Allgemeine Berichte | 25.06.2018

Informationsveranstaltung des Landkreises Neuwied, des Landes und verschiedener Verbände informierten über das Wolfsmanagement in Rheinland-Pfalz

„Die Wölfe kommen auf jeden Fall!“

Artenschutzreferentin Barbara Friemel vom MUEFF und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky informierten und klärten Bürger und Verbände des Landkreises auf

Landrat Achim Hallerbach, Ulrich Schreiber vom Winzer- und Bauernverband, Barbara Friemel vom MUEEF, Werner Neumann vom Landesverband der Schaf- u Ziegenhalter, Michael Proca vom Landesjagdverband RLP und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky. Fotos: KBL

St. Katharinen. Das Bürgerhaus in St. Katharinen war bis auf den letzten Platz besetzt. Und auch die Liste der Einladenden machte bereits klar, wie breit das Interesse in der Bevölkerung der beiden Landkreise Neuwied und Westerwald ist, wenn es um den Umgang mit der Rückkehr eines der deutschen Großkarnivoren geht: Den Wolf. Neben Landrat Achim Hallerbach luden das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz )MUEEF), der Landesverband der Schaf-/Ziegenhalter und Züchter Rheinland-Pfalz e. V. , der Bauern- und Winzerverband Neuwied und die Kreisgruppe Neuwied des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz e. V. alle Mitglieder und interessierten Bürger ein, sich umfassend informieren zu lassen. In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde mit den geladenen Experten bot sich für viele Anwesenden die wichtige Möglichkeit, ihren Ängsten und Bedenken zu diesem Thema endlich einmal Luft zu machen.

Gemeinsame Lösungen sind zu suchen

Landrat Achim Hallerbach eröffnete den Informationsabend mit einleitenden Worten und dem Appell, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen und die Chance in der Rückkehr des symbolträchtigsten Tieres der deutschen Wälder zu sehen. „Bei mir werden Sie keine extremen Positionen finden“, betonte er und bat um eine sachbezogene Diskussion. Nach einer kurzen Vorstellung beider Experten übergab Moderator Marcelo Peerenboom auch gleich das Wort an Barbara Friemel vom MUEEF (Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten).

Die Artenschutzreferentin stellte detailliert den Managementplan des Landes Rheinland-Pfalz vor und ging auf die Rahmenbedingungen ein, die durch die Erklärung zum Präventionsgebiet Westerwald entstanden sind. Obwohl in Rheinland-Pfalz in den letzten zwei Jahren nur 13 gesicherte Nachweise auf Wölfe insgesamt eingingen, sind neun davon im Landkreis Neuwied verzeichnet worden – zwei davon von derselben Fähe. Aus diesem Grund wurde vorsorglich, auch wenn der Nachweis eines im Landstrich residenten Wolfes noch fehlt, das Präventionsgebiet Westerwald ausgerufen. Dies ermöglicht es Schafzüchtern und Landwirten, vom Land Förderung für die Absicherung ihrer Schaf- und Ziegenherden zu bekommen. Informationen hierzu erhalten Betroffene bei der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz unter www.snu.rlp.de oder telefonisch unter 0 61 31 / 16 50 70. Barbara Friemel wies die Anwesenden wiederholt darauf hin, wie wichtig ein flächendeckender Schutz der Herden sei, um zu verhindern, dass sich der Wolf an die einfach erreichbaren Beutetiere einer Nutztierherde gewöhnt. Durch Elektrozäune macht das Tier schlechte Erfahrungen, die eine solche Gewöhnung und weitere Schäden verhindern – denn für einen Wolf ist das Reißen einer leichten Beute ein alles andere als unnatürliches Verhalten. Da der Wolf allerdings strengen Artenschutzvorschriften unterliegt, darf eine „Entnahme“ – also die Tötung eines Einzeltieres – auch nach einem Rissvorfall nur unter besonderen Bedingungen durch eine speziell autorisierte Person erfolgen.

Unter der Großkarnivorenhotline 0 63 06 / 91 11 99 können die Bürger alle Sichtungen, Kotfunde und Wild- oder Nutztierrisse melden und werden zu eventuell notwendigen, weiteren Schritten, wie z. B. bei der Beantragung von Ausgleichszahlungen für die gerissenen Tiere, angeleitet und beraten. Die Artenschutzreferentin schloss mit der wiederholten Bitte an das Publikum, die Möglichkeiten der Förderung zu nutzen und für ein friedliches Miteinander mit dem fleischfressenden Rückkehrer zu sorgen, indem durch rechtzeitige Vorsorge Konflikte von vornherein vermieden werden.

