Theatergruppe Leutesdorf präsentierte im 30. Jahr ihres Bestehens wieder sechs Vorstellungen im „Leyscher Hof“
„Doktor wider Willen“
Leutesdorf. Die Leutesdorfer Theatergruppe, welche vor 30 Jahren, 1989, gegründet wurde, präsentierte in diesem Jahr an sechs Abenden der beiden vergangenen Wochenenden frei nach Carl Slotboom und weitestgehend in bestem Leutesdorfer Platt das Stück „Doktor wider willen“. Und dabei ging es im Krankenhaus „Laurentius“ in Leutesdorf ganz gewaltig hoch her.
Bankräuber Bert (John Albinus) rennt auf seiner Flucht vor der Polizei in das nächstbeste Gebäude, ein Krankenhaus. Aus einem Schrank nimmt er einen weißen Kittel und zieht diesen an, um nicht in seiner Räuberkleidung aufzufallen. Dann erscheint Schwester Gerda (Doris Winkens) und „erkennt“ ihn als den sehnsüchtig erwarteten Dr. Föhlens, der als Nachfolger von Dr. Hürens dessen Position einnehmen soll und auch sonst herrscht Personalmangel. Verfolgt von der Polizei bleibt dem Bankräuber nichts anderes übrig, als den „Doktor zu spielen“ und schon nimmt ein sehr verwirrendes Chaos mit zahlreichen Kuriositäten seinen Lauf.
Bei seiner Begrüßung verrät Regisseur Michael Schneider gleich zu Beginn, dass das ein oder andere sicher etwas überzogen wirke, so aber zum Theater dazugehöre. Wer damit ein Problem habe, könne nach der Vorstellung gerne zu einem Einzelgespräch kommen. Vor allem er selbst in der Rolle des schwulen Krankenpflegers Martin ist mit allen Klischees derart krass überzogen, dass es beim Publikum nur wie gewünscht mit reichlich Humor ankommt und sicher nicht zum Ärgernis führen sollte.
Überhaupt erlebte das Publikum im historischen „Leyscher Hof“ bei den sechs Vorstellungen bestens aufgelegte Schauspielerinnen und Schauspieler, die dem Stück allesamt ihren persönlichen Stempel aufdrückten. Die Kuriositäten mit einem „Doktor wider Willen“ sind reichlich und abwechslungsreich. Dieser macht aus „Doktor spielen“ auch gerne einmal „Doktorspielchen“, wenn er die schwangere Annie (Yvonne Albinus) untersucht und ihr dabei permanent in den Po kneift. Diese kann davon einfach nicht genug bekommen. Patient Theo (Werner Heinz) hält sich selbst eigentlich schon längst für gesund, er sei doch nur bei der Modelleisenbahn unter den Zug gekommen. Patient Edwin (Polizeikommissar) verordnet der vermeintliche Arzt ohne weitere Untersuchung gleich mal eine Vollnarkose, nachdem er herausgefunden hat, dass es sich um einen Polizisten handelt.
Auch Betnonne Petronella gerät in die Wirren des Krankenhauses
Pflegekraft Sophia (Christa Faßnacht) entlarvt den Bankräuber, ist aber sehr an einer Fortsetzung seiner Arzttätigkeit interessiert, wenn sie einen Teil der Beute abbekommt. Betnonne Petronella (Carmen Braun) wird von ihrer Mutter Oberin ins Krankenhaus geschickt, um im Gebet beizustehen und verliebt sich dabei in Krankenpfleger Martin. Petronella: „Ich bin Nonne“, darauf Martin: „Das macht nichts, wir haben alle unsere Fehler“.
Schwester Gerda verliebt sich in den Polizeikommissar, der aber verheiratet ist und von der Probe seiner Hochzeit mit allen Beteiligten sehr kalt erwischt wird. Es geht im ganzen Haus hoch her und dazu ermittelt Polizeikommissar Edwin auch noch gegen den Bankräuber, der sich am Ende als den gesuchten „Bert von Santen“ stellt. Zuvor hat er stets behauptet, dass der gesuchte von Santen sein Zwillingsbruder wäre, halt nur von unterschiedlichen Vätern.
Eine Infusionsvorrichtung wird im Stück zur Zapfanlage für Heffe-Schnaps frei nach dem Motto von Petronella und Krankenpfleger Martin „in der Bibel steht: Meide Wasser wo du kannst, schütt´ Heffe in deinen Wanz.“ Die Betnonne verliebt sich nach diesen ersten Schnäpsen in ihrem Leben in den Krankenpfleger (einstiger Balletttänzer im „Schwanensee“ und auserkorener „Zeremonienmeister“ für die scheinbar anstehende Hochzeit). Bis beide zu dem Schluss kommen „Die Fusion läuft voll in die falschen Kanäle“.
Reibungsloser Ablauf mit bewährten Kräften
Am Ende des Stücks ist dann natürlich auch Annies Baby auf die Welt gekommen und die glückliche Mutter präsentiert es im Krankenhaus und dem Publikum im Saal.
Der diesjährige Drei-Akter der Leutesdorfer Theatergruppe begeisterte einmal mehr die Theaterbesucher, welche nicht nur aus Leutesdorf kommend, den großen Saal im historischen Haus sechs Mal füllten.
Für den reibungslosen Ablauf im Hintergrund sorgten dabei auch wieder bewährte Kräfte wie Angelika Merz (Maske), Klaudia Hauck (Souffleuse), Helga Büscher und Renate Hohn („die guten Geister hinter der Bühne“), die Vorhangschieber Gerd Faßnacht und Hubert Büscher und Ralf Hennes an der Technik. Die Regie hatte auch in diesem Jahr Michael Schneider (alias Krankenpfleger Martin) und einen tollen Einstand bei seinem Premierenstück feierte Polizist und Patient Edwin (Carsten Zeibig).
Manche Infusionen trinkt man am Besten sofort... - Krankenpfleger Martin (Michael Schneider) und Betnonne Petronella (Carmen Braun) zapfen sich den Heffe ab.
Schwester Gerda (Doris Winkens) hat sich hoffnungslos in den Patienten und Polizeikommissaren Edwin (Carsten Zeibig in seiner Premierenrolle) verliebt..
Im Leutesdorfer Krankenhaus „Laurentius“ geht es hoch her. Fotos: STUKO