Für die mitwandernden Kinder war die Exkursion eine gute Gelegenheit, auch einmal einen Hochsitz zu erkunden. Exkursion durch den Dierdorfer Stadtwald mit Forstamtmann Harald Schmidt und Stadtbürgermeister Thomas Vis
Die deutsche Eiche leidet unter Stress
Dierdorf. Die Stadt Dierdorf besitzt 440 Hektar Wirtschaftswald. Das entspricht einer Fläche von 880 Fußballfeldern. Auf dieser Fläche wuchs ein Holzvorrat von knapp 81.000 Erntefestmetern, also Kubikmetern Holz. Experten errechnen aus diesem Bestand einen jährlichen Zuwachs von 3.600 Erntefestmetern. Von diesem Zuwachs können laut Forstwirtschaftsplan 2.300 Festmeter Holz geerntet und vermarktet werden, nicht mehr als 65 Prozent, um den weiteren Bestand des Waldes zu garantieren. Diese Zahlen nannte der für das Forstrevier Dierdorf zuständige Forstamtmann Harald Schmidt am vergangenen Samstag bei der Führung durch einen Teil des Stadtwaldes.
Die Stadt Dierdorf mit Stadtbürgermeister Thomas Vis hatten zu der Waldexkursion eingeladen. Dieser Einladung waren rund 30 interessierte Bürger gefolgt. Auch Kinder und Hunde nahmen an der Führung teil. Harald Schmidt stimmte die Teilnehmer auf das Thema ein. Er sagte: „Mit dem Wald und der Nutzung seiner Ressourcen wird vorsichtig umgegangen. Das oberste Ziel ist die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung.“
Waldbegehung durch das Schönholz
Die Waldbegehung führte die Gruppe in diesem Jahr vom Ortsrand von Giershofen aus in das sogenannte Schönholz, einen zu Giershofen gehörenden Waldbestand. Der Forstmann ging auf die Entstehung und Entwicklung der Kulturlandschaft ein, zu der auch Kompromisse für den Wald gehören wie die Akzeptanz einer Stromtrasse, einer Eisenbahnlinie, von Windkraftanlagen, der Autobahn und der ICE-Trasse. Besonders zu berücksichtigen gelte es natürlich auch immer die Interessen der Landwirtschaft und den von ihr bewirtschafteten Flächen.
Im Wald zeigte Harald Schmidt den Teilnehmern der Exkursion einen Schlagraum mit frisch geerntetem Eichenstammholz. Darunter befand sich ein Stamm der bereits stehend „tot“ war, wie die Forstleute sagen. Schmidt erklärte an diesem Baum den Wertverlust, den solch ein vorzeitiges Absterben eines Baumes bedeutet: „Dieses Holz ist nur noch 80 Euro pro Festmeter wert. Wohingegen bei einem Holz besserer Klasse der Preis bei 300 oder 400 Euro liegen kann. Im Moment ist die Eiche sehr gefragt, als Möbelholz, für Treppen, Dielen, Decken, Fußböden und dergleichen.“
Anschließend ging die Gruppe in den Bestand, wo das Holz geerntet wird. Die Beauftragung der Waldarbeiter mit dem Fällen der Bäume entspricht einem aufwendigen Verwaltungsvorgang, der mit der Erfassung und Beschreibung des Schlagraums durch den Revierförster beginnt und in einem detaillierten Arbeitsauftrag mit Benennung der möglichen Gefahrenherde für die Waldarbeiter endet. Die Stadt Dierdorf hat zurzeit drei Vollzeitbeschäftigte für Arbeiten im Wald angestellt. Für bestimmte Arbeiten werden auch Lohnunternehmen angefordert.
Durch Sturmschäden hat sich die Zusammensetzung der Baumarten verändert
Durch Stürme - 2010 der letzte große - und dadurch verursachte Sturmschäden im Wald hat sich die Zusammensetzung der Baumarten verändert, erklärte Harald Schmidt. Fichten litten am meisten unter dem Windbruch, ihr Bestand büßte den Spitzenwert im Dierdorfer Wald ein. Sie hat noch einen Anteil von 36 Prozent am Gesamtwaldbestand. Daneben gibt es 13 Prozent Eiche und elf Prozent Buche. Hinzu kommen 21 Prozent langlebige Laubbäume und zwölf Prozent kurzlebige Laubbäume wie zum Beispiel Kirschbäume. Daneben gibt es noch vier Prozent Lärchenbäume sowie je zwei Prozent Kiefern und Douglasien. Vor den Windwürfen hatten die Fichten noch einen Waldanteil von 50 Prozent. Douglasien werden gerne dort angepflanzt, wo man aufgrund der Klima- und Bodenveränderungen eine zurückgehende Versorgung der Bäume mit Wasser vermutet. Die Douglasie kommt, so Forstmann Harald Schmidt, besser als die Fichte mit einem geringeren Wasserangebot zurecht.
Von einem generellen Waldsterben ist aktuell nicht mehr die Rede. Die Probleme scheinen jetzt individueller. Harald Schmidt: „Ich beobachte seit Jahren hier wie auch in anderen Revieren, dass die Eiche sich teilweise schwertut. Wir bemühen uns, dieses Holz zu ernten, bevor es tot ist. Der Grund für das Eichensterben ist noch nicht vollständig entschlüsselt. Es werden vermutlich mehrere Ursachen sein. Stressfaktoren könnten eine Rolle spielen, zum Beispiel aufgrund von Luftschadstoffen. Aber auch heiße, trockene Sommer und Schädlingsbefall. Auch die Esche hat Probleme durch einen Pilzbefall, der zu einem Rückgang des Bestandes führt. Das ist auch bei uns im Wald angekommen.“
Den Abschluss der Waldbegehung verbrachten die Teilnehmer bei Kaffee und Kuchen und angeregten Gesprächen auf einem Bauernhof in Giershofen.
Eichen und Eschen haben es momentan besonders schwer, erklärte Revierförster Harald Schmidt. Die genauen Ursachen dafür sind noch nicht bekannt.
Gute zwei Stunden dauerte der Marsch. Dabei wurde den Teilnehmern die moderne Waldbewirtschaftung genauestens erklärt.
Eichen und Eschen haben es momentan besonders schwer, erklärte Revierförster Harald Schmidt. Die genauen Ursachen dafür sind noch nicht bekannt.
Für die mitwandernden Kinder war die Exkursion eine gute Gelegenheit, auch einmal einen Hochsitz zu erkunden. Am Ortsausgang von Giershofen trafen sich die rund 30 Teilnehmer der von Forstamtmann Harald Schmidt und Stadtbürgermeister Thomas Vis geführten Exkursion durch einen Teil des Dierdorfer Stadtwaldes.Fotos: KER
