Sommernachtskonzerte im Florinshof
Duo Lustgarden bot eigenwillige Interpretationen
Publikum bekam Vocal-Jazz, Latin-, Folkrock- und Blues-Elemente zu hören
Mendig. Der Obermendiger Fronhof St. Florin war vermutlich ursprünglich pfalzgräflicher Besitz und gehörte ab dem 12. Jahrhundert. zum Koblenzer Stift St. Florin. Bei der Auflösung des Klosters im Jahre 1802 wurde der gesamte Hof- und Grundbesitz des Stiftes 1804 von Leonhard Hirschbrunn aus Montabaur ersteigert. Seitdem wurde der Besitz auch als Hirschbrunnshof bezeichnet und als landwirtschaftliches Gut bis 1932 bewirtschaftet. Die Hofanlage besteht aus dem etwa 300 Jahre alten Herrenhaus, der inzwischen sanierten spätgotischen Laurentius-Kapelle und den mit Efeu bewachsenen Ruinen der im Krieg 1945 zerstörten Wirtschaftsgebäude.
Den Eingang zum Hof bildet ein etwa 300.jähriges „Fränkisches Hoftor“ aus gemauertem Basaltstein mit einem wuchtigen Holztor. Seitlich an dieses Tor anschließend stand bis zu ihrem Abriss im Jahr 1951 die alte Stiftsmühle von 1723. Von ihrer Existenz zeugt heute noch der Mühlbach, der in seinem gemauerten Bett den Hof durchfließt. Ruinen und Herrenhaus verbindet ein gepflasterter Innenhof, der heute mit Pflanzen begrünt und mit modernen Skulpturen gestaltet wurde. Vor der Laurentius-Kapelle liegt ein etwa 100 m² großer Kapellengarten, der zur Straße und zum Hof hin mit einer Basaltsteinmauer abgegrenzt wird. Er ist durch ein kleines, mit einem schmiedeeisernen Gitter verschlossenes Tor vom Hof aus zugänglich. Die Inhaber des immer wieder im Focus hochkarätiger kultureller Veranstaltungen stehenden Florinshofes, Bärbel und Wolfgang Schlags haben auch in diesem Jahr wieder in Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Mendig unter dem Motto: „Sommernachtskonzerte im Florinshof“ eine dreiteilige musikalische Veranstaltungs-Serie kreiert, deren Künstler nicht nur aus der Region, sondern u.a. auch aus US-Amerika und Neuseeland stammen.
Kapelle restlos gefüllt
Am Freitag, dem 09. Juni begrüßte der Hausherr Wolfgang Schlags in der bis auf den letzten Platz besetzten Laurentius-Kapelle über 60 Besucher zum Eröffnungskonzert mit dem Duo „Lustgarden“. Da es sich bei den meisten Gästen offensichtlich um Kottenheimer Fans des Duos (Jutta Menningen und Ulli Herschbach) handelte, stellte der Hausherr mit einem Augenzwinkern fest: „Eigentlich hätte ich auch den Junker Schilling erwartet.“
Bevor das Musiker-Paar den Abend mit dem 1931 von Gus Kahn getexteten und von Fabian Andre sowie Wilbur Schwandt komponierten weltberühmten Song
„Dream a little dream on me“ eröffneten, verließ Ulli Herschbach zunächst kommentarlos den Veranstaltungsort und gab nach seiner Rückkehr bekannt, dass er seine Posaune vergessen habe und er seine Gesangspartnerin deshalb ausschließlich auf der Gitarre begleiten werde. Nach dem gemeinsam intonierten „God bless the child“, einem Song von Billie Holiday aus dem Jahre 1941, der sich zum Jazzstandard entwickelte, überraschte Ulli Herschbach seine Fans erneut, als er seine Partnerin bei dem gefühlvoll interpretierten Lied „The lies of handsome man“ mit Geräuschen begleitete, die seine fehlende Posaune ersetzen sollten, was ihm seine Bewunderer jedoch keineswegs übel nahmen, sondern anerkennend applaudierten. Dies galt nicht zuletzt auch für die zwar recht eigenwillige, jedoch keineswegs uncharmante Interpretation des bekannten Kinderliedes „Kommt ein Vogel geflogen“, bei dem sich viele Zuhörer sicher gerne an die „gute alte Zeit“ erinnerten.
Während das etwas zwei Stunden währende Konzert von einer kleinen Pause unterbrochen wurde, in der die Besucher den von Bärbel Schlags einmalig gestalteten Garten bewundern konnten, der oberhalb des Hauptgebäudes liegt und über einen Treppenzugang vom Hof aus erreichbar ist, hatten die Gastgeber im Anschluss an das Konzert gegen ein geringes Entgelt zu einem kleinen Imbiss und Umtrunk eingeladen. Der Erlös wird für einen guten Zweck gespendet.
Nächster Termin
Das nächste Sommernachtskonzert im Florinshof findet am Dienstag, dem 8. August mit den beiden Gitarren-Virtuosen „Loren & Mark“ statt. Der US-Amerikaner Loren Barrigar und der Neuseeländer Mark Mazengarb lernten sich 2005 auf einem Workshop mit Tommy Emmanuel und Jorma Kaukonen kennen. Loren arbeitete bereits als Profimusiker und Mark war gerade dabei sein Diplom in klassischer Gitarre zu erwerben. FRE