Über den Wolf kursieren Fake News

Mit viel Verve und Nachdruck übernahm dann Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky das Wort. Er räumte direkt auf mit „den Fake News, die über den Wolf kursieren“ wie den vielgerühmten „Wolfshybriden“, Mischlingen zwischen Wolf und Hund, von denen es im Gegensatz zur Medienpräsenz ganze zwei Fälle gibt, in denen sich Wölfinnen aus Mangel an einem geeigneten Partnern mit einem domestizierten Artgenossen zufrieden geben mussten. Diese Mischlinge wurden sofort entfernt, um weitere Durchmischungen zu vermeiden.

Auch der für viele erschreckend wirkende „Problemwolf“, also ein Wolf, der entweder Hunde oder sogar Menschen als Beutetier ansieht und tötet oder verletzt, ist ein Phänomen, dass sich allein in den Medien abspielt. Zwar gibt es vereinzelt Fälle, in denen Hunde angegriffen worden waren, aber in den letzten 40 Jahren ist europaweit kein Mensch durch einen Wolf zu Schaden gekommen – und das bei einer Gesamtpopulation von immerhin 12.000 bis 15.000 Individuen, davon ca. 500 in Deutschland. „Ein Problemwolf ist so selten wie ein weißer Hirsch“, konstatierte Wotschikowsky, „mit anderen Worten: Er ist sehr, sehr selten. Wir müssen uns um den Umgang mit den normalen Wölfen kümmern!“

Immer wieder wies auch der Wolfsexperte darauf hin, wie wichtig die Prävention vor Rissschäden sei. Ein Großteil der Angst in der Bevölkerung resultiere aus der Sorge um Vieh und Hunde. Eine tatsächliche Bedrohung für den Menschen seien die Tiere allerdings nicht: „Natürlich ist es gefährlich, im Wald spazieren zu gehen. Es könnte Ihnen ein Ast auf den Kopf fallen!“, kommentierte Wotschikowsky humorvoll. Menschen seien für den Wolf als Beute uninteressant, außerdem wüssten die in den europäischen Kulturlandschaften aufwachsenden und dort geprägten Tiere um die Gefährlichkeit der Zweibeiner.

Während der anschließenden Diskussion konnten die Experten viele der Fragen und Sorgen der Bürger klären und sie beruhigen. Dem Wolf erneut seinen angestammten Platz in deutschen Wäldern einzuräumen, ist für alle Tierhalter und -züchter eine Herausforderung, auf die sie sich einstellen müssen – und nicht jede Weide eignet sich dafür, mit einem Elektrozaun gesichert zu werden. Mit den richtigen Vorsorgemaßnahmen ist allerdings ein Großteil der Schäden zu vermeiden. Durch die Förderung vonseiten des Bundes, Informationsveranstaltungen wie in St. Katharinen und den „Runden Tisch Großkarnivoren“ wird viel dafür getan, dass die Rückkehr des Wolfes so problemlos wie möglich abläuft. Sodass das Tier aus unseren Mythen und Märchen bald wieder unbehelligt durch den Westerwald streifen kann.

Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky sprach mit Fachwissen und Überzeugungskraft.

Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky sprach mit Fachwissen und Überzeugungskraft.

Michael Proca vom Landesjagdverband RLP e.V. riet zu Gelassenheit und betonte, dass der Wolf strengsten Schutzvorschriften unterliegt und nicht bejagt werden darf.

Michael Proca vom Landesjagdverband RLP e.V. riet zu Gelassenheit und betonte, dass der Wolf strengsten Schutzvorschriften unterliegt und nicht bejagt werden darf.

Mit viel Engagement für die Präventionsarbeit: Barbara Friemel vom MUEFF.

Mit viel Engagement für die Präventionsarbeit: Barbara Friemel vom MUEFF.

Landrat Achim Hallerbach, Ulrich Schreiber vom Winzer- und Bauernverband, Barbara Friemel vom MUEEF, Werner Neumann vom Landesverband der Schaf- u Ziegenhalter, Michael Proca vom Landesjagdverband RLP und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky. Fotos: KBL

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