Allgemeine Berichte | 10.08.2026

EIN-SPRUCH: Wenn Vertrautes schwindet

Pfarrer Jörg Meyrer.  Fotos: privat

Die Sommerferien sind vorbei. Für viele hat der Alltag wieder begonnen. Wecker stellen. Brotdosen schmieren. Stundenpläne. Termine. Für manche Familien ist es in diesem Jahr mehr als das. Sie wissen noch nicht genau, wie es mit dem Kindergarten weitergeht. Rund um St. Laurentius und St. Mauritius wird geplant und gerungen: in Ahrweiler um ein erneutes Provisorium, in Heimersheim um den endgültigen Standort des Neubaus. Das bedeutet viele Absprachen, unterschiedliche Meinungen. Für Eltern bedeutet es vor allem eines: Unsicherheit.

Fast hat der Abriss von St. Pius begonnen. Auch wenn die Kirche seit der Flut nicht mehr genutzt werden konnte, ist sie mehr als ein Gebäude. Sie ist der Ort der Taufe. Der Erstkommunion. Der Hochzeit. Der Abschiede. Ein Ort, an dem so viele geglaubt, gebetet haben. Und gelebt und gefeiert. Das ist so schwer. Veränderungen lassen sich nicht immer vermeiden. Manchmal sind sie notwendig. Trotzdem tun sie weh. Vielleicht machen wir es uns manchmal zu leicht, wenn wir nach vorne schauen und fragen: „Was kommt jetzt?“ Mindestens genauso wichtig ist die andere Frage: Was verliert ein Mensch, wenn Vertrautes verschwindet? Wer das versteht, wird geduldiger mit denen, denen Veränderungen schwerfallen.

Der christliche Glaube kennt beides: den Abschied und den Aufbruch. Jesus hat nie versprochen, dass alles bleibt. Aber er hat versprochen, dass wir auf unseren Wegen nicht allein sind. Das ist mir im Moment die wichtigste Zusage. Nicht, dass alles so bleibt, wie es war. Sondern dass wir auch das Neue nicht allein bewältigen müssen.

Über EIN-SPRUCH

EIN-SPRUCH ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Jörg Meyrer ist seit 24 Pfarrer in der Stadt.

Pfarrer Jörg Meyrer. Fotos: privat

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