Allgemeine Berichte | 29.01.2025

Drei Jahre im Krieg

(v.l.): Josef Schmidhofer, Alexey Yusupov.  Foto: Elmar Gafinen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit diesem Thema begann die Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) ihre Vortragsserie für das Jahr 2025. Die Veranstaltung fand am Mittwoch, 22. Januar 2025, um 19.30 Uhr im Hotel zum Weinberg in Bad Neuenahr in Präsenz und als ZOOM-Webinar statt. Referent war Herr Alexey Yusupov, der seit 2022 das Russlandprogramm der Friedrich-Ebert-Stiftung leitet und als Spezialist für Sicherheitspolitik und Innenpolitik fragiler und autokratischer Regime jahrelang in Zentralasien, Afghanistan und Myanmar im Einsatz war. Die Sektionsleitung hatte also wieder einen profunden Kenner des inneren Machtgefüges im Putinschen Russland gefunden. Yusupov selbst wurde 1987 in Moskau geboren und lebt seit 2002 in Deutschland. Er hat also die tiefgreifenden Umbrüche in seinem Geburtsland als Kind und Jugendlicher miterlebt. Wie er selbst sagt, verfügt er heute noch über gute Verbindungen nach Russland und kann deshalb die Entwicklungen bis hin zum Russisch- Ukrainischen Krieg aus einer anderen Perspektive bewerten als jeder Außenstehende.

Dem Referenten ging es in seinem spannenden Vortrag nicht vordergründig um eine militärische Analyse der Ereignisse, sondern er wollte den über 100 Zuhörern im Saal die Überlegungen und Zielsetzungen Putins und seiner Eliten in den gegenwärtigen weltpolitischen Auseinandersetzungen etwas näherbringen. Dazu formulierte er den Begriff der „Grand Strategy“ (Gesamt- oder Leitstrategie). Sie beinhaltet den Gesellschaftsvertrag der Russischen Föderation, die demografische und ökonomische Entwicklung, das Verhältnis zu den USA und China. Diese Punkte müssen im Gleichgewicht bleiben, damit Putins Politik funktioniert und sich vor allem die russischen Eliten nicht abwenden und auch die Probleme nicht zu einer Überforderung des normalen Bürgers werden. Yusupov machte das dann auch am Krieg mit der Ukraine deutlich. Trotz großer Verluste an der Front steht die Mehrzahl der russischen Bevölkerung hinter ihrem Präsidenten. Eine schnelle Beendigung des Krieges wegen innerer Probleme ist also nicht zu erwarten. Putin scheut auch nicht davor zurück, selbst bei engsten Verbündeten durch personelle Veränderungen seinen Kurs durchzusetzen. Das wurde unterstrichen durch Beispiele in der „Umbesetzung“ militärischer Spitzenpositionen. Ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten ist Nikolaj Patruschew, von 2008 – 2022 Sekretär des Sicherheitsrates der Russischen Föderation. Beide kennen sich seit vielen Jahren aus der gemeinsamen Tätigkeit beim KGB. Patruschew tritt kaum öffentlich in Erscheinung und ist deshalb relativ unbekannt. Aber er zieht im Hintergrund für Putin die Fäden.

Die Richtung wurde in einem Interview der Prawda am 14.01.2025 deutlich. Darin werden Verhandlungen zum Ukraine-Krieg ausschließlich mit Washington, ohne Beteiligung Londons, Brüssels oder Kiews gefordert und ein Ende der Existenz der Ukraine im Jahre 2025 als möglich angesehen. Sollten die Verhandlungen nicht im Sinne Russlands verlaufen, könnte der Krieg bis 2027 fortgesetzt werden. Das ist eindeutig eine Drohkulisse für mögliche Verhandlungen. Es bleibt abzuwarten, welche realen Schritte Amerikas Präsident Trump unternimmt, der ja auch immer wieder von einem schnellen Ende des Russisch- Ukrainischen Krieges nach seinem Amtsantritt gesprochen hat. Zu welchen Konditionen so ein Kriegsende erreicht werden könnte, wollte Yusupov nicht vorhersagen, aber wohl kaum zu den Vorstellungen der Ukraine.

Abschließend ging der Referent noch auf einige Gedanken zur Zukunft ein. Die insbesondere in Deutschland von der Politik gern diskutierte Frage „Greift Russland die NATO an und wen ja wann?“ wurde mit einer Überlegung beantwortet. Niemand hat über Russland so lange geherrscht wie Putin (nicht einmal Katharina die Große). Aber auch der hat kein ewiges Leben. Deshalb wird es im Jahre 2030 nicht sein erstes Problem sein, die NATO anzugreifen, sondern er muss seine Nachfolge regeln. Derzeit ist darüber nichts bekannt.

(v.l.): Josef Schmidhofer, Alexey Yusupov. Foto: Elmar Gafinen

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