!“

BLICK aktuell: „Sie sind mit ihrem Akkordeon ins Seniorenheim von Oberwinter gegangen (BLICK aktuell berichtete) und haben dort für die Seniorinnen und Senioren gespielt. Wie war Ihr Eindruck?“

Pfarrer Schankweiler: „Die Seniorinnen und Senioren haben sich gefreut, sich hatten richtig Spaß und sangen mit. Man spürte eine besondere Freude darüber, dass jemand an sie denkt, jetzt wo keiner mehr zu Besuch kam. Viele hochbetagte ältere Menschen sagten in der letzten Zeit zu mir: „Herr Pastor, der liebe Gott hat mich vergessen...“ Und meine Aufgabe ist es dann, die Botschaft zu transportieren, dass Gott niemanden vergisst.

Ich wollte mit meiner Aktion aber auch darauf hinweisen, was für eine großartige und anstrengende Arbeit die Pflegekräfte leisten und dass diese viel zu wenig Geld verdienen.

Zu der unterschwelligen Diskussion, die zum Teil geführt wird über die Frage, welches Leben noch schützenswert ist und ob wir nicht Menschen schützen, deren Lebenserwartung sowieso nicht mehr allzu hoch ist, ist die Haltung der Kirche ganz klar: jedes Leben ist schützenswert und die Schwächeren sind immer zu schützen. Der Wert einer Gesellschaft zeigt sich darin, wie sie die Schwächeren behandelt.

Mann kann von älteren Menschen auch sehr viel lernen in dieser Zeit, nämlich auch wie man mit Krisen umgehen kann, etwas was in den letzten Jahrzehnten bei uns nicht so verlangt war wie in anderen Ländern. Aber auch das wird sich ändern. Wenn man nicht mehr in der ‚heilen Welt‘ lebt, brauchen auch die jüngeren Menschen viel mehr innere Stärke.“

BLICK aktuell: „Herr Schankweiler, was glauben Sie, macht die Krise mit den Menschen?“

Pfarrer Schankweiler: „Ich denke, die Krise macht die Menschen nachdenklicher, demütiger, sie öffnet ihnen die Augen für alles Schöne und Gute um uns herum, was wir trotz allem haben. Wir leben im Vergleich zu anderen Ländern während dieser Krise immer noch im ‚Paradies‘.

Ich denke auch, dass Corona und die Umweltproblematik in einen größeren Zusammenhang gehört. Die Schöpfung und die Ressourcen werden von uns überbeansprucht. Es ist der Zeitpunkt des Umdenkens, es gibt jetzt die Chance, den Lebensstil anzupassen, mit der Schöpfung zu leben und sie nicht nur auszubeuten. Es muss zu denken geben, dass die Menschen in Neu Delhi jetzt auf einmal wieder saubere Luft zum atmen haben!

Die Sorge der Kirche gilt natürlich auch den Menschen, die jetzt in existenzielle Nöte geraten, wie der stark gebeutelten Reiseindustrie, dem Gastronomie- und Hotelgewerbe. Nur eine starke Gesellschaft, die jetzt zusammen steht, kann das gemeinsam schultern.“

BLICK aktuell: „Wie sehen Sie die Auswirkungen der Krise auf Kinder und Jugendliche?“

Pfarrer Schankweiler: „Wichtig ist jetzt die Familie. Meine Sorge gilt den Kindern, die jetzt zuhause alleine gelassen werden. Die benachteiligten Kinder sind am schlimmsten betroffen, wenn die kleinste Einheit Familie nicht funktioniert. Das kann der Staat nicht auffangen. Auch die Ängste der Kinder in dieser Zeit müssen aufgegriffen werden von Pädagogen und Fachkräften, sie müssen darüber erzählen. Wichtig ist auch, nicht nur das Negative zu beleuchten, sondern auch das Positive in dieser Zeit. Entscheidend ist, dass Kinder das Ganze auch reflektieren dürfen und Zukunftsängste besprochen werden.“

BLICK aktuell: „Herr Schankweiler, wir bedanken uns sehr für dieses Gespräch!“ SPS

Pfarrer Michael Schankweiler Foto: privat

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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