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Kreisverwaltung Neuwied setzt Frist zum Rückbau „Little Britains“

Do we need another Brexit?!

Über 1.000 Unterschriften wurden binnen weniger Tage für den Erhalt gesammelt - Landrat möchte vermitteln

26.07.2018 - 08:00

Linz/Erpel. Als die „Steel Buddies“ aus dem Westerwald („Stahlharte Geschäfte“, DMAX) gerade die ersten Schritte unternahmen, den Friedenspanzer von „Little Britain“ auf Solarstrom umzurüsten, und Gary Blackburn sich in den letzten Zügen seiner Urlaubsvorbereitungen befand, flatterte ein unangenehmer Brief ins Haus, der Blackburns Urlaub komplett auf den Kopf stellen sollte: Die Kreisverwaltung Neuwied verbot mit sofortiger Wirkung die von ihm zusammengestellte Umsonst-und-Draußen-Ausstellung „Little Britain“. Ihm wurde mitgeteilt, er habe umgehend eine Schranke zu errichten und sämtliche Teile der Anlage zu entfernen – unabhängig davon, ob es sich um dekorative Gegenstände wie die Figuren der Queen oder von Mr. Bean handelt oder um den baurechtlich umstrittenen Panzer. Bei Androhung von Bußgeldern in Höhe von 1.000 Euro – die sich der Kreis vorbehielt, beliebig häufig zu verhängen, solange die Ausstellung weiter existiere – sollte er den Ort, den er in Erinnerung an seine alte Heimat Großbritannien „Little Britain“ getauft hatte, sofort wieder in das ungenutzte Stück Brachland an der Böschung der Kasbachtalbahn verwandeln, das er zuvor gewesen ist.


Schranke soll nach Willen des Kreises Besucher fernhalten


Die Erklärung, inwiefern der Kreis auf Privatgrund zu entscheiden hat, welche Autos dort geparkt werden dürfen (bis auf den Panzer sind alle angemeldet und zugelassen) oder welche Gartenzwerge dort erlaubt sind (vielleicht ist der „Verrückte Hutmacher“ aus Alice im Wunderland nicht jedermanns Sache), wurde in dem Schreiben nicht erläutert. Ebenso wenig die Sinnhaftigkeit der Errichtung einer Schranke an der Grundstückgrenze, die Wanderer am Betreten des Privatgrunds hindern soll – Wanderer, die Gary Blackburn explizit auf seinem Grundstück willkommen heißen möchte und für die er all die Figuren und Sitzgelegenheiten überhaupt erst aufgebaut hat. Wanderer, die ohnehin nichts mehr zu sehen bekommen, wenn sich die Kreisverwaltung mit ihrem Vorhaben durchsetzt. „Sie wollen Mr. Bean mitnehmen, sie wollen die Queen mitnehmen!“, so der Brite ganz verzweifelt, „Ich will weder die Gemeinde noch die Wanderer aussperren. Ich mache das doch alles für sie.“


Verwaltung hätte Entscheidungsspielraum


Schon seit langem bemüht sich der Eigentümer des Baumdienstes Siebengebirge um eine Einigung mit der Gemeinde Erpel, zu der sein Haus und Grund gehören. Im Laufe der Jahre hat er verschiedenste Vorschläge gemacht, wie sein „Vergnügungspark“ im Rahmen der Vorgaben der verschiedenen hiesigen Ämter zu realisieren sei. Doch ob als Freilichtmuseum oder als Werbeanlage – eine Genehmigung erhielt Gary Blackburn nicht. Sicherlich hätte er um eine Baugenehmigung für die beiden Hütten ersuchen müssen, die er mit seiner Crew für regnerische Zeiten als gemütlichen Unterstand aus Westerwälder Eiche gezimmert hat. Aber auch hier hätte die Verbandsgemeinde Unkel Spielraum gehabt, zugunsten des spleenigen Engländers und seiner Idee vom kostenlosen Freizeitgelände für jedermann zu entscheiden.

Denn seine Idee wird dankbar angenommen: Ob Spaziergänger aus dem benachbarten Altersheim, die die rollstuhlgerechte Anlage in ihrer Nähe lieben, Familien, die ein kostengünstiges Naherholungsziel suchen und hier mit ihren Kindern eine bunte Fantasiewelt mit echten Hasen und Hunden eintauchen können, oder Wandergruppen auf dem Weg zur Kasbachtalbahn – sie alle verbringen schöne Stunden in „Little Britain“. Völlig umsonst und draußen in der Natur.


