Vortrag von Dr. Martin Bredenbeck im Odendorfer Zehnthaus
„Durchfahrtsland - Historische und moderne Kulturlandschaft zwischen Bonn und Köln“
Swisttal-Odendorf. Der Begriff der Kulturlandschaft, seine Entwicklung und Wandlung, stand im Mittelpunkt des Vortrags, den der Kunsthistoriker Dr. Martin Bredenbeck am 9. März im Odendorfer Zehnthaus hielt. Eingehend legte der Referent dar, wie sich die Bedeutungen der Begriffe Kultur und Landschaft aus ihren römischen beziehungsweise germanischen Wurzeln heraus eigenständig entwickelten, bevor sie im 20. Jahrhundert in dem Wort „Kulturlandschaft“ verschmolzen, um damit die dauerhaft vom Menschen geprägte Umwelt zu bezeichnen.
In seinem reich illustrierten Bericht lieferte Bredenbeck hierfür zahlreiche Belege von der Antike über das Mittelalter, über Renaissance und Barockzeit bis in die heutigen Tage, um das Publikum dann mit Blick auf unsere nähere rheinische Umgebung auf eine imaginäre Reise von Bonn nach Köln mitzunehmen.
Da schon die Wahl des Reisemittels - ob auf Schusters Rappen, ob mit dem Rad, mit dem Auto, der Bahn oder dem Schiff - zwangsläufig zu sehr unterschiedlichen Eindrücken führen muss, begab sich der Referent mal auf diese, mal auf jene Trasse.
Exemplarisch beschrieb er die Entwicklung des Begriffs der Kulturlandschaft am Beispiel der Bahn. Hatte man als Ergebnis der Eisenbahnbegeisterung des 19. Jahrhunderts die prachtvollen Empfangsgebäude der Hauptbahnhöfe gewissermaßen als Eingangstore in die Städte gestaltet und führte man die Strecken oft bewusst an Sehenswürdigkeiten wie dem Kölner Dom und dem Brühler Schloss vorbei, so würde eine heutige Streckenplanung den Erlebnischarakter der Fahrt ganz sicher nicht in den Vordergrund stellen und für Innenstadtbahnhöfe vorzugsweise unterirdische Lösungen bevorzugen.
Großes Augenmerk widmete er den Auswirkungen der intensiven Verkehrsdurchdringung der Region, so zum Beispiel der Bedeutung der 1932 eingeweihten Autobahn 555 zwischen Bonn und Köln, aber auch der bis heute voranschreitenden Ausdehnung von Gewerbegebieten. Letztere seien bestimmt nicht immer schön, aber dennoch seien sie Lebensgrundlage für viele.
So trete heute neben eine ästhetische Argumentation oft der Gesichtspunkt der Ressourcen.
Wollten die einen die Kulturlandschaft als schöne Umgebung voller geschichtlicher Zeugnisse bewahren, so stehen für andere die Gewinnung von Energie und der Güterverkehr im Vordergrund.
Mehr als früher, so Bredenbeck abschließend, ist der Blick auf Landschaft heute von den Motiven der jeweils Betrachtenden bestimmt.
Pressemitteilung
Verein Zehnthaus e.V.
