Gedenken an Reichspogromnacht: Stummfilm live vertont
Die Stadt ohne Juden
Linz.Vor 85 Jahren wurden in Deutschland ca. 1.200 Synagogen und Gebetshäuser in der Nacht vom 9./10. November niedergebrannt. Über 30.000 jüdische Menschen wurden noch in dieser Nacht und in den darauffolgenden Tagen verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.
Die Evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde lädt am Freitag, 10. November um 19.30 Uhr zu dem Stummfilm „Die Stadt ohne Juden“ (Regie: Hans Karl Breslauer) in den Katharinenhof, Grabentor 1 in Linz, ein.
Die „Stadt ohne Juden“ ist ein österreichischer Stummfilm aus dem Jahr 1924, der auf dem zwei Jahre zuvor erschienenen gleichnamigen Roman von Hugo Bettauer basiert und dem Genre des Expressionismus zugeordnet wird. Dem Roman von übermorgen, wie der Untertitel lautet, wird aus heutiger Perspektive oft prophetische Weitsicht in Bezug auf die Geschehnisse im Dritten Reich zugeschrieben, die sich auch in den filmischen Bildern der Vertreibung der Juden widerspiegelt. Nur wenige Monate nach der Uraufführung am 25. Juli 1924 in Wien wurde der Autor der Romanvorlage von dem Nationalsozialisten Otto Rothstock in seinem Büro erschossen.
Der Film, der bald darauf in Vergessenheit geriet, wurde 1991 im Nederlands Filmmuseum in Amsterdam wiederentdeckt. Die Erstaufführung der rekonstruierten Fassung fand am 21. März 2018 im Metro-Kino in Wien statt. Übrigens spielt der österreichische Schauspieler Hans Moser in diesem Film als antisemitischer Stadtratsabgeordneter eine seiner ersten Filmrollen.
Mit seiner Klavier- und Cellobegleitung wird Jan Lebenstedt unter Einbeziehung unterschiedlicher Stilelemente zwischen jiddischer Musik, Jazz und Klassischer Musik für eine spannungsgeladene und emotionale Untermalung sorgen.
Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