„Little Britain“ erhält von vielen Seiten Unterstützung


So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich sofort Widerstand gegen die Entscheidung der Kreisverwaltung formierte: Sämtliche Medien der Rheinschiene berichteten über das Aus von „Little Britain“, im Internet wurde eine Petition gestartet, bei der innerhalb weniger Tage über 1.000 Unterschriften zum Erhalt „Little Britains“ gesammelt werden konnten. Fans und Unternehmen sagten ihre Unterstützung zu.

Immerhin erhielt Blackburn einen Aufschub für den Rückbau „Little Britains“ bis zum 15. September 2018 - immer noch eine viel zu kurze Zeit, um all das abzureißen, was er in den letzten zweieinhalb Jahren aufgebaut hat. „Ich will keinen neuen Brexit – ich mache das doch alles für die englisch-deutsche Freundschaft“, ist es Gary Blackburn wichtig zu betonen. „Mittlerweile begrüßen wir an den Wochenenden hunderte von Wanderern, die hier gern Rast machen und mit uns Zeit verbringen“, ergänzt sein Sohn Luke. Nach anfänglicher Skepsis gegenüber der eigenwilligen Idee des Vaters steht mittlerweile die ganze Familie hinter Garys Idee – und ist bereit, für den väterlichen Traum zu kämpfen. „Letzte Woche haben wir noch 47 Lavendelstauden in ‚Little Britain‘ gepflanzt“, veranschaulicht Garys Sohn Luke den familiären Zusammenhalt.

Und seit neuestem scheint auch wieder Hoffnung am Horizont aufzuleuchten: Landrat Achim Hallerbach soll sich persönlich in den Fall eingeschaltet haben. Offenbar sieht er durchaus Möglichkeiten, zu einer Einigung zwischen den verschiedenen Parteien zu kommen, und strebt nach der Sommerpause ein Gespräch zwischen der Gemeinde Erpel, der Kreisverwaltung und der Familie Blackburn an. Einfach wird eine Vermittlung jedoch sicherlich nicht werden. -KBL-

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27.07.2018 00:48 Uhr
Siegfried Kowallek

Der Obstbauer Helmut Palmer, der Vater des grünen Oberbürgermeisters von Tübingen, Boris Palmer, war in Baden-Württemberg ein berühmter und geschätzter Rebell gegen die Obrigkeit, bekannt als „Remstal-Rebell“. Einen vergleichbaren Kultstatus-Palmer haben wir im nördlichen Rheinland-Pfalz noch nie gehabt. Insofern ist es begrüßenswert, dass der Landrat Achim Hallerbach hilfsweise eingreift und vor allem beim Erpeler Gemeinderat Überzeugungsarbeit leisten will, um die Entscheidung korrigieren zu lassen, dass die Anfang Juli für „Little Britain“ notwendige Aufstellung eines Bebauungsplans abgelehnt wurde. Es ist sicherlich unstrittig, dass die Gemeinde Baurecht schaffen muss, damit der Kreis eine Genehmigung erteilen kann. In Indien wurde es toleriert, dass ein Mann sich zeitlebens seine Fingernägel nicht geschnitten hatte, so dass sie fast zwei Meter lang wurden. Erst wegen seiner alterbedingten Schwierigkeit, damit gut schlafen zu können, hat er selbst beschlossen, sie zu kürzen. Im Vergleich dazu ist „Little Britain“ ein gemäßigtes Beispiel sympathischer britischer Exzentrik, die man im Übrigen auch touristisch nicht unterschätzen sollte. Zur Behauptung, die Aufstellung eines ehemaligen Panzers der Schweizer Armee sei als „eine Verhöhnung der Menschen“ zu werten, „die durch Kriegserlebnisse belastet und traumatisiert sind“, empfehle ich einen Besuch in unserem Nachbarland Belgien. Beispielsweise in Bastogne steht ein Sherman-Panzer als unumgängliche Attraktion. Dem Landrat Achim Hallerbach wünsche ich als Ersatzrebellen gegen kleinkariertes Denken somit gutes Gelingen.
 
Siegfried Kowallek, Neuwied



26.07.2018 08:42 Uhr
Uwe Klasen

Wieso dieser harmlose Mann, auf seinem Grundstück (!), nicht einfach seiner Obsession nachgehen darf, erschließt sich mal wieder niemanden, außer dem "Amtsschimmel" oder vielmehr den dahinter sehenden Personen, denen dies (vermutlich PERSÖNLICH!) ein "Dorn im Auge" ist, und die deshalb Paragraphen bemühen müssen um ihre Interessen durchzusetzen!



