Allgemeine Berichte | 17.07.2018

Grafische Werkstatt im Traklhaus Salzburg zeigt Arbeiten in Linz

Druckkunst in ihrer ganzen Vielfalt

Die gute Stube der Bunten Stadt am Rhein wird bis zum 11. August wieder zur „Messehalle für Kunst“

Mit vielen Vernissagebesuchern kam Werkstattleiter Martin Gredler in der Stadthalle ins Gespräch. DL

Linz. „Die Stadt und der Kunstverein Linz um seinen Vorsitzenden Norbert Boden freuen sich, so viele interessierte Gäste in der Stadthalle, der ehemaligen Kapuzinerkirche, begrüßen zu können.“ Mit diesen Worten eröffnete der Linzer Stadtbürgermeister Hans Georg Faust als Hausherr die Ausstellung „Die Grafische Werkstatt im Traklhaus Salzburg“. „Durch den persönlichen Kontakt von Michael Royen, dem Kurator des Kunstvereins, und Martin Gredler, dem Werkstattleiter im Traklhaus, sind wir in der glücklichen Lage, Ihnen im Rahmen des Linzer Kulturprogramms diese besondere Ausstellung zeitgenössischer Druckgrafik-Ausstellung zeitgenössische Druckgrafik von außergewöhnlicher Qualität präsentieren zu können“, hob der Stadtchef hervor.

Die Initiatoren der Ausstellung hätten deren Bedeutung im Kulturausschuss so überzeugend dargelegt, dass die Ratsmitglieder sich der Aufnahme in das Kulturprogramm nicht hätten verschließen können. Dabei erwähnte Faust neben dem Vorsitzenden und dem Kurator vor allem Klaus Krumscheid, der mit seinem Team die Stellwände für die Ausstellung aufgebaut und mit seiner Raumaufteilung „Kunst für die Kunst“ geschaffen habe. Diesem Lob stimmte Martin Gredler uneingeschränkt zu: „Wenn ich diese Halle bei einer anderen Veranstaltung, also ohne diese Stellwände gesehen hätte, hätte ich dieses Pilot-Projekt abgesagt. So aber kann ich nur anerkennend feststellen: Hier geht auch bildende Kunst, genauer Druckkunst, ohne sich in ihrer ganzen Vielfalt,im Wege zu stehen.“

Drucktechnik machte die Verbreitung von Kunst möglich

Initiiert hatte die Ausstellung Krumscheid, seines Zeichens selber Drucker, dessen Leidenschaft vornehmlich der Radierung gilt. „Als er mit sein Anliegen vortrug, eine Ausstellung von Druckgrafiken zu organisieren, wurde mir bewusst, dass diese einen der wichtigsten Bereiche der bildenden Kunst darstellen“, so Kurator Royen. Alles, was Form, Stil und Schönheit besitze, habe seine Verbreitung durch die Kunst des Druckens erfahren. Royen war selbst vor 20 Jahren als Stipendiat im Traklhaus aktiv, wovon in der Stadthalle seine Litho „Hommage an Waldmüller“ zeugt, in der er ein Gemälde des österreichischen Künstlers aus dem Biedermeier in Pollockscher Manier verfremdet hat.

„Der Kurator des Linzer Kunstvereins hat sich durch seine Verbindung große Verdienste um das Zustandekommen dieser spektakulären Ausstellung erworben und am Ende auch mich überzeugt“, so Stadtbürgermeister Faust. Ohne die großzügige Unterstützung und das persönliche Handanlegen etwa beim Rahmen der weit über 80 Arbeiten international bekannter Künstler von Seiten Martin Gredlers wäre die Ausstellung aber nicht zu realisieren gewesen, die der Werkstattleiter im Vorraum der Empore mit dem Tiefdruck „Die Vergrämung der Kormorane“ und je einer Lithografie aus den Serien „Familienaufstellung“ sowie „Uzupuis – under an Umbrella“ sowie zwei größeren Lithos aus der Serie „Monomediales“ bereichert. „Mit diesen Arbeiten spannt er ein narratives Netz zwischen technischen Capriccios, also scheinbar ohne programmatische Gebundenheit improvisierten Szenen, sowie Verrätselungen und Buchstäblichkeiten, sodass sich Mythen und verbale Alltagsobjekte zu sinnbildhaften Bilderzählungen verweben“, erklärte Michael Royen.

