Evenos Quartett gastierte in der Villa Bellestate in Holzweiler
Dramatisches Matinée-Konzert
Holzweiler. Das Evenos Quartett (Evenos: Elfenbein), ein wahrhaft internationales Ensemble mit Ivan Knezevic (Violine) aus Serbien, Ioannis Petrakis (Violine) aus Griechenland, Odysseus Lavaris (Viola) aus Griechenland und Mathieu Jocqué (Cello) aus Belgien gründete sich aus Studenten an nordrhein-westfälischen Musikhochschulen und ist seit 2015 ein Stipendiaten-Ensemble der Villa Musica, Mainz.
Jetzt spielte es im Grafschafter Kunstverein, in der Villa Bellestate in Holzweiler bei strahlendem Frühlingswetter, umgeben vom blühenden Garten vor fast vollbesetztem Musiksaal drei Streichquartette: Der Quartettsatz c-Moll von Franz Schubert, ist Teil eines unvollendeten Werks, das durch das Verbot freiheitlichen Denkens und damit verbundener Verhaftung des Komponisten nicht zu Ende geführt wurde. Ludwig van Beethovens Streichquartett 127 Es-Dur ist ein spätes Werk des Komponisten, in dem seine Liebe zur Natur besonders zum Ausdruck kommt, sodass man es als Beethovens „Pastorale“ bezeichnen kann. Der stürmische Satz von Schubert und die abgeklärten Klänge von Beethoven ergaben einen wunderbaren Kontrast.
Der Kontrast wurde noch gesteigert durch Dimitri Schostakowitschs dramatisches Streichquartett F-Dur, das 1946, mehr als ein Jahrhundert später, die Kriegszeit aus russischer Sicht darstellt. Die Machthaber des Siegerlandes Russland wollten glorifiziert werden, was Schostakowitsch nicht tat, sondern die Grauen des Kriegs thematisierte. Er konnte es jedoch nicht wagen, die gedachten Themen über die fünf Sätze des Quartetts zu schreiben, was erst bei einer späteren Aufführung geschah, nämlich: die Ahnungslosigkeit der Menschen vor dem Krieg, Unruhe und düstere Vorahnung der drohenden Katastrophe, der Krieg in seiner Grausamkeit, Gedenken an die Toten und die ewige Frage: Wozu und warum?
Dieses Matinée-Konzert wurde vom Evenos Quartett großartig gespielt. Die jungen Musiker haben ihr ganzes Herz und ihr hohes Können in die Interpretation gelegt, und es ist ihnen gelungen, die Zuhörer mitzureißen.
Als „Zugabe“ spielte das Quartett nochmals den dritten Satz (den „Krieg“) von Schostakowitsch, um die Menschen auch in einer Zeit des Friedens in Europa an diese Drohung zu erinnern.