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Kommentare
Armin Linden:
Fest steht, das der Kreis AW. mittlerweile bereits das grösste Altersheim im nördlichen RP. darstellt. In der Hoch-Eifel bereitsganze Gebiete "€ntvölkert". Das war vor 3O J. noch anders. Junge Leute - speziell Deutsche - gut ausgebildet, wandern aus. Die Gründe für Insider teils klar. Eine Migration enorm im Zulauf im AW.-Kreis. die Ökonomie des €. bestimmt dort die Einstellung & Gesinnung ! Industrie in MY-KO. auch weit grösser. Ich fürchte, die nächsten 2O J. wird sich vieles ändern. Besonders die völlige Unterschätzung u. das Ausbluten der "Eigenen Systeme" in der Migration. Für "eigene Landsleute u. Studenten" gab es keine Bürgen mit Winke.Winke.Syndrom. Das dürfe u. müsste auch dem BlickAktuell bekannt sein. Soviel Charakter sollte sein. Auch in der Veröffentlichung. A.L.
Armin Linden:
Das Thema, ist + wird in der Zukunft NICHT vom Tische sein. Auch selbst in der CDU gibt es - ausserhalb RP.- genügend Fachleute, die noch in der Realität zu Hause sind. Die Demographie im Kr. AW. ist dermaßen hoch, die Ausdünnung in der Besiedlung (Land) gravierend. In der Eifel, teils "Leer-Raum". In BNA - kaum Kinder u. Jugendliche mehr ! Außer Migration.- Gründe wohl Ökonomischer Natur. Das Kulturprogramm (Rollator-Krankenstühle) ausgerichtet. Der Vorteil Mayen-Koblenz allerdings, wesentlich mehr Industrie & Junge Leute ! Es sind rd. 4 Millionen gut ausgebildete JUNGE Deutsche Mädchen u. Jungs, nach der UNI bereits ausgewandert. Österreich - CH - Alle Nordländer - USA. Man lebt besser. Verdient mehr. Rente Faktor 3-5 ! Medizin (Privat). Nein, für vieles ist es leider zu spät. Der AW-Kreis wird zu den abgehängten einmal zählen. Auch die SPD.FDP wusste es. Sorgte aber für den Aufschwung West.Nord Africa - Maroco -Syrien.Lybien. Damit ist in England jetzt Schluss !
Uwe Klasen:
So sollten Schüler und Studenten für die Zukunft sorgen, mit Erfindungen und guten Ideen das Land und die Menschheit voran bringen und nicht sich instrumentalisieren lassen zum sogenannten "Friday for Future"!
juergen mueller:
Es geht hier nicht um Verteufelung, sondern einzig und alleine darum, dieser Veranstaltung etwas positives abzugewinnen, was ich nicht tue. Anstatt auf die Strasse zu gehen und Transparente hochzuhalten oder Sprüche (wie die von Anne) vom Stapel zu lassen, gibt es in vielfältiger Weise Dinge, etwas für EURE Zukunft zu tun, ohne laut zu werden. Laut ist unsere heutige Jugend eh schon bis zur Unerträglichkeit und zwar ohne positive Ergebnisse. Dass meine Generation eure Zukunft klaut ist ganz einfach nur das Ergebnis von Faulheit beim Denken. Ihr macht es euch zu einfach, wenn ihr denkt, wenn ihr auf die Strasse geht, dass sich dadurch etwas ändert. Steht ihr irgendwann einmal im Berufsleben (oder auch nicht), dann ist für viele von euch nur noch eines wichtig - dass es euch persönlich gut geht ... hierbei an andere zu denken, das ist dann nebensächlich u.egal ... das nennt man fortschreitende negative Entwicklung unserer Gesellschaft im ICH-Denken.
Anne:
Also an alle die schreiben das wir schwänzen. Nein das tun wir nicht! Wir haben unsere Lehrer und Direktoren gefragt und die haben dies ausdrücklich unterstützt und beführwortet. Uns liegt etwas an unserer Zukunft. Wir waren da, Wir waren laut, Weil Ihr unsere Zukunft klaut!
Lara :
Schade, dass die Aktion anscheinend so verteufelt wird. Es geht nicht um Lernverweigerung, sondern darum ein Zeichen zu setzten! Ich finde, dass vier Stunden Unterricht nicht mit dem Einsatz für unsere (!) Zukunft in Relation zu setzten ist. Waren zum allergrößten Teil engagierte Jugendliche, die ein ernstes Interesse haben :-)
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