Zuvor war Hans Georg Faust näher auf die Salzburger Werkstatt eingegangen. Auf Betreiben der Künstler Gustav Kurt Beck und Slavi Soucek war 1952 eine Galerie gegründet worden, die sich zum Ziel setzte, aktuelle Tendenzen in der bildenden Kunst auszuloten, zu präsentieren und zu fördern sowie durch Erwerb und Verlag von Grafiken eine repräsentative Sammlung aufzubauen. Zu diesem Zweck richtete man 1954 eine „Graphische Versuchswerkstätte“ ein. 1973 adaptierte die Versuchswerkstatt dann Räume des Traklhauses im Zentrum der Salzburger Altstadt und baute dort auf 180 Quadratmetern eine Werkstatt. Aufgrund der zunehmenden Werkstatttätigkeit beschränkte sich das Sammeln nunmehr ausschließlich auf Grafiken, die in der Werkstatt entstanden waren. Die Galerietätigkeit wurde zugunsten der Produktion von bis zu 40 Künstlern pro Jahr ausgesetzt, der Erwerb weiterer Kunstwerke aus Budgetgründen eingestellt.

Lithographien von höchster künstlerischer Qualität

1998 nimmt der Verein, mittlerweile in „Grafische Werkstatt im Traklhaus“ umbenannt, eine Neupositionierung vor und nimmt die Editionstätigkeit wieder auf. Bereits ein Jahr zuvor hatte Bernhard Lochmann seine Arbeiten zu „Panzer, Propeller und Piloten“ ausgestellt, in die sich auch sein Linzer Holzschnitt „Anfang oder Ende einer Geschichte 2“ einreiht. „Die in den Lithografie-Werkstätten arbeitenden Künstler sind dazu angehalten, Belegexemplare ihrer Arbeiten der Werkstatt zu überlassen, sodass im Traklhaus eine Vielfalt künstlerischer Artikulierungen vorliegt, die so kaum in einer anderer Sammlung anzutreffen sein dürfte“, berichtete Michael Royen, der schon vor einem Jahr zusammen mit Martin Gredler eine Auswahl getroffen hatte. Diese basierte auf den Prämissen hohe Qualität der Arbeit und hohe künstlerische Qualität, Ambition der Künstler und Umgang mit der Technik der Lithographie.

Große Namen sind mit ihren Werken in Linz vertreten

„Im Traklhaus einer seiner Arbeiten einen besonderen Ausdruck verleihen zu können, hat viele Berühmtheiten angelockt wie etwa Arnulf Rainer, der hier mit einem 2004er Tiefdruck vertreten ist, aber auch Markus Lüpertz, dessen leider unsignierte Lithografie ‚Dithyrambisches“ aus dem Jahr 1985 hier zu sehen ist“, so der Kurator des Kunstvereins. Etliche Künstler sind mit zwei Arbeiten vertreten wie etwa Eva Möseneder mit „Durchblick“ und „Afrikanische Flora“, Rupert Gredler mit „Der Wind steht günstig“ und dem biblischen Thema „Susanna und die Alten“ oder Uwe Bremer mit „Archeopteryx auf dem Feuerstuhl“ und „Traklhaus MMXXVIII“.

Über das 150 Millionen Jahre alte „Tier“, mit Zähnen und Krallen sowie Schnabel und Federn zwischen Vogel und Reptil stehend, kam Hans Georg Faust auf den Solnhofener Plattenkalk zu sprechen, der nicht nur Paläontologen angesichts der in ihm anzutreffenden Fossilien begeistert, sondern auch Druckgrafiker. Der Theaterschriftsteller, Musiker und Komponist Alois Senefelder hatte Ende des 18. Jahrhunderts während eines Spaziergangs an einem Regentag bemerkt, dass sich ein Blatt auf einem Kalkstein abgebildet hatte, was ihn darauf brachte, den plangeschliffenen, ausgesprochen feinkörnigen Solnhofener Schieferstein als Form für sein Flachdruckverfahren zu nutzen. „Bis etwa 1930 war der Steindruck eine sehr häufig verwendete Technik für verschiedene Drucksachen, wurde danach aber sukzessive vom Offsetdruck abgelöst, sodass die Lithografie heute nur noch im künstlerischen Bereich auf unterschiedlichste Art und Weise eingesetzt wird, wie Sie hier in der Stadthalle noch bis Samstag, 11. August, donnerstags und Freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sehen können“, so Michael Royen, bevor er den Werkstattleiter in die Einführung miteinbezog. DL

Nur wer am Samstag frühzeitig in die Stadthalle gekommen war, konnte in aller Ruhe die unterschiedlichen Druckarbeiten studieren

Nur wer am Samstag frühzeitig in die Stadthalle gekommen war, konnte in aller Ruhe die unterschiedlichen Druckarbeiten studieren

Vor einer Lithografie von Bernhard Lochmann erläuterten Martin Gredler und Michael Royen dem Stadtchef und dem Vorsitzenden des Kunstvereins, Norbert Boden, die Drucktechnik.

Vor einer Lithografie von Bernhard Lochmann erläuterten Martin Gredler und Michael Royen dem Stadtchef und dem Vorsitzenden des Kunstvereins, Norbert Boden, die Drucktechnik.

Mit vielen Vernissagebesuchern kam Werkstattleiter Martin Gredler in der Stadthalle ins Gespräch. Fotos: DL

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